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Horst Kaisers Homepage |
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Auswahlmenü Kriegsende und amerikanische
Gefangenschaft II./Artillerie
Regiment 117 Kriegstagebuch Chronik
Mai 1943 bis zur Vernichtung am 12. Mai 1944 ein
Tagebuch von Brunhilde Dallmann Familie Kaiser aus Prütznow und
Labes Stammbaum der Familie Kaiser und
Eitzen Flucht
/Schwessin.htm Treck 1945 und
Treffen in der Lüneburger Heide |
Prütznow,
die Zeit 1945/1946 unter Russen und Polen
und unsere Vertreibung am 11. Mai 1946 Ein
Tagebuch von Brunhilde Dallmann
Brunhilde D a l l m a n n (geboren am 1.7.1928, also seiner Zeit ca. 17 Jahre alt) hat ihr Tagebuch, das sie in der Zeit vom 24. Februar 1945 bis 20. Juni 1946 über ihre Zeit in Prütznow/Pommern und die Ausweisung im Mai 1946 geführt hat, Anfang 1989 in Schreibmaschinenschrift übertragen. Einige Worte waren im Original nicht mehr lesbar; sie hat sie sinngemäß ergänzt. Da sie vorher noch nicht Schreibmaschine geschrieben hat, bat sie darum, das Schriftbild zu entschuldigen. Leider hat sie sehr mit Satzzeichen (Punkt, Komma) gespart, so dass es oft etwas mühsam ist zu lesen. Am 3.11.1998 ist sie verstorben. Die Prütznower wurden allgemein am 26.6.1945 aus Prütznow vertrieben bis auf wenige Ausnahmen, darunter Familie Dallmann, die bis Mai 1946 bleiben musste. Beim Einscannen habe ich viele Fehler, aber längst nicht alle, berichtigt. Außerdem habe ich einige Bemerkungen in Kursivschrift gemacht. Dabei wurden auch das Schriftbild und die Schriftgröße verändert. Brunhilde hätte ihr Tagebuch gerne veröffentlicht, um zu zeigen, wie die Polen und Russen nach Kriegsende mit den Deutschen umgegangen sind. Leider fand sie keinen Verleger. Ich denke daher, dass es in ihrem Sinn ist, dass ich ihr Tagebuch jetzt mit Zustimmung ihrer Tochter, Frau Annemarie Thiel, der Öffentlichkeit zugänglich mache. Ergänzend hierzu verweise ich auf die bei Genwiki von mir gestaltete Ortseite Prütznow mit Text, Bildern und Landkarten. Horst Kaiser----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Mein Tagebuch! 24.2.45 Prütznow mein kleines Heimatdörfchen bekommt Einquartierung, unser Dorf liegt 7 Km. von Labes entfernt. Da es sonst hier sehr
ruhig ist, ist auf einmal Leben im
Dorf. Es sind Pioniere, die sollen eine Eisenbahn‑Verbindung bauen
zwischen der Strecke Berlin Stettin Stargard Danzig und der Strecke Labes
Regenwalde Plathe, Gülzow Wollin. (Anmerkung:
Der benötigte Bahndamm war schon kurz vor dem Krieg aufgeschüttet, aber keine
Gleise verlegt worden. Zum Bau der Verbindung ist es auch 1945 nicht
gekommen). Auf unseren Hof kommen 1 Leutnant ein Unteroffizier und vier Mann 25.2.45 Wir hören schon Tagelang den Kanonendonner, die Front ist ja noch in weiter Ferne. Wir glauben ja auch nicht, daß der Russe, der Tag für Tag näher kommt, noch zu uns kommt, denn bis er hier ist werden unsere Truppen Ihn ja zurück geschlagen haben. 26.2.45 Heute schon am frühen Morgen lag ein großer Flüchtlingszug am Bahnhof. Die kamen aus Ostpreußen. Es ist doch ein großes Elend. Wir im Dorf haben große Kessel Suppe gekocht und zum Bahnhof gebracht, damit die Flüchtlinge mal was Warmes zu Essen bekamen. Es wurden Kranke und Tote ausgeladen. Mittags kam auch noch ein langer Lazarettzug, so viel Not und Elend habe ich noch nicht gesehen. Wir vom BDM mussten in den Zug um beim verbinden der vielen Schwerverletzten zu helfen. Am Nachmittag kam
noch der Sonderzug des Führerhauptquartiers mit Führer. Auch die mußten
versorgt werden. Aber da war der ganze Bahnhof abgesperrt von der SS. Die
bekamen Kaffee und Belegte Brote. Wir vom BDM (Anmerkung: Bund Deutscher
Mädchen = nationalsozialistische
Organisation der 14 bis 18 Jahre alten Mädchen) haben den ganzen Tag Dienst. Es kommt ein
Zug nach dem anderen, aber das schlimmste ist die Kälte und der Schnee. Die normalen Züge haben alle Stunden lange Verspätungen durch die vielen zusätzlichen Sonderzüge. 27.2.45 Wieder kommt der Kanonendonner näher, heute früh hatten wir den ersten Tiefflieger Angriff es gab mehrere Tote da auf dem Bahnhof ein Zug stand. Es war ein Glück die Gleise waren in Ordnung. Nachmittags bekamen wir ein Telegramm von meiner Schwester die in Mecklenburg arbeitet, wir sollen sofort kommen. Aber wir hoffen doch noch immer daß der Russe nicht bis hier kommt. Es ist doch nicht so leicht Haus Hof das ganze Vieh und alles Hab und Gut so einfach stehen zu lassen. Heute wurden bei uns alle Jungen und alle Männer bis 65 zum Volkssturm eingezogen nur einige dürfen zurück bleiben. Die mußten Panzersperren bauen und Brücken bewachen. Wir Mädels hatten den ganzen Abend und über Nacht Bereitschaftsdienst auf dem Bahnhof. Es kommt ein Zug nach dem anderen und alle sind dankbar wenn wir Warme Getränke und Suppe ausgeben. 28.2.45 Da wir etwas abseits der Landstrasse liegen bekommen wir von den vielen Trecks nicht so viel mit, denn die Strassen sind voll von Flüchtlingen und Soldaten. Wir haben schon 2 Wagen beladen auf dem 3. ist nur Futter für die Pferde. Unsere Schwarze hat in der letzten Nacht ein Fohlen bekommen was soll daraus werden wenn wir auf die Flucht gehen sollten? Wir haben heute wieder gebacken 30 Brote, wir brauchen so viel da immer neue Flüchtlinge kommen. 1.3.45 Heute verlassen alle evakuierten und Kinderreiche das Dorf Auch die Soldaten sollen alle weg. Alle Züge werden bei uns umgeleitet nach Regenwalde. (Das bedeutet, sie mussten „Kopf machen“, also die Lok umspannen in andere Richtung, da die Strecke über Stargard durch die Russen schon unterbrochen war.). Wir haben in der Nacht unsere Wagen gepackt aber wir dürfen nicht raus der Kreisbauernführer der in Prütznow wohnt hat angedroht jeden zu erschießen der das Dorf verläßt. Im Wehrmachtsbericht wurde durch gesagt daß es einigen Panzern der Russen gelungen sei bis nach Stargard vor zu stoßen. Aber die werden unsere ja wohl zurück werfen. 2.3. 45 Wir warten immer noch dass wir losfahren dürfen, denn der Kanonendonner kommt immer näher. Nun wollte mein Onkel unser Fohlen erschießen aber ich bettelte so lange und weinte bis er es am Leben ließ. Mittags ging es dann los. Als die ersten Wagen auf dem Berg waren, unser Dorf lag ganz im Tal da wurden die ersten schon von den Russen beschossen. Es waren nicht ein Paar Panzer sondern hunderte. Wir drehten um und fuhren auf den Hof zurück, Die Wagen in die Scheune die Pferde in den Stall und warteten auf die Dinge die da kommen sollten! (Meine, Horst Kaisers, Mutter Elisabeth Kaiser ist mit allen Angestellten der Geflügelzucht und einigen Flüchtlingen aus Ostpreußen = 20 Personen am 2.3.45. um 14 Uhr aus Prütznow mit Wehrmachtsautos abgefahren, ohne auf die Genehmigung zur Flucht zu warten). 3.3.45 Morgens um 6 Uhr rückten die ersten Russen bei uns ein fragten nach Deutschen Soldaten und suchten alles ab. Wir hatten über Nacht alle Hackenkreuzfahnen Hitlerbilder und Kriegsbücher verbrand. Um12 Uhr Mittags war kein Russe mehr im Dorf sondern es standen wieder Deutsche Soldaten vor uns die uns viel Mut machten, aber mitnehmen konnten Sie uns nicht. Also mußten wir bleiben. Gegen Abend waren dann die Russen wieder im Dorf. Sie suchten wieder Deutsche Soldaten sonst merkten wir von denen nichts, aber wir lagen ja voll unter Beschuß wir waren fast nur im Keller. 4.3.45 Mein Vater meine Mutter und ich leben auf dem Hof meines Onkels der nicht verheiratet ist und meine Mutter seine Schwester den Haushalt führt. Morgens tauchte ein Ukrainer auf der zwei Jahre im Dorf gearbeitet hatte. Er hatte ein paar
Russen mitgebracht. Der Ukrainer verlangte alle Uhren, er wußte ja daß wir
welche hatten. Er warf unser Radio entzwei den Elektro Heizofen nahm das Bild meines Großvaters von der Wand und
trampelten darauf rum. Wir hatten auch
erfahren dass zwei Dorf Bewohner bei unserm Versuch zu flüchten von den
Russen erschoßen wurden. Der Ukrainer kam noch
am Vormittag mit einigen Russen zurück Die stellten viele Fragen über Partei
SS und Hitler. Dann wurde mein Onkel abgeführt und bald darauf hörten wir
einige Schüsse fallen. Da der Ukrainer angetrunken war musste man mit dem
schlimmsten rechnen. Ich lief bald danach, um
meinen Onkel zu suchen, dabei wurde ich Zeuge wie zwei Männer erschoßen
wurden. Es waren ein Bauer der andere war vom E.Werk. Sie mußten in die
Rega gehen und wurden dann mit einer Maschinenpistole niedergeschoßen. Da Schnee lag sah ich auch eine Spur von unserer Koppel
die in die Rega führte, da war mir klar die Spur gehörte zu meinem Onkel. Ich suchte weiter da rief jemand meinen Namen es war
mein Onkel er lebte. In seiner Uhr die er in der Westentasche trug war die
Kugel abgeprallt, Die Uhr ging nicht mehr war tief eingedrückt. Da er ganz nass war und die Sachen auf dem Laib fingen
zu frieren an. Es durfte nun ja auch keiner wissen das er noch lebte Ich war
nun sehr glücklich daß er lebte, wir gingen in unser Backhaus das lag dicht
an de Rega. Ich lief ins Haus holte trockne Sachen Mutti machte einen starken Grog und ich brachte alles ins Backhaus. Auf dem Weg sah ich dann in der Koppel jemand
liegen, ich brachte meinem Onkel die Sachen und lief hin. Da das Dorf voller Russen war mußte ich sehr vorsichtig
sein damit mich niemand sah. Es war einer der Männer auf die mit der
Maschinenpistole geschoßen wurde. Er war schwer verletzt ich half ihm und
brachte ihn auch ins Backhaus. Er hatte einen Munddurchschuß ein Schuß ins
Bein und mehrere Streifschüsse. Ich holte Verbandsstoff und was heißes zu
Trinken, dann holte ich von seiner Frau zwei Höfe weiter trockne Sachen. Die
waren sehr glücklich daß er
noch lebte, es sollte jemand mit kommen aber die hatten große Angst. Wir
haben Ihn dann so gut wir konnten verbunden die Wunden mit Jod ausgepinselt
denn es gab ja keinen Arzt. Ich habe die ganze Blutspur mit Schnee abgedeckt
damit keiner was sah. Wir hatten ja auch große Angst dass alles Entdeckt
wurde. Die Polen die bei uns auf dem Hof arbeiteten waren noch
da und halfen uns, denen haben wir nicht gesagt daß mein Onkel und Herr Lück
lebt. Da die Polen es bei uns sehr gut hatten, haben Sie bei
den Russen gut für uns gesprochen. Am Abend haben mein Onkel und ich dann denn zweiten,
Herr Ziebel gesucht er hatte sich im Wurzelwerk am Rega Ufer verfangen er war
Tod. 5.3.45 Am Abend und in der Nacht war die Front wieder mal in unserer Nähe Es tobte ein furchtbarer Kampf, wir wußten nur nicht welches die Russen und die Deutschen waren. Es waren keine Russen mehr im Dorf, wir suchten die Hügel ums Dorf mit dem Fernglas ab. Wir sahen einige Panzer und Soldaten mit Stahlhelmen also Deutsche, also hatten unsere Soldaten die Russen vertrieben. Nun hatten wir wieder Mut dass alles gut würde. Bald rollten die ersten Panzer ins Dorf die Panzersperren die für die Russen gemacht waren wurden von unsern Panzern eingerissen. Wir begüßten die Soldaten sehr herzlich. Aber als Sie uns sagten dass es nur eine kleine Einheit wäre und schnell weiter wollten, beschlossen wir mit Ihnen zu fahren. Schnell wurden Pferde angespannt und schon ging es los. Wir lagen inzwischen unter starken Beschuß. Als unsere Panzer auf dem Berg waren hörte der Beschuß auf und wir fuhren dann an zwei brennenden Russen Panzern vorbei. Auch viele Tote Russen auch den Ukrainer der so viel Leid ins Dorf gebracht hatte lag tot am Wege. Zwei unserer Polen waren bei uns, das war unser Glück denn die Panzer hatten die Wege so auf gewühlt dass unsere Wagen darin versanken. So kamen
wir nicht weit, und der Russe beschoß uns. Es war ganz furchtbar. Mein Onkel
wurde von einem Granatsplitter getroffen. Bald waren wir von Russen umstellt
da kam einer unser Polen und fragte ob wir Waffen auf den Wagen haben, wir
sollten die sofort verschwinden lassen. Wir hatten eine Maschinenpistole drei
Jagdgewehre und zwei Revolver, ich habe alles in eine Kartoffelmiete
versteckt auch die Munition. Inzwischen waren die Russen da, unsere Polen
stellten sich sofort vor uns. Die durchsuchten unsere Wagen und auch uns, wir
waren wieder mal davon gekommen. Wir sollten umkehren und wegfahren aber das
war schwer wir mußten die Wagen erst aus dem Morast frei kriegen. Das ganze hatte 5 Tote aus der Wagenkolonne 8 Tote
Soldaten. Bei 3 Männern und den 2 Frauen hatte man Waffen gefunden. Es waren
auch viele verwundete Soldaten da, wir durften nicht helfen. Meine Eltern
versuchten meinem Onkel zu helfen er verlor viel Blut und hatte große
Schmerzen. Als wir die Wagen aus dem Morast hatten fuhren wir nach
Hause unser kleines Fohlen lief neben den Wagen her. Wir hatten sehr viel
Glück gehabt ein Pferd hatte einige kleine Splitter am Rücken. Auf unserem
Hof waren einige Russen hatten 2 Kälber 4 Schweine 3 Schafe sowie einige
Gänse, Enten, Hühner und Tauben einfach abgeschoßen es wurde alles
aufgeladen, da unsere Polen bei uns waren und mit Ihnen sprachen kümmerten sich
keiner um uns. Wir brachten unseren Onkel ins Haus, da hatten die
Russen gehaust alle Schränke ausgeräumt ein durch einander man konnte kaum
gehen. Aber zuerst mußte Onkel Richard versorgt werden. wir
haben die Wunde mit Viel Jod behandelt und gebetet dass alles gut wird. Mein Vater hatte inzwischen mit
den Polen die Pferde versorgt. Da wir auch kein Licht hatten da alle Leitungen zerschoßen waren und auch Kerzen knapp, waren die Nächte lang. 6.3.45 Morgens waren wieder
Deutsche Soldaten im Dorf wir sind immer froh wenn wir Stahlhelme sehen statt Pelzmützen, in der Nähe tobt
wieder ein schwerer Kampf.
Onkel Richard geht es sehr schlecht wir haben Ihn jetzt im Keller liegen. Mittags waren wieder Russen
im Dorf weil unsere Hunde so bellten haben Sie unsern Dackel und unsern
Jagdhund erschoßen ; auch mußten 2 Schafe sowie einige Gänse, Enten und
Hühner dran glauben. Unsere Polen wollen uns nun auch verlassen wollen nach
Hause. 7,03.45 Immer ist die Front noch in unserer Nähe, die Russen
sollen viele Deutsche Soldaten eingekesselt haben wir erfahren ja nichts
genaues. Die Russen ziehen Plündernd und schießend durch die
Dörfer. Einige der Polnischen
Gefangenen übernehmen die Höfe auf denen Sie gearbeitet haben, leider unsere
nicht unsere wollen nach Hause. 8.3.45 Die Russen schießen mal wieder auf unsere Tauben, daß
dabei auch die Ziegel auf dem Dach entzwei gehen stört die nicht. Auch einige Schweine werden mit
genommen auf Gänse Enten und Hühner haben es die Russen abgesehn alles wird
mitgenommen. Wir leben fast nur im
Keller meinen Vater haben die Russen heute grausam zusammen geschlagen er ist
73 Jahre er wollte die Russen nicht in den Keller lassen, die
schoßen mit einer Maschinenpistole über unsere Köpfe daß die Kugeln und
Steine so um uns flogen. Wir mußten dann mit
erhobenen Händen rauskommen, danach suchten Sie den Keller ab die glaubten
wir hätten Soldaten versteckt
meinem Onkel hatten sie nichts getan es ging ihm auch sehr schlecht. Wir waren Gott dankbar dass
wir lebten. Wie soll es nur weitergehen? 9.3.45 Die Nacht war sehr kalt ich
war einige Zeit draußen der Himmel war hell von Leuchtraketen, Leuchtspur und explodierenden Granaten. Wo war die Wunderwaffe des Führers wir hoffen noch immer
auf ein Wunder. Im Dorf war es ruhig,
wir mußten aufs Feld zu den Rübenmieten, mein Vater spannte die Ochsen
an und wir fuhren los es ging auch alles
gut Wir sahen nun mal was die Kämpfe so angerichtet hatten.
Unsere Schmiede im Dorf war von einer Granate getroffen und auf dem Felde
waren so einige Granattrichter. 10.3.45 Das Dorf ist wieder voller
Russen, Ich verschwinde wiedermal im Wald denn Junge Mädchen und Frauen sind
vor denen nicht sicher. Alle leeren Häuser und die
anderen werden wieder durchwühlt auch
so einige Tiere werden geschoßen. Wir haben uns schon daran
gewöhnt, wenn Russen da sind fallen Schüsse!
Aber lange bleiben die Russen nicht da ja immer noch Front Gebiet ist,
es sind doch immer große Deutsche Einheiten die sich einen Fluchtweg frei
schießen. Da man uns nichts sagt wissen
wir nicht was eigentlich los ist. 11 3.45 Die Nacht war sehr ruhig, ich gehe mit einigen aus dem Dorf um was essbares zu finden. In den Wäldern und an Straßen liegen Lastwagen und Feldküchen, bei uns werden die Lebensmittel knapp. Wir haben Glück, wir finden eine Feldküche Jede Menge Konserwen, Fleisch, Wurst, Brot, Butter, Schmalz auch Kaffee gepreßt mit und ohne Zucker Gries, Reis, Milchpulver überhaupt alles was man sich denken kann. Wir nehmen so viel wir tragen können und schleichen nach Hause es darf uns ja niemand sehen. Wir müßen nun alles verstecken damit es niemand findet. 12.3.45 Wir gehen Morgens früh noch mal los und holen uns wieder so viel wir tragen können heute waren es schon mehr die mit kamen die meisten haben Angst, Gott sei dank geht alles wieder gut Nachmittags gehen einige Männer aus dem Dorf mit einem Polen los um Tote Soldaten und Flüchtlinge zu Beerdigen. Tote Russen bekommt keiner zu sehen. Die haben Sie bestimmt gleich mitgenommen. Die finden auch Herr Zitzke und Frau unseren Kreisbauernführer er hatte als er nicht mehr weg kam seine Frau und sich erschoßen. Die hatten in Ihrem Wald eine Familien Grabstätte, dort hat man Sie auch beerdigt 13.3.45 Es gibt immer noch große Gefechte aber es ist doch schon etwas weiter Weg. Heute hat man uns 2 Pferde weg geholt, auch alles Brot sowie Kartoffeln auch die letzten Gänse und Enten die Tauben beschoßen, sind nicht mehr viele. Meinem Onkel geht es immer noch sehr schlecht der Granatsplitter steckt bestimmt in der Lunge es läuft viel Blutflüssigkeit raus wir haben nur Jod zur Behandlung. 14.3.45 Heute mussten alle auf die Dorfstrasse kommen dort waren Russen mit LKWs alle waren schwer bewaffnet die suchten sich Leute aus auch mich wir musste uns Schüppen holen und warm anziehen, sie drohten wenn es nicht schnell geht uns zu erschießen. Dann ging es los, wir fuhren ins Nachbardorf Muhlendorf dort sollte hinter der Regabrücke ein Feldflugplatz gebaut werden. Es waren viele Gefangene und viele Leute aus den umliegenden Dörfern. Wir wurden bewacht als ob wir Schwerverbrecher wären. Wir waren ja fast nur Mädchen, Frauen und ein paar Jungen. Es war ein großes Feld und alle Hügel mußten glatt gemacht werden. Am Nachmittag landete ein Doppeldecker und gab noch für den nächsten Tag Anweisungen wir wurden nach Hause gebracht. Ich war restlos fertig das war man ja nicht gewöhnt. 15.3.45 Wieder wurden wir abgeholt alle hatten Muskelkater aber wenn man überleben wollte musste man weitermachen. Viele wurden geschlagen und das Dawei Dawei hörte man über den ganzen Platz es fielen auch Schüsse ich weiß aber nicht ob jemand erschoßen wurde. Im Dorf wurde wieder geplündert meine Eltern waren wieder geschlagen worden und so vieles mitgenommen. 16‑3.45 Heute hat man uns nicht geholt, vielleicht reicht es zum Landen und Starten. Es waren viele Polnische Soldaten im Dorf die waren noch grausamer als die Russen Sie jagten alle aus den Häusern und Plünderten. Abends kamen viele Russen die waren alle betrunken die Polen aus dem Dorf holten alle Frauen und Mädchen in die Schule und versteckten uns. Es wurden alle Häuser durchsucht und die Männer geschlagen. Am Morgen waren dann alle wieder weg, wir gingen nach Hause aufräumen. Abends haben mein Vater und ich Aalschnüre in der Rega gelegt. 17.3.45 Morgens haben wir die Aalschnüre raus geholt wir hatten 11 Aale und 8 Aalquappen, so wurde unser Speise Vorrat etwas aufgefüllt da es nichts zu kaufen gibt freut man sich wenn es mal was anderes gibt. Auch unsere Nachbarn bekamen etwas mit. Nachmittags wurde unser Auto abgeschleppt es hatte ja keine Räder. Da es ein großer Wagen war, hatten wir schon ein paar Jahre keine Fahrerlaubnis da er soviel Sprit fraß. 18.3.45 Da wir ein Frühbeet im Garten hatten gab es heute den ersten Salat und auch Radieschen. Am Nachmittag mußten wir wieder aufs Feld und Kartoffeln und Rüben holen. Ich sah dann etwas weiter weg einige Kisten und Wäschekörbe war alles durchwühlt nur ein Korb war zu. Als ich ihn öffnete fand ich ein Totes kleines Kind nur ein paar Wochen alt, ich rief meinen Vater wir haben es dann mit genommen und auf unserem Friedhof beerdigt Wir wissen nicht wem es gehört und wie es heißt. Der Krieg ist sehr grausam wenn man Ihn verloren hat. An Wunder glauben wir nun nicht mehr auch wissen wir nicht was uns noch bevor steht. 21.3.45 Ich habe einige Tage nicht geschrieben es waren immer so viele Russen und Polen im Dorf wir müssen uns verstecken, es wird geschlagen. geraubt und geplündert. Wenn man sich mal was zusammen gesucht hat ist es auch schon wieder weg. Die Russen und Polen sind am feiern, aber der Krieg kann nicht aus sein wir hören immer noch Kanonendonner in der Ferne. 22.3.45 Es ist doch nicht gut wenn man garnicht weiß was eigentlich los ist. Meinem Onkel geht es zum Glück langsam besser wir sind da rüber sehr froh. Man hat heute einige Kühe im Dorf zusammen und dann weg getrieben so haben wir Kaum noch Milch, zum Glück haben wir sehr viele Gläser mit Butter eingeweckt. Wir haben noch eine Ziege aber die gibt kaum Milch und 5 Kühe. Einige aus dem Dorf hat man zum Viehtreiben mitgenommen. 23.3.45 Heute ist es wieder sehr schlimm mit dem Plündern auch unsere Räucherkammer hat man fast leer gemacht, da wir am räuchern waren hatten die in der Eile etwas verloren und so blieb etwas für uns. Der liebe Gott läßt uns nicht im Stich. Wie lange soll das noch so weiter gehen? Polen aus unserem Dorf waren in Labes, die erzählten uns dass die ganze Innenstadt kaputt geschossen ist, es soll ein Offizier der Russen erschoßen worden sein. sollen viele Labeser dafür erschossen worden sein. 27.3.45 Ich bin mal wieder ein paar Tage nicht zum schreiben gekommen. Das Dorf ist voller Russen heute werden Maschinen und Landwirtschaftliche Geräte abtransportiert. Heute habe ich mal wieder Herr Lück besucht der wurde ja am 4.3 so schwer Verwundet. Es geht schon etwas besser, er bedankte sich daß ich ihm das Leben gerettet habe. aber das hätte jeder andere auch getan. Auch mein Onkel steht schon auf. Es werden auch noch immer Tote Soldaten gefunden und beerdigt. 28‑3.45 Nun hört man keinen Kanonendonner mehr Kolberg soll auch gefallen sein, nur um Danzig wird noch gekämpft. Bei uns ist es mal ruhig hoffentlich bleibt es so. Wir fangen an den Garten zu graben, da wir viel Saatgut selber ziehen, haben wir noch etwas denn wenn wir noch länger hier sind brauchen wir was zu essen. Auch die Spargelbeete haben wir fertig gemacht 1.4.45 Ostersonntag. Mehrere Russen nahmen einige Männer mit um in den Wäldern‑ und an der Bahn-Strecke Deutsche Soldaten zu beerdigen. Mein Vater war auch dabei es müssen sehr viele gewesen sein, die Männer hatten alle Marken abgebrochen aber die Russen haben Ihnen alles abgenommen und alles mit in die Gräber geworfen. Es wird keiner erfahren wer und wo Sie geblieben sind. Wir hatten zuhause auch einige in einer Zigarrenkiste aber die muß auch einer bei den ganzen Plünderungen mitgenommen haben finde nichts mehr. 3.4.45 Gestern gab es nichts zu schreiben es ist nichts los, man hört das Flüchtlinge auf den Straßen sind, man sagt auch das die Polen die Deutschen raus werfen. Was wirklich los ist weiß man nicht! 4.4.45 Es gibt wieder Strom und somit Licht, haben einige Leitungen Repariert. Da bei uns noch ein paar Hühner rumlaufen und es in der Rega Fische gibt, auch einige Kaninchen Leben noch brauchen wir nicht hungern. Was soll aus uns werden. Die Polen im Dorf helfen
uns ja sehr oft aber die haben ja selbst oft Angst, da die eine Familie ja
sogar Volksdeutsche waren aber jetzt 100 % Polen. Der Haß auf uns Deutsche
ist bei Russen und Polen sehr groß. Wir gehen schon mal ins
Feld das Wintergetreide steht ganz gut, da wir niemand zum Arbeiten haben
kann nichts gemacht werden für wen auch. 8.4. 45 Gestern Abend Waren viele
Polnische Soldaten hier auch einer von unseren kam in Offiziersuniform, er
brachte noch 2 mit. Wir haben uns sehr gefreut Sie waren alle sehr nett dann
wurde erzählt was wir alles mit gemacht haben. Da unter den Offizieren
zufällig ein Arzt war, wurde der geholt und mußte sich die Wunde meines
Onkels ansehn. Er gab zur Vorsicht noch eine Spritze gegen Wundstarrkrampf
auch wurde er neu verbunden. Auch bekamen wir noch Verbandszeug, in der
zwischen Zeit hatten wir was zu Essen gemacht und so wurde es noch ein langer
Abend:. Die Polen blieben die Nacht bei uns. 9.4.45 Wir haben zusammen gefrühstückt waren erstaunt daß sogar
Bohnenkaffee da war, ja es gab immer noch viel zu erzählen aber dann mußten
Alle weiter Nachmittags hörten wir es wurde von den Polen auch geplündert und
geschlagen. Wir hatten Glück gehabt warum ist nur keiner unserer Polen hier
geblieben? 12.4.45 In den letzten Tagen war
es außer kleinen Plünderungen ruhig aber daran haben wir uns schon gewöhnt. Das Dorf ist
voller Russen da nichts wie verschwinden. 13.4.45 Ich habe mich erst am späten Abend nach Hause getraut. Mein Vater hatte auf mich gewartet und sagte dass einige Russen im Haus schliefen, so verkroch ich mich oben im Maschinenschuppen. Mein Vater versteckte die Leiter danach ging er ins Haus. Da es oft vor kam hatte ich einige Decken da. Gegen Mittag zogen die Russen weiter und ich konnte ins Haus. Gegen Abend ging es wieder los die Russen holten Holz Kartoffeln die letzten Schweine sowie alle Hühner. Auch unsere Speisekammer mußte dran glauben was die tragen konnten ging mit. Ja so ist es immer wieder haben wir uns was zusammen gesucht ist es weg, aber so geht es wohl allen im Dorf. 14.4.45 Die Zimmer wo die Russen geschlafen hatten waren voller Läuse aber auch das kannten wir schon. Die Wäsche wurde gekocht, Decken und Betten in die Sonne gehängt und tüchtig aus geklopft. Da wir im letzten Herbst einige große Töpfe und viele Gläser Kräude Eingekocht haben und unsere Kühe noch Milch geben somit haben wir auch Butter so immer was aufs Brot zu schmieren. Wir sind auch wieder mal am Brot backen es ist gut das noch Mehl da ist. Da wir keine eigene Mühle im Dorf hatten wurden immer gleich ein paar Sack Roggen und Weizen hin gebracht zum Mahlen. Auch Salz, Zucker in Säcken so hatten wir etwas Vorrat. Bienen haben wir auch somit Honig, 15.4.45 Ich bin mit meinem Vater im Garten haben einige Kartoffeln aus gelegt und noch einiges ausgesät. Meine Mutter ist mit den Nerven ziemlich durch einander. Die Dorfbewohner werden oft zu Arbeiten geholt. Da meine Eltern alt mein Onkel kann nicht läßt man uns in Ruhe. Es ist doch sehr schwer als Besiegte unter den Siegern die voller Haß sind zu Leben. 16.4.45 Heute war die Hölle los ich war in der Küche am wischen. Plötzlich stand ein Russe hinter mir er schoß auf meinen Eimer ich lief nach oben ließ mich mit einem Strick runter in den Garten. Diese Flucht Möglichkeit hat mir schon öfter geholfen. Der Russe hatte noch mehrere Schüsse hinter mir her gejagt. Meine Mutter hat er furchtbar geschlagen die konnte sich kaum bewegen wir hatten angst weil wir nicht wußten ob was gebrochen ist. Ich war sehr traurig da es meiner Mutter sehr schlecht ging, mußte nun sehen wie wir fertig wurden. Wir sind allem schutzlos ausgesetzt. 17.4.45 Es wird immer schwieriger
auch hab ich angst das ich mal beim schreiben erwischt werde, ich habe alle
Zettel oben auf dem Kleiderschrank im Schlafzimmer. Heute sah ich die Russen
aus den leer stehenden Häusern die
Möbel raus trugen auf die bereit stehenden Wagen luden und abfuhren Um die Mittagszeit fielen
einige Schüsse man hatte einen Hund erschossen. Auch die Häuser wurden
wieder durchsucht und auch vieles mitgenommen. 2o.4.45 Die Russen im Dorf sind
alle betrunken schikanieren uns und wollen mit Wodka mit uns anstoßen da der
Führer heute Geburtstag hat. Der Krieg ist immer noch
nicht zu Ende wird uns gesagt, wir hoffen doch daß wenn alles zu Ende ist man uns in Ruhe läßt. Wir
Frauen und Mädchen verkriechen uns wieder in der Schule. Die Polen wollen auf
uns aufpassen, na hoffentlich geht es gut denn auch die Polen sind ganz schön
am trinken. Keiner macht ein Auge zu um im Notfall schnell zu verschwinden. 21.4.45 Es hat gut gegangen nur wir sind alle sehr müde, da im
Dorf sehr viele Russen sind ist an Schlaf nicht zu denken. Aber die suchen
nur Eßbares aber das wird schon sehr knapp, sie holen sich einige Säcke
Roggen und Weizen sowie Kartoffeln Milch Butter und selbst gemachten Käse. Aber was solls wir werden schon wieder was finden der
liebe Gott sorgt immer für uns. Die Russen fangen Fische mit Handgranaten
sollen uns nur welche lassen. Aber in der Rega gibt es viele Fische. Man hat uns gesagt wir müßten alle aus Prütznow raus wir vergraben noch etwas und verstecken so allerhand wir wissen nicht was wird? 23.4.45 Mit einem vollgeladenen Wagen 2 Pferden 5 Fohlen unser kleines, 2 Einjährige und 2 zweijährige unsere 6 Kühe sowie 5 Kälber. Wir müssen nach Wurow 2 Km weiter dort werden wir bei den Bauern und auf Dem Gut untergebracht Wir ziehen mit den Pferden Zu Salzsäulers, Herr Salzsäuler ist ein Freund meines Onkels. Die Kühe kommen aufs Gut wir ziehen ins alte Haus dort haben wir 2 Zimmer und eine Küche. In Wurow ist unsere Kirche und unser Friedhof. Wir gingen in die Kirche und auf den Friedhof zu unseren Gräbern danach in unsere neue Wohnung. Zum Abend wurde ich aufs Gut geholt zum Melken Ich bekam dann einen Eimer Milch uns wurde dann gesagt das wir am anderen Morgen um 7 Uhr wieder dort sein müßten. 24.4.45 Morgens um 7 Uhr ging es zum Melken da genug Frauen da waren ging es schnell, danach mußten die Ställe aus gemistet werden. Es gab dann Frühstück wir wurden dann zur Arbeit eingeteilt. Auf dem Gut war ein Kommandant und vielleicht 2o Russen die immer mit Gewehren uns bewachten. Einige mußten aufs Feld andere in den Garten der Rest ins Haus. Ich war zur Gartenarbeit eingeteilt, es war ein sehr großer Garten und so auch viel zu tun. Mittags gab es Kartoffelsuppe war sogar Fleisch drin und Buttermilch. Auch beim essen wurden wir bewacht dann wieder in den Garten wir durften nicht mal mit einander reden. Ich war froh wie ich abends zu Hause war, aber auch sehr müde und kaputt. 25.4.45 Wir haben schon eine ganze Ecke im Garten fertig da ich die Jüngste bin und auch die kleinste brauch ich heute nicht mehr umgraben. Ich muß Erdbeeren Pflanzen und Gemüse aus säen. Wie mag es in Prütznow aussehen? Da wird man wohl nichts mehr wieder finden. 27.4.45 Heute wurden viele Kühe raus gesucht, es sollte ein Viehtransport zusammen mit den umliegenden Gütern nach Russland abgehen. Es wurden Junge Leute ausgesucht die mußten die Kühe treiben. Unser Kommandant ist ein Grausamer Russe hat immer eine Peitsche und schlägt auch zu. Wir haben alle Angst vor Ihm er droht auch dauernd mit Erschießen es ist alles doch sehr traurig Die Plünderungen haben etwas au£ gehört, aber wir haben ja kaum noch was. Die Russen hatten eine Kuh geschlachtet, hatte Glück bekam auch ein Stück. Wer am Arbeiten war bekam 1 Brot und einen Eimer Milch für 2 Tage. 29 4.45 Heute ist Sonntag! Aber es muß gearbeitet werden Das Vieh muß versorgt werden und gemolken. Nachmittags durfte ich nach Hause, mußte Abends ab er wieder zum Füttern und Melken kommen, ich fand im Hühnerstall beim Futtern einige Eier ich wollte sie dem Russen der bei uns war geben, aber der schickte mich ins Büro des Kommandanten Als ich die Eier ab gab bekam 3 Eier zurück sollte ich mit nach Haus nehmen. Also das war mir ja noch nie vorgekommen ich sagte Danke und ging, Meine Mutter freute sich über die Eier als ich nach Hause kam. Da Prütznow und die Rega 2 Kilometer weg war fehlten uns die Fische und es traute sich keiner zu gehen. 1.5.45 Nun haben wir schon Mai. Gestern war ich zu müde zum
Schreiben. Die Russen und Polen sind am feiern es sollen
Friedensverhandlungen im Gange sein aber nichts genaues weiß man! Vielleicht
behandelt man und besser wenn Krieg zu Ende ist. Zu Kaufen gibt es nichts und
es fehlt doch so vieles Zucker haben wir schon lange nicht mehr nur noch
Honig auch unser Salz geht zu Ende. Frau Salzsäuler hat uns heute ein Huhn
gegeben, wir leben mal wieder wie die Fürsten. Na ich schreibe besser nicht
über andere wenn mal jemand mein Tagebuch es sind nur lose Blätter findet
sollen nicht noch andere da drunter
Leiden. Meine Mutter hat Angst daß die Russen uns Erschießen wenn die mal
einige Zettel finden. 3. 5. 45 Gestern wurden wieder mal alle Häuser durchsucht haben
auch nicht viel mitgenommen was die eigentlich gesucht haben weiß ich nicht. Morgens beim Melken merken wir das einige Kühe krank
sind sieht nicht gut aus es wird gesagt es wäre die Maul und Klauenseuche na
und dann keinen Tierarzt. Die Russen hatten vor ein paar Tagen auf den
Straßen Kühe gefunden und
brachten sie her. Vielleicht haben die schon kranke mitgebracht und so alle
angesteckt. Nun werden die Ställe schwer bewacht. kein Fremder darf das Gut
betreten. Vor die Stalltüren werden Säcke gelegt und mit einem
Infektionsmittel besprüht wir bekommen Kittel und Gummistiefel die wir im
Stall tragen müßen beim rausgehen stehen Wassereiner mit Lösungsmittel zum
Händewaschen. Ich sehe Schwarz es sollen mehrere Kühe Notgeschlachtet werden.
Heute sind mehrere Polen Familien ins Dorf gekommen,
sind auf einige Höfe verteilt. Wir haben mal wieder Glück gehabt 4.5.45 Heute war große Fleisch Verteilung alle die auf dem Gut
arbeiten bekamen etwas so geht es immer weiter es wird mit der Verpflegung
immer schlechter. Mein Vater war nach Prütznow, da haben sie gehaust wie
die Wilden alle Schränke leer gemacht und auch sehr viel zerschlagen es muß
dort ja furchtbar aussehen. Zum Glück hatte man unser Mistbeet im Garten gar
nicht beachtet so brachte er schönen Salat und viele Radieschen mit, da noch
kleine Salatpflanzen da waren gleich wieder aus einander gepflanzt und sehr
gut gegoßen. Zum Glück hatte ihn niemand
gesehn immer ist die Angst da. 5.5.45 Die Russen sind alle betrunken
und Feiern, Der Führer soll schon einige Tage Tod sein und der Krieg aus, nun
wird es vielleicht besser. Wir gehen in die Kirche und beten, einem Pastor
haben wir nicht, es waren auch Polen in der Kirche uns kam es so vor das sie
uns nicht gerne da sahen. Wir gingen zu unsern Gräbern und dann nach Hause.
Auf den Straßen grölten die Russen und schossen umher hoffentlich geht das
gut. 6.5.45 In der letzten Nacht haben wieder viele Frauen dran
glauben müssen, wann hört es nur auf mit den Vergewaltigungen, schlagen
Quälen und erschießen. Immer wird uns vor gehalten die Deutschen Soldaten
hätten es auch getan. Auch sollen die Deutschen viele Frauen und Kinder
erschossen haben, aber ich kann das nicht glauben sowas tut man doch nicht. Bin sehr müde in der Nacht kaum geschlafen und den ganzen Tag gearbeitet das Vieh muß versorgt werden und auch der Garten muß fertig. 9.5.45 Ich bin einige Tage nicht zum Schreiben gekommen,
gestern Abend läuteten die Glocken die Russen und Polen lagen sich in den
Armen es soll Frieden sein wir werden nicht beachtet. Sind froh wenn man uns
in Ruhe läßt. Wollen hoffen dass alles für uns besser wird. Aber es
wird auch gemunkelt daß alle Deutschen raus sollen. Da wir gut arbeiten
behandeln uns die Russen auf dem Gut so einigermaßen gut und wir bekommen
immer unser Essen. 10.5.45 Jetzt glaube ich auch das der Krieg aus ist heute sind
viele Russen mit Pferd und Wagen unterwegs wollen nach Russland zurück nehmen
alles was man gebrauchen kann .Ja wir
hätten geglaubt wo jetzt Frieden
ist ging es uns besser, aber dies ist ein Irrtum alles beim alten. Da Wurow nicht an der Bahnstrecke noch an einer
Reichsstraße liegt fährt nicht alles hier durch, der Bahnhof Wurow liegt 2 Kilometer weg. Nur Prütznow liegt am Wurower Bahnhof. 12.5.45 Wir haben einige Tote Ochsen Kühe und Kälber wir müssen
sie auf Wagen laden die Ochsen ziehen wir auf Planen und dann aufs Feld. Wir
finden da eine Leere Grünfutter Miete, die wird Tiefer ausgehoben alle rein
und zugemacht. Wir sind alle ziemlich fertig was man so alles machen muß und
alles unter Bewachung. Wir haben schon oft bedauert dass wir nicht
rechtzeitig zu meiner Schwester gefahren sind. Aber wenn man überlegt wo die
ganzen Flüchtlinge hin gefahren sind muß es auch über voll sein. Es sind ja
einige zurückgekommen aber was die alles mit gemacht haben ist so grausam
sehr viele Tote auf den Straßen alles weg genommen geschlagen und gejagd. 16.5.45 Ich konnte einige Tage nicht schreiben konnte meinen
rechten Arm nicht bewegen hatte furchtbare Schmerzen wohl über arbeitet. Aber
da wir ja wenn wir nicht arbeiten auch nichts zu Essen kriegen muß man ran.
Aber meinem Arm geht es besser mein Onkel arbeitet auch. Da die Russen raus bekommen haben das er Maschinen
reparieren kann ist er gut angesehen er hat einen Russen für schwere Arbeit
da er ja noch nicht ganz wieder gesund ist. Mein Vater geht alle paar Tage
nach Prütznow, brachte sogar den ersten Spargel mit und Salat, Wir können
doch sehrglücklich sein. Unser Tisch ist immer gut gedeckt. Auch unsern
Pferden und Fohlen geht es gut. Heute hat man uns gesagt das dem Russen bis
zur Elbe alles gehört den Rest teilen sich Franzosen Engländer und Amerikaner.
Ob es wohl allen Deutschen unterm Russen so geht wie uns? Wir wissen ja eigentlich überhaupt nicht was los ist, es gibt weder Radios noch Zeitungen. Also sind die Russen auch in Rerik wo meine Schwester ist. Wir wollten uns dort mit unser ganzen Verwandtschaft treffen da alle Ihre Adresse haben. Meine Mutter sorgt sich sehr um Ihre Geschwister. 17.5.45 Ich habe meinem Arm gestern doch wohl etwas zu viel zu getraut habe heute wieder große Schmerzen sogar die Russen sehen das einschicken mich nach dem Mittagessen nach Hause. Wußte gar nicht das die auch ein Herz haben bisher hatte ich davon noch nichts gemerkt. Aber das ist klar die Polen sind noch viel grausamer wie die Russen. 2o.5.45 Wir hatten ein ruhiges und schönes Pfingstfest Mutti hatte sogar Kuchen gebacken, mittags gab es Rinderbraten und viel Spargel den mein Vater wieder aus Prütznow geholt hatte ich würde ja auch gerne mal mitgehen aber meine Mutter hat Angst um mich. Nachmittags schön Kaffee getrunken bei uns gibt es neuen Bohnenkaffee es werden Lupinen in der Pfanne geröstet er schmeckt Wunderbar. Abends gab es Fisch sauer Eingekocht Kochkäse. Braten und Spargel. 21.5.45 Ich bin wieder am arbeiten es geht auch wir hatten auch wieder Tote Kühe brauchte nicht mit mußte den Hühnerstall sauber machen wir haben sogar kleine Küken. Die Klucke hat irgendwo gebrütet und kam mit 11 kleinen Küken an. Auch werden wir wohl bald kleine Puten und Perlhühner haben die sind durch das viele schießen doch sehr verjagt aber der Park ist groß und hat doch viele Verstecke. Wir sollen neue Russen bekommen unsere sollen nach Hause die sind am schiessen mehrere Schweine und Kühe und auch Hühner müßen dran glauben ich werde zum Hühner rupfen eingeteilt. Wagen werden gepackt da braucht keiner helfen, soll wohl keiner sehen was die alles mitnehmen. Die Kühe und Schweine werden grob zerlegt Alle Teile wo viele Knochen dran sind bekommen wir. Ich nehme mir einen Eimer Innereien und einen Eimer mit Knochen wo viel Fleisch dran ist, Muß es dann vorzeigen aber darf alles mitnehmen. Meine Mutter ist überglücklich über so viel Fleisch. Haben uns dann zum Abendessen eine große Pfanne Leber gebraten es war ein Festessen. Mutti hat auch noch Fleisch angebraten und Eingeweckt. Ja alle die bei den Polen arbeiten haben es nicht so gut, hoffentlich sind die Russen die Morgen kommen nicht so große Deutschenhaßer. 23.5.45 Ich glaube wir haben wieder mal Glück gehabt der Kommandant hat Frau und zwei Kinder auch die Russen haben keine Uniform mehr an schimpfen über die anderen Russen es ist ja auch kaum noch Vieh da. Wir haben viele Kühe durch die Maul und Klauenseuche verloren, der Rest hat es scheinbar überstanden. Die Arbeit ist die gleiche geblieben und wenn Sie sehen dass man arbeitet lässt man uns in Ruhe. Einer der Russen spricht gut Deutsch, er sagte sogar alle Deutschen kämen wieder aber die Polen sagen alle Deutschen sollen raus. Wir werden abwarten die letzten Flüchtlinge die zurück kamen sagten das die Deutschen überall hungerten, auch viele an Typhus gestorben sind. Wer weiß was uns noch blüht, aber viel erfährt man nicht. Pfingsten ist nun auch vorbei, man merkt nichts davon. 27.5.45 Ich hab einige Tage nicht geschrieben ich bin Abends immer so müde und morgens muß ich früh raus wir fangen um 6 Uhr an. Es kommen immer neue Polenfamilien ins Dorf Sie besetzen die Höfe, die Bauern bekommen 1 Zimmer zugeteilt oder müßen ausziehen. Aber ich glaube man hofft auf billige Arbeitskräfte. Die Polen halten nicht viel vom Arbeiten sind nur am Feiern und trinken in jedem Haus ist eine Schnapsbrennerei Kartoffel sind ja noch genug da. Es werden wenig Felder bestellt. Es sieht aus als ob auch die nicht wissen ob sie bleiben. Da wir beim Russen arbeiten läßt man uns in Ruhe auch haben unsere Russen Gesagt wenn jemand plündert sollen wir sie holen. Es soll auch verboten sein da der Krieg aus ist. aber wir sind ja die Verlierer. 29.5.45 Wir haben die Kühe auf die Koppel gebracht wir wollen die Ställe kalken. Meine Eltern haben Heute Weizen mit der Kaffeemühle gemahlen haben kein Mehl mehr, auch kein Salz es wurden nun Salzlecksteine der Pferde aufgekocht in Flaschen gefüllt und so haben wir wieder Salz. Kaufen kann man immer noch nichts es ist ein Glück das wir immer noch Sirup und Honig haben. Wir bekommen auch von Salzsäulers viel Eßbares. So gab es heute Eisbein mit Sauerkraut, Sauerkraut von Salzsäulers, Eisbein hatten wir selber, da meine Mutter von unserem letzten Fleisch etwas eingesalzen hatte. Mutti hatte sogar einige Leberwürste gemacht ja wir haben Gott sei Dank immer was zu Essen. 1.6.45 Mein Vater war wieder in Prütznow es sieht so aus als wenn das Haus jeden Tag durchwühlt wird auch hat man einige unsere eingegrabenen Sachen gefunden. Honig und Sirup Gläser haben sie liegen gelassen wollten wohl was anderes finden was noch ganz war hat mein Vater mitgebracht. Auch Spargel Salat sogar schon 2 Kohlrabi. Auch unsern Kornboden
hat man fast leer gemacht, auch alle Ställe und Schuppen durchwühlt und viele Maschinen und
Handwerkzeug mitgenommen. Wir hatten ein beheizbares Kükenhaus auch das ist weg. Man weiß nun ja nicht waren es Russen oder Polen, denn die Russen haben alle voll beladene Wagen und können alles gebrauchen wenns nach Hause geht. Also finden auch die neuankommenden Polen nichts mehr vor. Warum soll es denen anders gehen als uns denn auch alle Landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte sind weg. Ich bin nun selbst mal da gewesen es sieht alles in den paar Wochen doch sehr verkommen aus. Armes Pommern was ist aus dir geworden! Da muß man an das Lied vom Maikäfer denken woher wußte der Komponist dass es mal so kommt? 7 .6. 45 Ich komm in letzter Zeit kaum zum schreiben meiner Mutter geht es garnicht gut war doch alles zu viel für Sie. Ich war in der Kirche und habe für Mutti und uns alle gebetet. Auf mich wartet so am Abend die Hausarbeit. Mein Vater hilft mir sehr denn Onkel Richard kommt auch erst am Abend Wieder, oft kommen wir zusammen so zwischen 7 ‑halb 8 sind wir zuhause. Dann machen wir uns was zu Essen da nach aufräumen schon wird es Zeit ins Bett. Ein Glück das es um uns herum etwas ruhiger geworden ist. lo.6.45 Heute hat meine Tante Grete Geburtstag, wo mag sie wohl sein ? Ob die wohl raus gekommen sind die Wohnte in Hermannsthal im Kreis Cammin hatte einen Kramladen mit Gastwirtschaft und eine kleine Landwirtschaft auch Tante Else mit 4 kleinen Kindern wohnt dort wir wissen von keinem was Onkel Franz ist Soldat Onkel Otto in Peenemünde bei der V.Waffen. Man weiß nicht wie es ihnen geht weder wo sie sind.. 14.6.45 Heute geht es meiner Mutter etwas besser ich bin darüber sehr froh es gibt ja immer noch keinen Arzt aber uns Deutschen würden die ja so wieso nicht helfen, das müssen wir selber machen. Auch beim Russen gibt es nur noch Mittagessen sowie vormittags und nachmittags 1 Butterbrot. Zum Mitnehmen kaum was schon mal etwas Mich es ist es ja nicht mehr viel Vieh da, es wird Geschlachtet aber es kommt nichts nach! Es sieht doch sehr traurig aus aber es wird schon irgendwie weiter gehn, 17.6.45 So nun ist es soweit unser alter Wecker den Onkel Richard schon oft repariert hat will nicht mehr nun wissen wir nicht mal wie spät es ist Es wird auch wieder gesagt die Deutschen sollen alle raus wir fragen die Russen aber die wissen von nichts. Wenn man drüber nachdenkt auch die wissen nicht ob sie bleiben es gibt wohl noch keinen Friedensvertrag? 19.6.45 Heute sind wieder einige Polenfamilien mit Pferd und Wagen gekommen. Die kommen aus den Gebieten die der Russe Ihnen weggenommen hat sind schon Wochen unterwegs, Salzsäulers haben wieder mal Glück gehabt. Auch die mußten Haus und Hof verlassen müßten uns eigentlich verstehen, aber die tun so als wenn wir Schuld dran wären. Aber die haben wohl geglaubt dass sie hier finden was sie brauchen um einen Hof zu Bewirtschaften. Aber das kann man uns nicht in die Schuhe schieben daran sind wir mal nicht Schuld so fahren manche dann auch sofort weiter um vielleicht noch was besseres zu finden. 21.6.45 Irgendetwas stimmt nicht aber keiner erfährt was einer sagt die Deutschen kommen zurück, der andere sagt alle Deutschen müßen raus mal abwarten wir werden bestimmt nicht gefragt ob wir wollen oder nicht. Ich durfte auch wieder nach Hause gehen es wären genug zum Arbeiten da. Brauche nur noch morgens und abends zum Melken kommen. Ich bin froh so kann ich Mutti viel helfen, war mit Papa nach Prütznow waren auch bei Kaiser Spargel stechen, es hat sich auch gelohnt haben auch Salzsäulers viel abgegeben, wir haben ja auch viel Gutes von Ihnen. Wir haben es sehr gut bei Ihnen wir teilen alles mit einander. 23.6.45 Es heißt wir sollen wieder nach Prütznow zurück nur wann weiß keiner. Wir packen schon etwas zusammen es geht dann ja immer so schnell, es wäre für uns ja gut nach Hause zu kommen mit dem großen Durcheinander und Dreck werden wir wohl fertig werden. 24. 6.45 Schon morgens kommt der Befehl alle Prütznower zurück, wir beladen unsern Wagen ein Aufpasser ist auch da, es ist ja nicht mehr so viel da denn es haben die Polen sehr eilig uns los zu werden. Wir wollten uns noch von Salzsäulers verabschieden aber man läßt es nicht zu. Wir wollten noch zur Kirche und auf den Friedhof aber das durften wir auch nicht wir wurden Regelrecht rausgetrieben als wenn wir Verbrecher wären. Man freute sich aber man wußte nicht wie es weiter geht und was uns noch alles bevor stand. Es war doch für Mutti ein furchtbarer Anblick ich machte mir große Sorgen um Sie als wir ins Haus kamen. Unsere Wohnzimmer Lampe hatte man als Klo benutzt auch so noch einige Haufen im Haus man kann es gar nicht beschreiben. Wir haben eine Ecke aufgeräumt und den Wagen abgeladen. Wir hatten Angst daß man uns sonst bestehlen würde. Im Haus waren alle Schränke aus geräumt Scherben Papiere und Wäsche alles durch einander, wir haben erst mal alles in Körbe und Kisten denn zum sortieren hatten wir im Moment keine Zeit Am schlimmsten hatten man in der Speisekammer gehaust es waren viele Gläser mit Eingemachtem Obst aus den Regalen gerissen man konnte nicht gehen noch Stehen. Es waren nur noch vereinzelte heil nur noch Dosen mit Wurst und Fleisch waren da, die hatten sie wohl nicht so leicht auf bekommen. Auf dem Boden hatten wir die Aussteuerwäsche für meine Schwester und mich sowie mehrere Federbetten diese waren zerschnitten die Wäsche zerstreut und drauf rum getrampelt also auch da ein furchtbares durch einander wo mit haben wir das verdient? Was noch sehr schlimm war wir hatten viele Mäuse im Haus die fühlten sich in dem Durcheinander natürlich sehr wohl und Freßbares war ja genug da. Hoffentlich haben sich nicht auch noch Ratten eingenistet aber mit dem Viehzeug werden wir wohl fertig werden Am Abend gehen mein Onkel und ich nach Wurow um unsere Fohlen zu holen wir haben große Angst das wir erwischt werden auf Umwegen kommen wir zu Hause an hat alles gut gegangen. Lieber Gott wir danken dir. Todmüde gehts ins Bett. 25.6.45 Die erste Nacht wieder zuhause war ruhig und wir sind froh wieder in den Eigenen vier Wänden zu sein. Aber wie mag es weiter gehen, wir verbringen mit aufräumen und Putzen den Tag. Nun geht es wieder los was Essen wir. Mein Onkel und mein Vater fahren aufs Feld um zu sehen ob noch Kartoffel in der Miete sind bringen dann auch gleich welche mit, na und in der Rega gibts Fische also verhungern brauchen wir nicht. Wir bekommen von einem Nachbarn Salz denn das Salzen mit dem Viehsalz ist doch nicht daß Richtige. Aber wenn nichts anderes da ist muß das auch gehen wir haben ja auch Spargel Salat und Kohlrabi. 26.6.45 Ein großer Schreck in der Morgenstunde alle Prütznower und Wurower sollen raus nur soviel mitnehmen wie man tragen kann, da ist die Aufregung sehr groß. Nur mein Onkel und Hermann Zietlow sollen zum Arbeiten da bleiben aber mein Onkel besteht darauf daß er nur bleibt wenn wir auch bleiben dürfen, bleiben wir alle zusammen also Mutti Papa, Onkel Richard, Ich und Hermann. Es ist doch ein Elend alle müßen auf der Straße stehn manche haben Handwagen für Alte und Kranke. Auch Familie Krause darf bleiben Frau Krause und 4 Kinder Annemarie ist so alt wie ich die 3 Jungen sind Jünger. Es ist ja alles so grausam ich bin froh das wir bleiben da es Mutti nicht gut geht die würde einen langen Fußweg nicht überstehn was müßen wir wohl noch alles über uns ergehen lassen? Das alles geht wieder unter Bewachung vor sich die sind nur am Fluchen und nehmen auf Tränen keine Rücksicht auch wenn noch einer mal zurück Will auch das wird nicht erlaubt. Als sich der Zug in Bewegung setzte war es doch ein sehr trauriger Abschied, wir gehen auch Weinend in die Häuser zurück wer weiß was uns noch bevor steht. Wo mag man die armen nur alle hin bringen, womit haben wir das Verdient. Es ist auch für uns ein trauriger Tag auch Hermann mußte Eltern und Geschwister verlassen weil sie Ihn nicht mit fort ließen. 27.6.45 Bei Krauses auf dem Hof ist eine Kommandantur der Russen und Stacho der dort als Gefangener war hat den Hof übernommen. Stacho übernimmt auch unsere Pferde war doch gut das wir die noch Nachts aus Wurow geholt hatten. Wir müssen nun für die Russen und Polen arbeiten. Onkel Richard und Hermann müßen einige Maschinen in Ordnung bringen und auch das Elektrowerk auf der Mühle wird instand gesetzt. Sie wollen nun versuchen durch die Kraft des Regawasser die Turbinen in gang zubringen. Da wir kaum noch Mehl haben muß Korn gemahlen werden und das kann man dann dort, die Polen und Russen haben auch nichts mehr. Die Scheunen sind noch voll Korn muß nur gedroschen werden also Arbeit genug. Ich muß Morgen und abends melken bekomme dafür Milch so haben wir auch Butter und Käse. 29 6. 45 Wir sind in Gedanken viel bei den Prütznower wo mögen die sein aber wir erfahren nichts! Mein Vater muß Ställe ausmisten und Aufräumungsarbeiten machen. Mutti ist oft alleine auch hilft sie uns. Auch einige Äcker werden bestellt, aber das meiste Land liegt Brach. Aber die meisten Höfe sind Leer. Es sollen ja Polnische Bauern kommen da muß man abwarten. Es sind auch immer Polen unterwegs die Plündernd durch die Dörfer ziehn, wenn wir das Merken schicken wir immer die Russen zu uns auf den Hof damit die aufpassen aber es fehlt dann doch oft was. 30.6.45 Heute wird gebacken wir haben kein Brot mehr aber Auch will Mutti mir einen Kuchen backen. Morgen ist mein Geburtstag werde 17 aber an feiern wird nicht gedacht, wie schön war es sonst doch immer alle Freundinnen zusammen bei Spielen und Kaffee und Kuchen! Die Polen sind sehr oft betrunken es wird ja immer Schnaps gebrannt und zum Arbeiten keine Lust. Wie das alles weiter gehen soll weiß man nicht. Aber ich glaube die wissen. selber nicht ob sie bleiben oder nicht auch wird gesagt die Russen sollen Alle nach Hause aber für uns wäre es besser wenn es so bleibt. Unser Kommandant hat Frau und Kind und sind auch zu uns gut wenn sie sehen daß man seine Arbeit tut. Die hatten Heute aus Neukirchen dort soll eine große R. Kommandantur sein, Fleisch bekommen wir bekamen auch was ab. 1.7.45 Nachmittags kamen alle Gratulieren es gab Kaffee (Lupinen) und Kuchen ich bekam auch viele Blumen sogar von Richard (Pole, ehemaliger Gefangener) und Marianne die auf dem Hof von Westpfals sind, Marianne war dort als Hausmädchen war eine Volksdeutsche nun Natürlich Polin die brachten uns ein Huhn und ein paar Eier. Wir hatten Ihnen heute Morgen ein paar Aale gebracht Abends gab es Schweinebraten aus Gläsern mit Spargel auch Räucheraal oder sauer Eingekocht. Also ein Festessen uns fehlt ja so vieles aber Bitte Nicht klagen. Wir haben sehr viel Spargel Eingeweckt. Entweder wir haben alles oder nichts. Es gibt sogar eine Aalräucherei aus einer großen Teertonne unten ein Feuerloch darauf Sägespäne dann die Aale eingehängt oben werden Säcke gelegt die etwas feucht sind. Ja Aale haben wir nun seit dem Onkel Richard und Hermann den Aalfang auf der Mühle aufdrehen und die Rega über den Aalfang fliessen lassen genug. Oft sind es doch 15 ‑ 2o Aale. 4.7.45 Ich bin vor lauter Arbeit einige Tage nicht zum Schreiben gekommen ich bin abends immer Müde. Mutti hat auch viel Arbeit mit unserem Garten, hatte im Mistbeet Blumenkohl, Wirsing, Rot und Weißkohl Rosenkohl, Grünkohl und Wrucken Pflanzen gezogen Ich haben ihr ein paarmal geholfen .Da wir zuviel Pflanzen hatten bekamen Krauses und die Polen welche mit. Es ist ja eigentlich etwas zu spät zum Pflanzen aber vielleicht wird es noch was. Ob wir das noch Ernten wissen wir nicht! Man hört doch immer wieder daß Deutsche raus müssen. Da man aber nichts weiß muß man vorsorgen damit man immer was zu Essen hat. Wir haben doch schon viel aus dem Garten geholt und so ganz gut gelebt . 7.7.45 Heute kam eine Polenfamilie zu uns auf den Hof, haben 2 Söhne aber sprechen kein Wort Deutsch wir haben nun nur noch 1 Zimmer die Küche und die Mädchen Kammer. Da Richard wohl so eine Art Bürgermeister ist war er hier und machte die Übersetzung, so erfuhren wir auch Sie wären von den Russen Vertrieben mußten auch Haus und Hof verlassen. Waren nun ja schwer Enttäuscht daß auf unserm Hof auch garnichts mehr war weder Vieh noch Maschinen. Sie kamen ja nur mit einem Pferd was so für 4 Personen auf einen Wagen geht. Man darf nicht zurück denken wir hatten auf unserem Hof 64 Ha. 5 Pferde, 2 Ochsen, 1 Trecker, 16‑18 Kühe,1 Bullen, 10‑15 Stück Jungvieh, 2o Schweine, 10‑12 Schafe im Frühjahr 2o Gänse und Güssel, 2o Enten mit kleinen und so um die 100 Hühner und Küken ja und noch viele Tauben. Ja das war alles einmal lieber nicht zurück denken was wollen die Polen nun mit einem Pferd nichts sonst an Vieh auch keine Landwirtschaftlichen Geräte. Nur eine alte Hungerharke steht auf dem Hof, damit werden die leeren Kornfelder abgeharkt. Die Russen hatten Ihnen gesagt sie sollten Deutsche Höfe übernehmen und da waren alle im Glauben es wäre alles da. Man sieht Ihnen an wie enttäuscht alle sind die würden am wieder umkehren. Es sieht auch sehr wüst bei uns aus im Kuhstall steht Wasser, das haben die Russen gemacht wenn man mit Maschinengewehren die Tauben von den Dächern holt. Es sind sehr viele Dachziegel kaputt und so Regnet es immer rein. Die Jauchegrube ist voll und unser Misthaufen auch sehr groß. lo.7.45 Also wir hatten doch wieder Recht behalten unsere Polen sind weiter gezogen hoffen doch etwas besseres zu finden. Na wie so üblich haben sie auch von uns so einiges mitgehen lassen. Dabei hatte Mutti Ihnen doch etwas zu Essen mit gegeben, na wie heißt es so schön Undank ist der Welt Lohn. Schon wieder geht das Gerücht um Die Russen sollen weg und wir raus! Ich glaube nur wenn mal alle Deutschen raus sind verhungern die Polen! 14.7.45 Heute hat Ursula Westphal Ihren Geburtstag wo mag sie sein ob es Ihnen gut geht vielleicht sind alle am Feiern, es waren immer schöne Stunden wenn wir zusammen gefeiert haben. Ja an so Tagen ist man in Gedanken zusammen. Da Prütznow so klein war nur 7 Bauern 1 Schmiede, Schule und die Hühnerfarm sowie die Arbeiterfamilien. Es war doch eine große Familie und Einer half dem Andern. Nun hat man uns so aus einander gerissen! Wir sind von der Außenwelt so richtig Abgeschnitten wir wissen von unseren Verwandten und Freunden nichts. Post gibt es ja auch nicht. Wir haben heute Weizen gedroschen na so viele Mäuse habe ich noch nie gesehen aber bei uns lag das Korn ja auch nicht so lange in der Scheune und in diesem Jahr gibt es nicht viel. Nur die Mäuse haben sich sehr vermehrt. Onkel Richard und Hermann haben dann noch am Spätnachmittag Weizen gemahlen, da weder die Russen und Polen noch wir Mehl hatten. Was würden die wohl ohne uns machen. 15.7.45 Unsere 2 hatten gestern Abend noch den Aalfang auf gemacht die Räucher-Aale gingen zuende als sie am frühen Morgen nachsehen wollten was drin war fanden sie auch eine Leiche die hatte schon sehr lange in der Rega Gelegen da nun Aale mal Aasfresser sind war der Anblick wohl sehr Grausam haben den Aalfang dann nur durch gespült. Hermann war ziemlich fertig aber Onkel Richard hätte wohl auch keinen Aal anfassen können. Sogar zum Abendessen wollte keiner von Ihnen Aal. 18.7.45 Heute hat Gerda Zietlow Hermanns Schwester Geburtstag wir denken an sie und hätten doch gern gewußt wo die sind und was die Familie macht. Letzte Nacht waren auch
wieder eine Horde Plündernder Polen Unterwegs bevor wir unsere Russen da
hatten wurde Onkel Richard und Papa geschlagen und so einiges mitgenommen und
Weg waren sie. Die Russen haben noch gesucht aber niemand gefunden. Die
wollen es Melden aber da kommt nie wir was nach das kennen schon, Wir haben
oft Angst um Mutti wenn wir alle Arbeiten sind und Sie alleine ist. 2o.7.45 Heute mußten wir alle ins Heu muß gewendet werden soll Morgen eingefahren werden Montag soll Roggen gemäht werden. Morgen wollen wir noch Rüben hacken es ist nur gut das die Felder nicht so groß sind die wir bearbeiten müßen. Wenn ich dann an unsere denke, von unsern Feldern ist in diesem Jahr nichts bestellt und so haben wir nur Roggen und Gerste zu Ernten. Aber vielleicht kommt doch noch eine Polenfamilie auf unsern Hof. 22.7.45 Da heute Sonntag ist bin ich zuhause war heute Morgen nur Melken und Am Nachmittag war ich mit Papa im Wald Blaubeeren Pflücken fanden auch Walderdbeeren hatten eine kleine Kanne und einen kleinen Eimer voll. War doch mal was anderes gab gleich Blaubeerpfannkuchen Wir bekommen Doch kaum noch Fleisch was sind wir froh das wir noch Fleisch in Dosen Und Gläser haben. Onkel Richard und Hermann waren Angeln, brachten schön große Forellen und auch ein paar Plötzen und Barsche mit wurden sofort sauber gemacht und gebraten. So hatten wir ein herrliches Abendessen. Hermann holte Krauses es reichte für alle. 25.7.45 Die letzten Tage waren sehr hart wir sind sehr getrieben worden am liebsten 3 Arbeiten auf einmal ich will ja nicht Klagen aber manchmal ist es unerträglich. Zuerst wurde nichts getan und nun soll alles auf einmal fertig, ich glaube es tut Ihnen leid daß nicht mehr Deutsche hier geblieben sind oder sie haben geglaubt es wären schneller mehr Polen Familien gekommen! Es sind nun ja auch schon mehrere im Dorf man sieht auch daß sie auf dem Feld arbeiten. Aber was wollen sie mit einem Pferd anfangen, auch haben alle nur 1 oder 2 Kühe. Abends stand eine Deutsche Frau vor der Tür wollte bei uns Übernachten kam aus Berlin und wollte nach Köslin wollte noch einige Sachen holen und dann nach Berlin zurück, ich bin gespannt ob sie noch was findet will auf dem Rückweg wieder vorbei kommen. Hat sich bereit erklärt von uns Post mit nach Berlin zunehmen, es weiß ja keiner was von uns. 27.7.45 Mittags kam Frau L .wieder hatte doch noch etwas brauchbares gefunden vor allen Dingen Papiere, wollte aber gleich noch weiter hofft das sie bei Nacht in Stettin ohne daß man sie sieht in den Berliner Zug kommt. Wir haben noch was zu Essen mit gegeben. Da sie wieder kommen will werden wir abwarten. Also wir haben erfahren es gibt kaum was zu Essen viele hungern und viele Verhungern, auch eine Typhusepidemie hat sich aus gebreitet es muß grausam sein. Nur auf dem Schwarzmarkt aber da darf man sich nicht erwischen lassen, gibt es alles zu Kaufen und zu Tauschen 3o.7.45 Da ich oft einfach zu Müde zum Schreiben bin setze ich aus, es gab den beiden tagen außer viel Arbeit nichts Neues. Es gab mal wieder seit längerer Zeit Schweinefleisch wenn wir nicht so viel nebenbei hätten ging es uns auch schlecht. Aber wir dürfen nicht klagen, auch sind wir wieder am Aale räuchern nicht dran denken Auch die Polen und Russen hatten nach Räucheraalen gefragt, und die muß man ja bei Laune halten.. Ich habe heute im Garten Tabak geerntet, alle Blätter auf Draht gezogen und auf dem Boden zum Trocknen auf gehangen. Nun wird auch wieder gesagt man hätte Deutschland aufgeteilt, Polen bekäme Pommern und Schlesien bis zur Oder der Russe bis zur Elbe den Rest hätten sich Amerikaner, Engländer und Franzosen geteilt. In Berlin wären alle vier jeder hatte einen Teil bekommen. Armes Deutschland was ist aus dir geworden man darf darüber nicht nachdenken. Auch sind wieder viele Deutsche aus den umliegenden Dörfern Vertrieben. Aber es kommen auch immer neue Polen Familien, die müssen auch neu anfangen haben noch weniger wie wir. Auf einigen Höfen Wohnen sogar schon 2 Familien. Sie bekommen 4‑6 ha zugeteilt und der größte Teil geht an die Güter das heißt dass der größte Teil unser Felder an Labes A+D und Piepenhagen geht. Ist doch schon ein eigenartiges Gefühl wenn etwas was in vielen Generationen uns gehörte so verteilt wird. Wir kommen in unserer Ahnentafel bis 1605 zurück da steht dann zugezogen aus Westfalen. 2.8.45 Wir sind in den letzten Tagen wieder von durch ziehenden Polen ausgeplündert worden, immer wenn wir uns mal wieder etwas zusammen gesucht haben ist es weg. Aber da wir mit sowas rechnen wird ja immer ein Teil versteckt da ja das Plündern nicht sein soll geht es sehr schnell aber bis wir jemand haben der uns hilft sind die weg. Aber was solls man gewöhnt sich sogar an sowas. Die Plünderer müßen auch großen Hunger haben denn sie haben es vor allen Dingen auf Essbares abgesehen aber wir haben sonst ja auch nichts. Wie soll das nur mit uns weitergehen? Wir sind in der Roggen Ernte die Polen wollen wohl vor der Aufteilung noch Ernten. Wir kommen gut voran hoffentlich bleibt das Wetter noch einige Tage gut. 4.8.45 Wir haben auch mal wieder eine Polen Familie im Haus bin gespannt ob sie bleiben. Mutti hat Ihnen Brot und Kartoffeln sowie einen Räucheraal ein Glas Butter und 1 Glas Spargel gegeben haben Mutti dafür etwas Speck und eine geräucherte Wurst gegeben. Vielleicht kommt man so mit einander aus. Haben 2 Kühe und ein Pferd und sogar 5 Hühner. Papa ist mit Ihnen nachmittags aufs Feld gefahren und haben Rüben und Kartoffeln geholt Aber es ist kaum noch zum Futtern zu gebrauchen. Wir haben schon länger Neue Kartoffeln im Garten. Ist doch gut das wir den Garten haben und auch alles gesät und gepflanzt haben es ist nur so schwer weil man nicht weiß wie es weiter geht mit uns werden wir Vertrieben oder bleiben wir? Die Russen sind nun auch weg hoffentlich leiden wir nicht darunter ich glaube die Polen trauen sich nicht mal gegenseitig. Ich bin der Meinung wenn Onkel Richard und Hermann nicht alles könnten wären wir bestimmt schon weg, aber wer sorgt dann für Mehl und Fisch. Wir haben jetzt schon mal Salz und Zucker bekommen sogar ein paar Streichhölzer. Wir hatten bisher nur einige alte Feuerzeuge. Aber nun ist der Krieg doch schon 3 Monate aus aber geändert hat sich kaum was. Es soll in Labes sowie in Regenwalde ein Krankenhaus geben denn es wird gesagt dass auch hier Typhus ausgebrochen ist es sollen schon viele gestorben sein vor allen Deutsche aber auch Polen. lo.8.45 Die Polen fangen nun doch an die Arbeit ernst zunehmen. sehen nun doch ein wenn man die Felder nicht bestellt gibt es nichts zu Ernten. Rund ums Dorf werden die abgeernteten Felder gleich vorbereiteten es wird Mist gefahren, wir müßen Mist streuen und dann wird gepflügt auf uns kommt immer mehr Arbeit. Ich falle am Abend immer Todmüde ins Bett. Es ist gut das wir Polen auf dem Hof haben es ist nicht mehr geplündert worden seit dem. Man kann sich nur so schlecht verständigen da sie kaum Deutsch sprechen aber auch haben sie viel Gutes von uns aber einer traut dem andern nicht. Morgen wollen wir nun das erste Mal zusammen Brot backen. Mutti hat Ihnen die hälfte von unserm Sauerteig gegeben nun kann es losgehen wir rühren einen Teig ein dazu den Sauerteig und nun muß er über Nacht gehen. 11.8.45 Unser Brot ist gut geworden auch die Polen freuen sich, sie gehen nun auch in den Garten und nehmen was sie brauchen aber so lange man uns nichts tut können wir nichts sagen wir haben ja vieles aus dem Garten. Es ist doch gut daß Papa alles so reichlich ausgesät hat als wir in Wurow waren, aber nun kommt es uns zugute. Mutti ist nun auch so weit sie ärgert sich nicht mehr Über alle Ungerechtigkeit, man darf nur von einem Tag zum andern Denken. So wird man mit allem fertig was auf einen zukommt. 2o.8.45 Gestern Abend kam Frau L. Aus Berlin sie ist heute Morgen mit dem Zug nach Köslin gefahren ich habe nun beschloßen mit ihr zurück nach Berlin zu fahren. Meine Eltern sowie mein Onkel sind sehr dagegen aber ich will doch mal sehen wie es allen geht und wo alle sind aber wenn es Frau L. immer schafft werde ich es doch wohl auch schaffen. Ich ziehe alles Doppelt an und Mutti packt mir eine Tasche mit allerlei Eßbarem. 17.10.45 Ich war fast 2 Monate weg ich werde nun versuchen alles zu beschreiben. Also die Fahrt war nicht angenehm als man Entdeckte das wir Deutsche waren bekamen wir keine Sitzplätze die sind nur für Polen. Aber es gab dann doch einen Polen der sehr gut deutsch sprach und uns seinen Platz anbot er sprach mit den Polen was weiß ich nicht, aber es ging dann gut .In Stettin war es dann eine Nacht voller Grausamkeiten Es wurde geschossen geschlagen und geplündert es waren viele Frauen, Kinder und alte Menschen unterwegs wollten alle über die Grenze Es war gut das Frau L Bescheid wußte wo die Züge nach Berlin abfuhren wir schlichen uns auf Umwegen zu unserm Zug. Ich war froh als wir drin waren, aber nun ging das warten Los es gab keine festen Abfahrtszeiten. Es stiegen viele Russen mit Frauen auch viele Soldaten und auch viele Flüchtlinge mit Kindern sowie alte und Kranke. Ich war froh als es dann Los ging. Der Zug war Restlos Überfüllt sogar auf den Trittbrettern, standen die Menschen, sowas hatte ich ja noch nie mit gemacht aber Frau L. sagte das wäre immer so. Als wir in Berlin ankamen und ich vom Fenster Nur Trümmer sah ging die Welt für mich unter. Nun hatte ich ja Angst, alle könnten Tod sein, wo sollte ich dann hin aber erst mal weiter sehn. Wir stiegen auf einem kleinem Bahnhof aus da der Stettiner Bahnhof ganz kaputt sein soll, von dort war es ein ganzes Ende bis zur U Bahn. Aber auch mit der U Bahn mußte man oft Umsteigen da sie oft noch verschüttet war. Da ich ja ungefähr wußte wo ich hin wollte habe ich immer wieder gefragt Hasenheide bin ich dann aus gestiegen. Frau L. war schon länger nicht mehr bei mir mußte in ganz andere Richtung. Als ich nun nach oben kam sah ich nur noch Trümmer jetzt stand ich da und wußte überhaupt nicht mehr wo ich war ich muß wohl ziemlich Dumm dagestanden haben auf einmal standen 2 Soldaten in Uniform vor mir es waren Amerikaner habe ich dann erfahren sie fragten wo ich hin wollte und wo ich her kam als ich Ihnen alles sagte, wollten die es nicht glauben die hielten ein Ehepaar an die sollten mir Bescheid sagen. Ich hatte Glück. Sie wußten gut Bescheid und brachten mich in die Fichtestr. aber ich war doch ziemlich fertig nur Trümmer aber es standen auch noch einige Häuser aber was abbekommen hatten sie wohl alle. Ich suchte nun die Nr.32 es sah doch alles so Fremd aus, ich fand das Haus und ging rein als ich dann unsern Namen an der Tür fand war ich überglücklich . Ich schellte und schon wurde aufgemacht und ein kleiner Junge sagte wir geben nichts und die Tür war zu, Es konnte nur der Sohn von meinem Vetter Helmut sein also Ingo. Ich schellte wieder und ging sofort rein da kam Tante Käthe aus der Küche sah mich aber da lag ich schon in Ihrem Arm. Ich hab mich dann erstmal aus geweint war doch etwas viel gewesen vor allen die Angst daß keiner mehr da ist nun gab ich Ihr Meine Tasche ich hatte ja alles mit gebracht: 1 Räucheraal 2 Dosen Wurst 2 Dosen Fleisch Brot und Butter. Na und dann ging die Tür Auf Und meine Schwester kam mit meinen Onkel rein sie waren Einkaufen na das war eine Überraschung und nun ging das Erzählen los wir hatten ja 1 halbes Jahr nichts von einander gewußt. Ich erfuhr nun das meine Schwester öfter in Berlin ist und auf dem Schwarzmarkt zu Kaufen und zu Tauschen, ist ja wohl gefährlich aber es tun alle. Ich erfahre nun auch wo alle sind und wie es allen geht. Auch ich erzähle wie es uns bis jetzt ergangen ist auch sie haben sich um uns große Sorgen gemacht. Auch erfahre ich das vieles wahr ist was man uns so alles gesagt hat es ist zum Teil noch viel schlimmer da es kaum was zu essen gibt. Also hat es uns in Prütznow immer noch ganz gut gegangen. Als wir endlich im Bett liegen beten wir und Danken Gott und bitten Ihn dass er uns weiterhin beschützt. Wir bleiben noch einen Tag in Berlin. Da Onkel Georg und Käthe noch mal in die Stadt wollen, mich wollen sie nicht mitnehmen, so bleib ich da; ich gehe mit Ursel mal sehen ob es irgend wo was zu kaufen gibt. Ich finde mich vor den vielen Trümmern nicht zu recht bin froh als wir wieder zu Hause sind. Käthe hat noch Kaffee bekommen, aber in Berlin gibt es sehr viel Not und Elend auch bei Onkel Georg ist das Dach und die Obere Etage ein Trümmerhaufen es wohnen sehr viele Menschen in den Trümmern. Am andern Morgen bringt uns Onkel Georg zum Bahnhof dort ist alles voller Menschen die Züge alle Überfüllt wir suchen einen Zug Richtung Mecklenburg. Wir sind rein gekommen aber wie, also umfallen kann keiner, es ist doch schlimm es gibt keine Fahrkarten daher auch keine Kontrolle. Mitkommen ist alles in Neuruppin müßen wir raus wir müßen Umsteigen Richtung Rostock. Nun haben wir wieder einen Überfüllten Zug diesmal klettern wir auf Dach. So geht es weiter, wenn Unterführungen kommen müßen wir uns hinlegen. Als der Zug endlich etwas leerer wird, klettern wir runter und finden noch einen Stehplatz, nun geht es weiter der Zug bummelt so vor sich hin wir sind schon 7 Stunden unterwegs, wir sind nun bald in Schwerin von dort dann nach Wismar. Ja ich hatte mir es doch leichter vorgestellt aber wir haben doch noch einen Sitzplatz, als wir Wismar hinter uns hatten. gingen wir da bis zur Tür vor, in Neubukow mußten wir raus. Dann ging es zu Fuß weiter es waren wohl noch 20 KM aber wir hofften, dass uns vielleicht noch jemand mitnehmen würde. Wir hatten Glück wir wurden ein Stück mitgenommen und die letzte Strecke haben wir dann auch noch geschafft wir waren ziemlich fertig es war doch eine sehr anstrengende Reise gewesen. Umso größer die Freude Tante Grete und Tante Else mit den 4 Kindern das war eine Begrüssung und Freude auch bei Rohdes wurde ich herzlich aufgenommen. Es ist hier doch ein anderes Leben als unter den Polen es sind wohl viele Russen hier aber die Deutschen haben auch was zu sagen, es sind Kommunisten die was zu sagen haben es ist auch wohl nicht immer einfach so zu Leben wie sie es wollen, es gibt auch hier sehr wenig zu Essen aber unseren geht es einigermaßen gut. Es gibt hier sogar ein Kino und auch so kann man sich frei bewegen. Meine Schwester ist schon lange hier es ist ein großes Hotel und da Rerik ein Ostseebad ist immer viel zu tun nun ist das Hotel voller Flüchtlinge. Auch Tante Grete und Tante Else haben viel mit gemacht bevor sie hier angekommen sind. Ja auch hier will jeder wissen wie es uns so ergangen ist aber dann sind sie doch erschüttert was wir so alles mit gemacht haben aber zu Essen hatten wir doch immer mehr wie die hier. Ich muß nun doch oft an Prütznow denken wie mag es denen gehen ich lebe hier so richtig auf ich bin soviel Freiheit nicht gewöhnt aber es ist schön. Ich bin jeden Tag mit den Zwillingen Gisela und Ursula sowie Joachim und Heinz unterwegs, sie waren in allen Ferien In Prütznow auf unserm Hof und so war unser zusammen sein hier wie ein Traum. Es wäre doch schön wenn auch Mutti, Papa sowie Onkel Richard hier wären. Ich muß nun doch bald zurück Käthe Und Tante Grete wollen mit fahren. Es vergehen noch einige Tage Und dann ging es Los. Wir fuhren mit dem Zug der auch wieder überfüllt war bis kurz vor Stettin, nun kam daß schlimmste die Grenze. Je näher wir kamen um so mehr Menschen es war doch gut das Käthe uns Fliegeranzüge besorgt hatte wir mußten nun durch einen Graben und ein Feld kriechen man durfte uns ja nicht sehen, Da wir kein Gepäck hatten kamen wir gut voran wir waren so etwa 3o Leute, alle suchten ihre Angehörigen oder wollten nach Hause. Es waren auch Verwundete und Entlassene Soldaten die nichts von Ihren Familien wußten. Es ging alles sehr schnell von überall kamen Polen und Plünderten die nahmen den Leuten alles weg, wir bekamen, weil wir nichts hatten, ein paar Fußtritte denn unsere Monteur Anzüge wollten Sie nicht waren auch nicht mehr ganz sauber es fielen auch einige Schüsse die Menschen weinten und bettelten. Überall lagen Papiere und Geldscheine herum. Ich habe noch einiges aufgehoben beim weiter gehen ich sollte bald darauf sehen wie gut das war. Es standen plötzlich Russen mit Maschinengewehren vor uns, die nahmen uns mit wir hatten große Angst wir kamen in einen großen Raum da waren auch viele die aus Polen Kamen eine Frau hatte Polnisches Geld, Wollte Deutsches dafür Sie war überglücklich ich auch wir brauchten ja Geld für die Bahnfahrt falls die Russen uns durchlassen. Wir wurden durchsucht da wir aber nur Butterbrote und Kuchen bei uns hatten konnten wir gehen man hielt uns wohl für sehr arm. Jetzt zum Polen auch da wieder Durchsuchung und viele Fragen wir suchten unsere Eltern nach langen bitten ließ man uns gehen. Als wir zum Bahnhof kamen mußten wir 8o Minuten warten bis der Zug kam. Da wurden wir oft angepöbelt und aus geschimpft aber an sowas hat man sich ja gewöhnt. Wir haben uns in eine Ecke gesetzt und getan als ob wir schlafen. Endlich setzte sich der Zug in Bewegung es war doch eine Fahrt voller Angst, wir waren froh als wir schon mal bis Stargard waren. Dort kamen wir wieder in eine Kontrolle, man wollte uns nicht weiterfahren lassen aber dann nach langen Bitten ging es weiter. Wir waren froh als wir endlich Wurow erreichten waren wir glücklich. Als wir auf den Hof kamen sah ich nur Fremde Leute, aber dann im Haus fiel ich meiner Mutter sofort um den Hals sie hatte schon die Hoffnung aufgegeben mich mal wieder zu sehen. Na und als sie dann noch Käthe sah war sie glücklich ihre beiden Kinder im Arm zu halten. Na als sie dann noch fragte wer die andere Frau wäre, Mutti hatte Tante Grete nicht erkannt, na da war die Freude doch sehr groß. Mutti machte was zu Essen für uns und dann ging das erzählen los, nun kamen Papa, Onkel Rickard und Hermann es hatte keiner mehr geglaubt mich wieder zu sehen sogar die Polen hatten gesagt ich würde nicht wieder kommen. Jeder wollte nun hören wie es im übrigen Deutschland aussieht die Polen waren auch sehr neugierig. Es wurde ein langer Abend, wir wußten doch nun wo alle abgeblieben waren die Prütznower sollten in Vorpommern sein aber da wußte keiner was genaues. Aber soviel stand für mich fest ich würde es nicht noch einmal machen. 18.lo.45 Nun ging alles wieder so weiter wie immer ich ging arbeiten damit wir was zu Essen hatten, denn Geld gab es ja nicht aber wo zu auch es gab nichts zu Kaufen. Im Garten war viel Gemüse, Obst und in der Rega Fische und Milch, Fleisch und was man so noch brauchte dafür mußte man arbeiten. Die Polen bei uns auf dem Hof kümmern sich wenig um uns aber wir können uns nicht unterhalten da sie nicht deutsch und wir nicht polnisch sprechen. Aber soviel steht fest zu Essen haben wir mehr als im übrigen Besetztem Deutschland. Dafür kennt man dort nicht Plündern, Schlagen und Quälen darin ist der Pole ja ganz groß. Käthe und Tante Grete gefällt es ganz gut bei uns. 2o. 10. 45 Bin gespannt wie es weiter geht da die Polen im Frühjahr wenig gesät und gepflanzt haben gibt es auch wenig zu Ernten, wir müssen nun Mist streuen und die abgeernteten Felder pflügen damit Korn gesät werden kann. Nur den Polen fehlt einfach die Lust zum Arbeiten weil auch sie nicht wissen wie es weiter geht. Abends ist es immer sehr gemütlich bei uns wenn wir zusammen sitzen und von alten Zeiten sprechen.
24.10.45 Heute haben unsere Zwillinge Gisela und Ursula Geburtstag
sind in Gedanken bei Ihnen. Käthe und Tante Grete
wollen auch bald wieder zurück denn es wird doch schon kalt wenn man doch nur wüßte wie alles weiter geht? Wir sind am überlegen mit raus aber die Polen sagen Nein. Aber es heißt auch wir haben noch keinen Friedensvertrag vielleicht kommen alle Deutschen wieder. Auch die Frage drüben hungern hier haben wir genug zu Essen was ist nun Richtig aber keiner kann es uns sagen. 28.lo.45. Wir haben heute Käthe und Tante Grete in den Zug gesetzt haben ihnen so allerhand Eßbares mit gegeben hoffentlich kommen Sie gut wieder nach Rerik dort wartet man bestimmt schon auf Sie. Aber man wird ja nichts erfahren Post gibt es hier noch nicht. Die Polen die bei uns waren sind auch wieder weg gezogen. Suchen was anderes haben auch wieder so einiges mit genommen nun sind wir wieder allein im Haus. 6.11.45 Heute kamen Herr Barz und Herr Krahn fast Verhungert voller Wasser bei uns an. Sie waren Anfang März von den Russen Verschleppt worden haben in Oberschlesien im Bergwerk gearbeitet jetzt wo sie nicht mehr konnten hat man die Armen gehen lassen. Wir haben nun versucht ihnen langsam was zu Essen gegeben aber es war nicht leicht Sie beim Essen zu bremsen, aber das schlimmste war, Ihre Familien waren nicht mehr hier und gerade die Hoffnung nach Hause zu kommen hatte sie am Leben gehalten. 8.11.45 Herr Krahn ist letzte
Nacht gestorben, und Herrn Barz geht es auch sehr schlecht weil Ihre Familien
nicht mehr da sind, hat Ihnen allen
Lebensmut
genommen es ist als ob sie einfach nicht mehr weiter Leben wollen. Wir werden nun versuchen Herrn Barz so
langsam über alles hinweg zu helfen. Es ist schon eine schwere Zeit man muß
versuchen mit allem was auf einen zukommt fertig zu werden. Onkel Richard und Hermann gehen oft
Angeln auch ist
der Aalfang öfter in Betrieb und die Räucherei geht auch. In Wurow sind auch noch ein paar
Deutsche und die werden natürlich auch mit Fischen versorgt und wir bekommen von denen mal was uns fehlt
so hilft einer dem andern nur die Polen dürfen es nicht wissen. Ich verstehe nicht warum uns die meisten Polen so hassen wir werden doch oft wie Verbrecher behandelt und so kommt es das wir uns nie alleine aus dem Dorf trauen auch unsere Polen wagen es nicht sich voll vor uns zu stellen. lo.11.45 Heute haben wir Herr Krahn beerdigt Onkel Richard hatte aus alten Brettern einen Sarg gemacht Papa hatte uns Tannen aus dem Wald geholt und, wir haben einen Kranz gebunden, mehr konnten wir nicht für Ihn tun. Nun haben wir seit einem Jahr einen eigenen Friedhof in Prütznow bisher kamen alle Prütznower nach Wurow auf den Friedhof aber nun liegen schon mehrere hier nur kein Echter Prütznower wer weiß wo sie alle sind. 14.11.45 Heute wurde Onkel Richard von 2 Polnischen Milizen abgeholt und nach Labes gebracht er soll verhört werden, was das wieder sollte weiß keiner, wir sind in großer Sorge und beten daß er wieder kommt. Es soll in Labes einen Deutschen Kommunisten geben der den Polnischen Milizen alle Deutschen die in der Partei oder irgendwelche Ämter hatten verrät. Er heißt Hannemann es sollen schon mehrere zu Tode gefoltert worden sein die Polen brauchen ja solche Verräter um Ihren Haß auf alle Deutschen Los zu lassen. Unsere Polen machen uns Mut sagen da Onkel Richard ja nicht in der Partei war und auch nichts dafür über hatte könnte man ihm nichts nach sagen. Lieber Gott Helf uns. 15.11.45 Von Onkel Richard
nichts gehört wir sind sehr traurig und haben große Angst. Richard und Stacho
waren heute nach Labes haben für Onkel Richard Ausgesagt da sie ja die ganzen Jahre in Prütznow waren und es so ja genau wissen es sollen in Labes viele Deutsche im
Gefängnis sitzen die auf diese Weise verraten wurden vielleicht will man sich
auch nur beliebt machen. Es sollen aber auch schon einige erschossen worden
sein, kann ein Verräter mit seinem Gewissen so was verantworten? Meine Schwester hat heute Geburtstag wir denken viel an sie, hoffentlich sind unsere beiden gut zurück gekommen wäre besser gewesen wir wären mit Ihnen gefahren. 16.11.45 Herr Barz geht es immer schlechter wir wissen nicht mehr ein noch aus dazu die Sorge um Onkel Richard ich mache mir um Mutti große sorgen habe oft gesehen das sie weint aber wir müssen dadurch es ist keiner da der uns hilft. Heute hat Tante Emmy Geburtstag für die muß es auch schwer sein hat 3 Söhne alle Soldaten ob die drei noch Leben? ja so einfach ist es nicht warum hat der liebe Gott so viel Schweres auf uns zu kommen lassen? Auch weiß man nicht was noch alles auf uns zukommt. 17. 11 .45 Heute waren Stacho und Richard in Labes und brachten Onkel Richard mit man hat Ihn ganz Furchtbar zugerichtet sein ganzer Körper ist eine Wunde, ich verstehe nicht das Menschen sowas tun können .wir hoffen daß nichts gebrochen ist aber Gott sei Dank er lebt er kann sich kaum bewegen auch die Wunde ist etwas auf auch hat er kaum was zu Essen bekommen. wir werden Ihn Pflegen damit er alles schnell überwindet. Er hat eine große Wut auf die Menschen die um selber gut davon kommen wollen andere ins Unglück treiben .Es hat viele die er kannte dort getroffen und sehr viel Leid und Elend dort gesehen. Auch viel erfahren über Grausamkeiten die beim Einmarsch der Russen geschehen sind, auch viele haben Selbstmord begangen beim Einmarsch der Russen. Auch sollen die Russen Herrn von Borke in Heinrichsfelde auf dem Misthaufen erschossen haben, Es muß je sehr viel Grausames passiert sein wo von wir nichts wußten aber wir hatten mit uns genug wer weiß was wir noch alles erfahren. 29.11.45 Ich habe sehr lange nicht geschrieben und es ist sehr viel geschehen. Herr Barz ist auch gestorben er liegt nun auch auf unserem Friedhof er wollte einfach nicht weiter Leben. Wir haben nun im Dorf doch inzwischen viele Polen und wir haben viel Arbeit. Onkel Richard geht es wieder gut hat alles überstanden wir hoffen daß so was nicht wieder vorkommt es ist gut verheilt nur der Haß auf die denen er alles verdankt ist groß. Wir haben im Dorf nun auch einige Gefangene Deutsche Soldaten zum Arbeiten, werden von polnischen Soldaten bewacht auch wir müssen viel Arbeiten, nur nicht klein kriegen lassen. Auch werden wir öfter mal von Polen die durch ziehen besucht und alles was sie brauchen wird mitgenommen wenn man sich wehrt auch geschlagen und bevor man Hilfe bekommt sind alle weg, ich glaube manchmal die stecken alle unter einer Decke. Nur weil Onkel Richard alles kann und auch alle Maschinen repariert und aus alten Sachen Neues macht geht es uns Trotz allem ganz gut. Manch mal ist es doch schwer auf eigenen Grund und Boden und einem gehört nichts aber man hofft doch immer wenn wir erst mal einen Friedensvertrag daß habe alles besser wird. Es kommen nun des öfteren Deutsche Soldaten aus Gefangenschaft von den Amerikanern, Briten und Franzosen suchen Ihre Familien, bei uns ist zur Zeit Herr Hemmers aus Stettin. Die Familie war hier Evakuiert wohnte mit Kindern auf der Mühle sind aber bevor die Russen kamen raus gekommen. Da er auch ziemlich runter gekommen ist will er ein paar Tage bei uns bleiben dann zurück und weiter suchen. Ja so ist es, der Krieg ist aus die Familien zerrissen und keiner weiß wo sie sind. Im Westen muß es was Freiheit angeht wohl etwas besser sein wie hier im Osten. Aber die haben ja auch mit der Bombardierung der Städte viel Tod und Elend nach Deutschland gebracht. 6.12.45 Heute ist Onkel Richards Geburtstag Mutti hat einen Kuchen gebacken Von Richard hat er eine Ente bekommen und von Stacho 2 Flaschen Schnaps waren Abends auch noch bei uns auch Familie Krause aber die gehören ja zu uns wir müßen bei den Polen aufpassen wir haben oft mehr zu Essen wie sie selbst aber alles brauchen die nicht zu wissen. Aber wir leben immer mit der Angst wir fangen mehr Fische wie die Polen es wissen auch unser Mehl ist besser und so gibt es noch einiges aber ich werde besser nicht alles aufschreiben man kann nicht wissen. Unser Garten hat uns sehr viel gebracht nun ist ja alles eingeschneit wir haben noch Grünkohl, Rosenkohl Porree und Suppengrün drin. Na und unser Eingewecktes hat uns doch sehr geholfen und da man immer alles verstecken muß findet man oft etwas von dem man nichts mehr wußte. Wenn die Polen schon mal zur Jagd gehen bekommen wir schon mal Wild aber dann nur was die Polen nicht wollen Hals Rippen Und Knochen aber auch daraus kann man was Schmackhaftes kochen und braten. Es gab im diesem Jahr sehr viel Obst wir haben viel Eingeweckt und unser Boden liegt voll Äpfel und Birnen auch haben wir noch ein paar Kürbisse. Da wir in diesem Jahr keine Zuckerrüben hatten konnten wir weder Sirup noch Kräude kochen die wird uns fehlen da ja immer noch der Zucker so knapp ist haben wir die Pflaumen fast ohne Zucker Eingekocht. Da die Deutschen Gefangenen die im Dorf sind sehr wenig zu Essen bekommen helfen wir Ihnen so gut wir können aber es soll auch nicht sein die kommen alle aus Ostpreußen wissen auch nicht wo ihre Familien geblieben sind ob alle noch Leben. Wir haben oft Deutsche die unterwegs sind und ihre Angehörigen suchen. Auch hört man immer wieder daß viele vertrieben werden und denen wird auch noch alles abgenommen was sie mit haben. Aber wie oft werden wir bestohlen es ist bei den Polen nun mal so üblich da sie nur ans Trinken denken und nicht gerne arbeiten. Man gewöhnt sich an alles und ist darauf vorbereitet. 18.12.45 Nun steht Weihnachten vor der Tür es wird für uns alle ein Fest wo wir in Gedanken bei unsern Lieben sind. Wir haben die Polen gefragt ob wir die Gefangenen zu uns Weihnachten holen dürfen aber die müßen erst in Labes fragen. Ich war auf dem Boden und habe nachgesehen was noch an Weihnachtsbaumschmuck da ist war doch viel entzwei und man hatte wohl auch zertreten ich habe nun noch Strohsterne gemacht, da noch einige Kerzen da waren und ich fand noch Silberpapier aus Zigaretten Schachteln das hatte ich im Krieg gesammelt daraus wurden Sterne und Ketten gemacht. Da auf dem Feld die Arbeit ruhte war ich viel zu Hause. Richard hat ein Schwein geschlachtet Onkel Richard und Hermann helfen beim zerlegen und Wurst machen. Als die zwei am Abend ziemlich angeheitert nach Hause kamen brachten sie doch einiges an Fleisch und Wurst sogar Speck mit na, ohne Schnaps geht so was nicht ab, wir haben immer große Angst wenn die zu viel trinken daß sie mal krach kriegen und zu viel sagen. Die Polen sind sehr oft betrunken und dann sagen sie oft was worüber man mit uns besser nicht spricht. Sie schimpfen über ihre eigene Regierung die Ihnen nicht hilft und auch weiß keiner ob sie hier bleiben. Es wird ja auch nichts repariert und es müßte doch so viel getan werden. Die große Ungewissheit ist für alle nicht gut aber das Leben geht weiter. 25.12.45 Heute ist Weihnachten wir haben einen sehr schönen Weihnachtsbaum. Gestern Abend waren alle bei uns auch die letzten vier Gefangenen Frau Krause mit ihren Kindern es gab Karpfen dazu Kartoffeln Butter und Sahne. Da wir in unserm Feld einige Karpfenteiche haben wo es auch Hechte Aale Karauschen, und Karpfen genug gibt ist alles da und keiner braucht zu Hungern. Wir haben unter Tränen Weihnachtslieder gesungen und gebetet und in Gedanken war jeder bei seinen Lieben. Als Abschluß gab es Plätzchen Kuchen und Gerstenkaffee wir hatten viel Plätzchen Kuchen und Brot zu Weihnachten gebacken als dann alle weg waren haben wir noch aufgeräumt, abgewaschen dann noch zusammen gesessen und geredet. Heute Mittag waren wieder alle da wir hatten ein paar Gläser Braten auf gemacht dazu gab es Rotkohl und Eingewecktes Obst da wir vor Weihnachten von den Polen etwas Zucker bekommen hatten und noch etwas hatten wurde das Obst bestreut und somit nicht so sauer. Nachmittags gabs Kaffee und Kuchen und zum Abendessen gab es den Rest Fleisch von Mittag dazu Spargel auch geräucherten Aal und Forellen sowie sauren Fisch und selbst gemachten Käse die Soldaten haben sich immer wieder bedankt denn so was hatten Sie schon lange nicht bekommen wer weiß was es bei den Polen gab hatten bestimmt nicht mehr aber dafür Wodka. Aber wir hatten 2 Flaschen Wein haben immer noch welchen im Keller vergraben alles eigene Herstellung. Wir haben Hagebuttenwein. Apfelwein und Stachelbeerwein ist mir ein bisschen zu sauer aber die andern sagen ja er wäre sehr gut. Wir haben ja auch Wein am Haus Gelben. Roten und auch Blauen da der Blaue neu angepflanzt ist trägt er noch nicht und der Andere ist nur für uns zum Essen und wir haben auch viele Abnehmer. Heute am zweiten Weihnachtstag waren auch wieder alle bei uns dazu noch einige Wurower also unser Haus war voll na und zu Essen hatten wir auch solange wir in der Speisekammer noch volle Gläser haben geht es uns gut. Wenn wir sie essen kann man sie nicht wegnehmen wir werden schon wieder sehen das was nach kommt. Die Wurower wußten auch einige Neuigkeiten und es geht Ihnen auch nicht so gut wie uns auch haben sie kaum was zu Essen. Auch hatte man wieder gesagt daß alle Deutschen die noch hier sind raus sollen, aber auch damit müßen wir Leben es wird schon so lange darüber gesprochen. Also wir hatten doch ein schönes Weihnachtsfest. 29.12.45 Wir sind am Dreschen die Polen wollen Korn verkaufen und wir brauchen auch wieder Mehl damit wir Brot backen können. Die Polen sind an uns rangetreten wir sollen die Polnische Staatsangehörigkeit annehmen. Aber das kommt für uns nicht in Frage wir bleiben Deutsche. 1.1.46 Was mag uns das Neue Jahr bringen?? Es war in der Nacht sehr laut alle Polen waren wohl betrunken es wurde sehr viel geschoßen es erinnerte mich an den Krieg als der Russe kam, die Polen kamen in der Nacht und wünschten uns ein Frohes Neue Jahr ohne Krieg. Die meinen wir sollten Ihnen danken daß Frieden Ist aber wir haben noch nichts davon gemerkt wir dürfen uns weder Frei bewegen noch sagen was wir denken und angst haben muss, daß man uns was antut. Und dann erzählt man uns wie die Deutschen in Polen gehaust und gemordet haben aber das kann man ja nicht glauben! Der größte Teil der Polen ist voller Haß auf alle Deutschen. Wir hoffen nun auf ein Glückliches Gesundes Neues Jahr und das alle Menschen nett zu einander sind. 11.1.46 Also nichts hat sich geändert es waren wieder Polen bei uns Mutti und Papa die in der Küche waren wurden geschlagen und aus dem Haus gejagt dann alles durchwühlt und sehr viel mitgenommen. Na wenn so der Frieden aussieht gibt es wohl keinen Unterschied zwischen Krieg und Frieden bei den Polen. Mit Arbeiten sieht es schlecht aus, da die Polen ja alle nur ein paar Ha zum Bewirtschaften haben sieht es für uns nicht so gut aus. Wir für uns dürfen nur unseren Garten bearbeiten, müßen da helfen wo man uns braucht. Unsere Männer haben heute Holz aus dem Wald geholt wir müßen ja kochen und wir haben es auch gerne schön warm. Wir haben uns aus Leer stehenden Häusern noch vereinzelte Kohlen geholt aber man findet nicht mehr viel. Da wenn man mit Holz heizt ist es wohl schnell warm aber es hält nicht vor. Ja nun müßte man wissen ob wir hier bleiben? Wir haben ja Moor und wir könnten Torf stechen und dann hätten wir auch was zu Heizen. Ja immer wieder diese Ungewissheit so hat man wenig Lust irgendetwas zu machen weil man nicht weiß für wen! Es gibt in Labes schon einiges zu kaufen aber nicht für uns wir bekommen ja kein Geld Unsere Polen bringen uns ja gerne mal was mit aber die haben ja auch kaum Geld. 2o.1.46 Gestern kamen wieder 2 Männer zu uns waren Verschleppt gewesen halb Verhungert hatten Tagelang nichts zu Essen suchen Ihre Frauen und Kinder. Sie kamen jetzt aus Ostpreußen dort hatte man Ihnen gesagt daß ihre Familien früh genug auf die Flucht gegangen sind. Nun ist die Frage wo sind Sie, wir haben Ihnen erst mal was zu Essen gegeben und Ihnen angeboten sic auszuschlafen und ein paar Tage hier zu bleiben damit sie wieder zu Kräften kommen. Es ist schon ein großes Elend wenn man so was sieht und miterlebt und wenn man dann zurück denkt wie viele Tote man aus den Zügen und den Trecks geholt hat und an den Bahnstrecken und Straßen begraben hat! Es sollen auch in Labes und in Regenwalde die Krankenhäuser voll sein vor Typhus Kranken Deutsche sowie auch Polen, Der liebe Gott mag geben daß wir gesund bleiben. Es ist ein Glück das wir immer noch genug zu Essen haben. 2.2.46 Unsere Besucher sind wieder weiter gezogen Ihre Familien zu suchen hatten sich doch etwas erholt waren für alles sehr dankbar wir hoffen nun daß sie gut weiter kommen und Ihre Familien finden. Bei uns geht es immer weiter wenn man für uns Arbeit hat arbeiten wir sonst sind wir zu Hause Nur Onkel Richard und Hermann haben immer was zu tun, Maschinen reparieren und alles in Ordnung bringen unsere Sorge ist immer wenn sie mit den Polen trinken daß sie mal Krach mit einander kriegen. Wir sind vor ein paar Tagen wieder mal Ausgeplündert worden vor allem eßbares denn auch die Polen die Unterwegs sind haben Hunger. Anscheinend wissen Sie bei den Deutschen findet mal was. Da Mutti und Papa Im Schuppen am Holz sägen waren hat man ihnen nichts getan. Die Polen waren auch auf dem Boden haben auch Obst mitgenommen. Auch in der Räucherkammer waren sie, aber da wir vor längerer Zeit eine Ecke abgemauert haben und immer alles dahinter hängen so finden sie da nichts. Es ist schon eine schwere Zeit wenn man immer in Angst leben muß und alles verstecken muß. Auf den Gütern sind ja noch immer die Russen und die haben noch Deutsche zum Arbeiten, aber wir haben ja keine Verbindung mit denen man traut sich nicht von einem Ort zum andern. Denn bei den Russen wird viel gearbeitet. Dabei hätten die Polen auch gerne die Russen alle raus ich glaube das Verhältnis unter einander ist nicht so gut und dort dürfen die Polen auch nicht plündern. 15.2.46 Gestern war ich mit den Polen das erste mal in Labes wir fuhren mit dem Zug ist ja nur eine Station aber die Verbindungen sind nicht so gut als bei uns, denn eine Gleisanlage hat der Russe abgebaut und nach Russland gebracht. Ich war sehr erschüttert als wir nach Labes kamen, ich wusste, daß viel kaputt war aber so habe ich es mir doch nicht vorgestellt. Ich habe mich mit einigen Deutschen unterhalten und sehr viel trauriges gehört auch haben sie kaum was zu Essen, ich habe mich nach Verwandtschaft und Bekannten erkundigt aber habe nichts erfahren. Wir sind dann wieder zurück gefahren es war doch mal was anderes da man sich allein so was nicht traut. Wir würden ja gerne mal wissen wer in den Umliegenden Dörfern noch wohnt oder ob keine Deutschen mehr da sind. Da wir ja keine Ausweise oder sonstige Papiere haben ist es für uns sehr gefährlich wenn wir außerhalb des Ortes angetroffen werden. 23.2.46 Wir haben uns heute Pferdedung geholt und unser Mistbeet fertig gemach auch gleich Salat und Radieschen eingesät. So lange wir hier sind wollen wir auch Essen aber man muß ja weiter machen, trotzdem das Gerücht daß wir alle vertrieben werden über uns schwebt. Auch auf dem Feld geht es weiter die Männer fahren Mist und wir müssen streuen, man muß sich warm arbeiten da es draußen noch sehr kalt ist. Und abends ist man ziemlich K 0. Wir bringen auch Mist in unseren Garten denn wenn der Boden mal Frostfrei ist muß man anfangen zu Graben. Wir haben doch im vorigem Jahr sehr viel aus dem Garten raus geholt. Dadurch hatten wir immer gutes Gemüse. Im Moment sieht es für uns nicht so gut aus Fleisch bekommen wir kaum noch auch Korn st nicht mehr viel da die Polen haben zuviel Verkauft da sie Geld brauchten wir haben etwas vorgesorgt wenn man uns nur nicht immer bestehlen würde das ist das Furchtbarste für uns. 3.3.46 Heute vor einem Jahr war der Russe hier und seit dem ist ja sehr viel geschehen und immer noch soll es keinen Friedensvertrag mit Deutschland geben, wann wird man wissen wer Pommern bekommt hoffentlich kommen alle wieder. Wie mag es den Deutschen jenseits der Oder gehen ob es denen besser geht als uns und ob die genug zu Essen haben? Das sind alles fragen die mir keiner beantwortet, wir sind es doch oft Leid hier. Bei uns auf dem Hof ist auch wieder eine Polen- Familie, wir sind wieder auf 1 Zimmer 1 Kammer und Küche ist sehr eng aber was soll es nur sie müssen gut zu uns sein. Wir müßen nun etwas mehr aufpassen, damit sie nicht alles mit bekommen, auch ich muß beim schreiben aufpassen auch den Garten müßen wir nun Teilen jetzt wo wir schon so viel darin gemacht haben. Sie sind auch auf dem Feld am arbeiten, na wenn sie Leben und bleiben wollen müßen die es auch. 14.3.46 Es gibt im Moment viel Arbeit und abends bin ich immer so müde ist wohl die Frühjahrsmüdigkeit oder die viele Stunden am Tag. Unsere Polen sind noch da sie lassen uns in ruhe aber die sind der Meinung alles was da ist, gehört auch Ihnen. Es gibt sogar wieder ein paar Hühner und Enten ob uns die Hühner und Enten nun wohl auch gehören mal abwarten. Die Polen bei uns sind ein Ehepaar mit Sohn und, Tochter 16 und 18 Jahre haben sich wohl einen Pflug und Eggen besorgt und sind tüchtig am arbeiten haben 1 Pferd und 2 Kühe ist ja schon mal etwas. Irgendetwas muß in der Luft liegen die Polen im Dorf sind garnicht mehr so viel für uns da. Am meisten leiden Krauses darunter seit Stachos Schwester da ist und für Ihn eine Frau mitgebracht hat ist da alles anders geworden. Aber es werden auch immer mehr Polen und die meisten haben für Deutsche nichts übrig manche hassen uns sogar und So trauen sich Richard und Stacho auch nicht sich voll hinter uns zu stellen. 26.3.46 Nun ist es so weit gestern Abend wurde Krauses gesagt sie müßten heute raus wir haben sofort versucht auch mit raus zu gehen aber leider ließ man uns nicht. Wir sind sehr traurig man hat doch vieles miteinander durchgestanden und es war ja manchmal nicht leicht für uns. Nun sind wir nicht mehr gerne hier wer weiß was die mit uns vor haben, also wenn die Onkel Richard und Hermann nicht so sehr brauchen würden, wären wir bestimmt nicht mehr hier. Auch ich werde mit Stachos Familie nicht fertig muß da arbeiten und werde oft auf Polnisch beschimpft. Also muß man nun noch mehr aufpassen und seine Arbeit tun, wir versuchen nun immer wieder und bitten daß man uns raus läßt. Immer wieder kommt jemand der uns was weg nimmt und keiner hilft uns. Ich habe auch große Angst um meine Zettel ich habe nun schon auf verschiedenen Stellen welche wie wird nur alles weiter gehn. Ich denke oft an Krauses wo hat man sie wohl hin gebracht.. 2.4.46 Wo mögen Krauses sein es sollen ja Züge von Stettin nach Westdeutschland gehen denn beim Russen soll alles voll sein die sollen keine Vertriebene mehr aufnehmen. Jetzt machen wir uns schon sorgen denn Käthe ist ja auch in der Russen Zone. Es ist ja noch nicht so weit und im Moment ist hier alles so das wir nicht klagen dürfen, unser Mistbeet sorgt dafür das wir schönen Salat und auch Radieschen haben auch so haben wir den Garten in Ordnung. Wir haben auch schon ein paar Eier von unseren Polen bekommen und nun kriegen sie dafür schon mal Salat also sie haben sich noch nie selbst bedient. Haben auch selbst viel im Garten gesät. Es ist doch schade daß man sich gegenseitig nicht versteht. Es lebt jeder für sich wir haben einen gemeinsamen Backofen, Keller und eine Alte Wasserpumpe, denn unsere Wasserleitung ist nicht in Betrieb teils abgebaut oder kaputt, Es ist schon vieles sehr primitiv aber unsere Sieger legen wert drauf daß alles was hier ist zerstört wird und dadurch glauben wir immer noch wenn mal alles zerstört ist gehen die wieder. 11.4.46 Heute brachte man uns 2 Deutsche Frauen wir sollten Ihnen was zu Essen geben die waren mehr Tod als am Leben hatten schon Tagelang nichts mehr gegessen, sie waren mit einem Viehtransport unterwegs gewesen bis alle Kühe tot oder weg waren dann hatten sie sich auf den Weg nach Hause gemacht. Wir erfahren soviel Grausamkeiten was die mit gemacht haben kann man kaum ertragen aber es ist die Zeit wann geht es uns wieder besser? wir werden die beiden ein paar Tage hier behalten bis sie wieder etwas erholt sind dann wollen sie Ihre Familien suchen. Sie haben uns auch gesagt daß viele Deutsche auch nach Rußland verschleppt sind. Da bekommt man schon wieder Angst wer weiß was uns noch bevor steht. 2o.4.46 Die zwei Frauen waren nur 2 Tage bei uns dann wollten sie weiter um ihre Familien zu suchen, hatten sich richtig ausgeschlafen und gut gegessen wollten mit dem Zug versuchen über die Oder zu kommen. Es wird immer schlechter Fleisch gibt es kaum noch auch Milch bekommen wir selten, die bekommen die Polen im Dorf die keine Kühe haben und wir sind nur Deutsche und die sollen sehen wie sie was kriegen. Da das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen immer schlechter wird ist damit zu rechnen daß man uns auch bald vertreibt. Auch Richard und Stacho stellen sich nie mehr voll hinter uns, es sieht aus als wenn sie sich gegen die anderen Polen im Dorf nicht durchsetzen können. 28.4.46 Nun ist auch der April fast zu Ende wir arbeiten viel im Garten es kommt alles sehr gut also Gemüse und Salat wächst auch die Obstbäume stehen in voller Blühte hoffentlich wird es nicht noch mal so kalt das alles verfriert denn die Eisheiligen kommen ja noch. Uns hat man vor ein paar Tagen mal wieder aus dem Haus gejagt und alles durchwühlt und sehr viel mit genommen auch viel eßbares es wird immer schlimmer und auch schneller hinter einander wir sind es Richtig Leid. Mutti regt sich immer so sehr darüber auf, sie versucht immer uns alle satt zubekommen solange was da ist gibt es ja auch keine Probleme aber was kocht man wenn nichts da ist. Wie mag es im übrigen Deutschland aussehen ob die genug zu Essen haben? Da wir auch kaum noch Kartoffeln haben wollen unsere Polen versuchen ob sie in Labes welche zubekommen. 4.5.46 Seit gestern haben wir mal wieder Kartoffeln sollen von Neukirchen sein aber das ist ja egal unsere Speisekammer ist auch fast leer nur Eingewecktes Obst und Gemüse ist noch genug da. Zum Glück fand Mutti noch ein Glas Butter so gab es Gestern und auch Heute Kartoffeln Butter und viel Spargel denn davon haben wir noch genug, es war doch gut das ich im vorigem Jahr auf der Mühle und bei Kaisers wo es große Spargelbeete gab jeden Tag Spargel gestochen habe .Die Polen haben sich ja nicht um Spargel gekümmert ist Ihnen wohl zu viel Arbeit. Unsere Räucherkammer ist bis auf ein paar Aale auch leer aber wir dürfen ja nicht klagen der liebe Gott hat doch immer dafür gesorgt daß immer genug und gutes Essen da war. lo.5.46 Nachmittags kamen Böhms aus Wurow zu uns und sagten daß alle Deutschen Morgen raus sollen, wir fragten darauf die Polen und die sagten es auch. Da wir nur soviel mitnehmen dürfen wie wir tragen können muß man überlegen was man am meisten braucht, vor allen unsere Betten. Unsere Betten werden
nun 4x überzogen so haben wir etwas Bettwäsche wir machten uns alles soweit
fertig es war spät als wir ins Bett gingen. 11.5.46 Als wir gestern Abend gut im Bett lagen es war so um halb 12 hörten wir draußen Stimmen und schon wurde die Tür einen Spalt geöffnet und ein Revolverlauf kam zum Vorschein da Onkel Richard Licht gemacht hatte sagte jemand Licht aus. Wir mußten alle unter die Bettdecken es waren mehrere Onkel Richard schlugen sie noch, alles was wir eingepackt hatten und was wir anziehen wollten war weg. Da nun an schlafen nicht mehr zu denkt war und wir nichts anzuziehen hatten mußten wir uns aus den Sachen die wir nicht mehr mitnehmen wollten was raussuchen ich hatte nicht mal Schuhe so mußte ich von Papa welche anziehen wir hatten alle nur noch alte Sachen. Ich holte meine ganzen Zettel und beschriebenen Tagebuchblätter vom Kleiderschrank es war nur gut daß ich dies nicht schon Gestern gemacht hatte es wäre alles weg gewesen und was hätte man wohl mit uns gemacht wenn man es gelesen hätte. Nun wohin damit ich trug es am Körper in einem dünnen Tuch. Mittags kam dann einer aus Neukirchen soll ein Amtsvorsteher sein mit einigen von der Miliz und warfen uns raus. Wir mussten innerhalb 2o Minuten auf der Straße stehn. Da wir ja nicht mehr viel hatten ging ja alles schnell, wir hatten uns sehr viele Butterbrote gemacht, man weiß ja nicht wann wir was zu Essen kriegen. Um halb 1 Mittags standen wir auf der Straße auf einmal kamen Richard und Stacho zu uns Sie baten uns Ihnen zu Bescheinigen daß sie immer gut zu uns waren, hatten sogar Tränen in den Augen ob das wohl Echt war? Wozu wollten die nur eine solche Bescheinigung? also wissen auch die Polen nicht wie es weitergeht aber erst müßen wohl mal alle Deutschen raus. Wir standen auf der Straße bis Abends halb 8, Stacho brachte uns dann mit dem Wagen bis Neukirchen. Ob wir unsere Heimat wohl noch einmal wiedersehn werden aber darauf gibt es keine Antwort. In Neukirchen standen schon viele Deutsche auch die Wurower waren dort und viele aus den umliegende Dörfern, Stacho verabschiedete sich weinend und fuhr zurück nun ging es weiter nach Regenwalde es waren einige Wagen für Gepäck, und für die Alten und Kranken alle andern mußten gehen in Matzkenheide plünderten uns die Russen aus die Polen sahen zu. Nachts um 3 Uhr waren wir in Regenwalde. 12.5.46 Wir wurden dort in ein Lager es ist die Bismarkschule, bevor die Miliz aus Neukirchen uns verläßt laden sie ihre Wagen noch mal voll. Auch Onkel Richards und meinen Rucksack nehmen sie mit dann ziehen sie ab. Der Lagerführer ist ganz gut zu uns wir bekamen als alle Untergebracht waren, heißen Kaffee dazu aßen wir unsere Butterbrote wir hatten ja seit gestern Morgen nichts bekommen. Mittags brachte man uns zum Bahnhof in Güterwagen sollten dann an einen Zug angehängt werden. Nun ging das warten los gegen Abend mußten wir zurück ins Lager man sagte uns in Stettin sei alles überfüllt bekamen Milch und Kaffee sonst nichts. da wir noch Butterbrote haben brauchen wir nicht hungern. 13.5.46 Morgens gingen wir in die Stadt wir konnten uns frei bewegen wollten versuchen was zu Essen zu bekommen aber daran war nicht zu denken. Abends müßen wir wieder zum Bahnhof aber es ist kein Zug da, so mußten wir unter freiem Himmel schlafen. 14.5.46 Morgens regnete es fürchterlich wir verkrochen uns in einem alten Güterwaggon und blieben auch trocken wir mußten nun bis Abends 8 Uhr warten, wir kamen immer mit 50 Personen in einen Güterwagon. Es waren 16 Wagen und alle voll einige kamen aber schon voll an, als alle drin waren wurden die Wagen bis auf einen Spalt von außen zu gemacht und es ging los, In Labes wurden noch einige Wagen rangehängt und weiter gings. 15.5.46 Morgens kurz nach 6 Uhr waren wir in Stettin‑Braunfelde
wir wurden dort in Leer stehende
Häuser gebracht wir waren dann mit 22 Personen in einem Raum konnten uns kaum
bewegen hatten nur Platz zum sitzen und wenn mal jemand raus wollte mußten
andere aufstehen man sagte uns es wäre alles überfüllt. Da Geschäfte in der
Nähe waren gingen Onkel Richard und ich los wir hatten erfahren das die
Geschäfte Deutsches Geld nahmen die gingen dann über die Oder um dort
einzukaufen. Wir bekamen Brot etwas Wurst und Schmalz viel sah man auch dort nicht. Da wir auch noch ein paar Butterbrote hatten, dazu was wir mitgebracht hatten und Wasser aus der Leitung. Wir hatten eine Ecke im Zimmer für uns unsere Säcke mit den Betten und den Rest unsers Gepäcks waren für uns alle wo drauf wir sitzen konnten und so alles unter Kontrolle es ging auch immer nur einer raus. 16,5.46 Wir hatten alle etwas geschlafen am Morgen ging es
wieder zum Bahnhof wieder in Güterwagen wir glaubten wir hätten es geschafft
aber in Frauendorf mußten wir wieder raus es heißt wir sollen auf ein Schiff.
Na mal was anderes. Wir wurden in einer Schule untergebracht wieder so eng an
hinlegen nicht zu denken. Es wird gesagt das Lager wäre überfüllt und die
kämen zuerst weg also wieder warten bis wir dran sind. In unserem Raum ist in
der Nacht ein alter Mann gestorben. Man hat Ihn raus gebracht. Auch die
Angehörigen sind seit dem weg. Zu Essen gibt es nichts und es gibt viele die
schon Tage nichts gegessen haben es ist doch alles sehr traurig. 17.5‑46 Schon am Vormittag kamen wir ins Lager zuerst auf einen großen Platz um das Lager ist ein hoher Zaun. Am frühen Morgen soll ein Schiff mit 3ooo Vertriebenen ausgelaufen sein so ist Platz geworden. Nun mußten wir zur Entlausung wir hatten keine Läuse, die Läuse hatten uns es war ganz furchtbar. Danach ging es durch eine Kontrolle da wurden alle Namen aufgeschrieben und wir mußten an einem Arzt vorbei gehen, der stellte ein Paar Fragen sonst nichts. Nun mußten wir wieder warten. Wr wurden in Gruppen eingeteilt und unsere Sachen durchsucht wieder wurden wir einige Sachen los. Unsere Gruppe bekam 3 Zimmer zugeteilt es waren 10 Personen pro Zimmer es war eng aber wir hatten so viel Platz, daß wir alle liegen konnten. Mittags bekamen wir eine warme Suppe viel Grütze einige Kartoffelstücke sonst fand man nichts da drin. Es gibt im Lager einen kleinen Laden dort gibt es Brot wenn man Glück hat sogar Butter und Wurst auch Tee und Kaffee. Abends gab es Kaffee, Milch oder Tee für alles andere mußten wir selber sorgen. 22.5.46 Ich habe einen schlimmen Arm habe sehr große Schmerzen mußte täglich zum Arzt so konnte ich auch nicht schreiben es geht auch jetzt noch nicht gut muß den Arm in der Schlinge tragen. Jeden Morgen werden Männer und Frauen zum putzen geholt und auch für die Lagerküche. Also morgens und abends gibt es Tee Milch und Kaffee Mittags Suppe aus Grütze und ein paar Kartoffeln. Hier im Lager sehen wir auch die ersten Engländer in Uniform sehen doch anders aus als die Polen und Russen. Wir warten nun auf Schiffe die uns hier weg bringen es sind wohl Tausende von Deutschen hier im Lage und es werden jeden Tag mehr. 23.5.46 Heute Mittag lief die Isar ein da war die Freude groß wir mußten uns Gruppenweise aufstellen und dann aufs Schiff da gab es auch keine Polen mehr nur Engländer und Deutsche. Das Schiff fuhr unter Deutscher Besatzung und 2o Engländer waren an Bord. Die Engländer verteilten gleich Bonbons und Schokolade an die Kinder. Wir mußten unter Deck dort lagen überall Strohmatten also wie die Heringe neben einander. Es sollen 3000 Menschen an Bord sein das Schiff soll Morgen früh um 5 Uhr auslaufen. Wir bekamen dann für 2 Personen 1 Brot und eine Dose Schmalzfleisch. Morgens und abends Tee oder Kaffee und für die Kinder Milch. 24.5.46 Als morgens die Maschinen angelassen wurden weckte mich Onkel Richard Mutti und Papa blieben bei unsern Sachen wir hatten unsere Betten Ausgepackt und gut geschlafen das erste mal ohne Angst. Onkel Richard Hermann und ich gingen nach oben um zu sehen wenn das Schiff abfährt. Es war ein schöner Morgen es waren außer uns noch einige Leute an Deck auch ein paar Engländer die verteilten sogar einige Zigaretten wir fuhren durchs Haff an Swinemünde vorbei dann nach Bornholm dann zurück an Rügen vorbei. Nachmittags hatten wir schweren Seegang Windstärke 8‑9 es schaukelte ganz schön die meisten waren seekrank von uns keiner, aber 75% mußten sich übergeben am Abend wurde es dann wieder ruhiger. Die Ostsee soll noch voller Mienen sein dadurch auch die Umwege, aber der liebe Gott wird schon auf uns aufpassen. Mittags gab es eine Suppe war Grütze Kartoffeln etwas Gemüse aber sehr dünn Wir haben Brot dazu gegessen. Wir gingen früh schlafen wir waren alle sehr müde das machte wohl die Seeluft Mutti ging es nicht so gut wartete drauf wieder an Land zu kommen. 25.5.46 Morgens fuhren wir in die Lübecker Bucht ein um 9 Uhr waren wir dann in Travemünde dort wurden wir vom Schiff gleich in Autos geladen und kamen nach Lübeck‑Küknitz. Da bekamen wir Scheine zum ausfüllen und dann zum Doktor danach zur Entlausung und wieder in Autos dann ins Lager Pöppendorf. Das Lager bestand aus Wellblech Baracken war sehr groß es gab gleich Mittagessen es war eine Richtige Gemüsesuppe mit viel Fleisch schmeckte sehr gut. Unsere Baracke hatte die Nummer 34 L wir bekamen gleich Bescheinigungen wo wir hinkommen das ist der Kreis Flensburg. Wir sahen uns noch etwas um und gingen dann in unsere Baracke. Abends gab es Butterbrote dazu Kaffee Tee oder Milch. 26.5.46 Morgens wurden wir wieder in Autos geladen, nach Kücknitz zum Bahnhof gefahren, wo schon ein Zug auf uns wartete. Wir stiegen ein. Um 9 Uhr ging es ab Richtung Flensburg. In Flensburg bekamen wir neue Scheine, darauf stand Glücksburg, dies ist 10 km von Flensburg entfernt. wieder in Autos geladen nach Kücknitz zum Bahnhof wo schon ein Zug auf uns wartete, wir stiegen ein um 9 Uhr ging es ab Richtung Flensburg. In Flensburg bekamen wir neue Scheine darauf stand Glücksburg. Wir kamen dort in eine Baracke (Musenhügel) die lag direkt an der Flensburger Förde sie bestand aus einem großen Raum einer Küche und Waschräumen und Toiletten. 27.5.46 Wir haben ein Strohlager liegen mit 48 Männer, Frauen und Kindern in eine Raum. Wir haben unsere Betten ausgepackt und auch alle gut geschlafen. Wir sollen hier eigene Wohnungen bekommen aber das ist sehr schwer es sind ein paar Familien schon 4 Wochen hier. Bei uns sind 6 Familien aus Rützenhagen mit denen waren wir schon in Regenwalde zusammen wir kommen gut mit einander aus. Morgens bekommen wir Kaffee und Brote die werden in der Küche verteilt, Mittags gab es pro Person 2 Kartoffeln Spinat und einen Klops zum satt werden zu wenig. Mutti und ich haben sofort an Käthe geschrieben damit sie weiß wo wir sind vielleicht hat sie für uns auch .was anzuziehen wir haben ja nur das was wir auf dem Körper haben. Wir sind froh daß wir unsere Betten mit bekommen haben und 4 x Bettwäsche war doch gut Mutti hatte alle 4x bezogen auch jedes mal 1 Bettlacken dabei. Wir haben heute den oberen Bezug abgezogen war doch sehr schmutzig muss gewaschen werden aber womit wissen wir noch nicht? Abends gab es wieder Brot und Getränke aber nicht zum Satt werden. 28.5.46 Die Gegend ist sehr schön außer der Förde auch ein paar kleine Seen ich bin heute mal etwas umher gegangen es gibt hier ein Schloss mitten im See ist sehr schön. Unsere Männer haben Entdeckt daß es in der Förde viele Taschenkrebse gibt ist ja nicht viel dran jawohl nur die Scheren also nun werden Krebse gefangen aber wir haben auch keinen Topf. Da bei uns in der Nähe das Strand‑Hotel ist, versuchte ich es dort es waren Engländer da und auch Flüchtlinge auf dem Hof lagen viele leere große Dosen ich frage und darf mir welche aussuchen und mitnehmen. Es regnet den ganzen Tag und so sitzen wir alle in der Baracke rum. 29.5.46 Wir sind heute am Fischen haben mit einem Fischer gesprochen der sagte uns sie wären froh wenn es weniger Krebse gäbe die würden die Netze mit ihren Scheren zerschneiden. Wir haben schnell einen Eimer voll Krebse nun gingen wir zurück, es wurde eine große Dose Wasser aufgesetzt darein Salz und als das Wasser kochte kamen die Krebse darein. Da es Mittags nur eine dünne Suppe gab war niemand satt geworden und nun gab es zum Nachtisch Krebse es ist leider nur wenig dran nur die Scheren also muß es die Menge bringen. 30.5.46 Heute ist Himmelfahrt Mittags gibt es 1 Kartoffel 1 kleines Stück Braten Wirsing Gemüse war nicht schlecht aber zu wenig. Nachmittags kam ein Pastor mit seiner Frau ins Lager es war Pastor Rutzen sie kamen auch aus unserer Gegend in Pommern Frau Rutzen ist mit meiner Schwester zur Schule gegangen. Hermann und Onkel Richard waren zu den Fischern wollten sehen ob sie Krebse in Ihren Netzen hatten, sie wollten für uns welche zurück lassen. Brachten Krebse und kleine Plötze mit so war unser Abendbrot wieder gesichert. 31,5.46 Morgens gingen Mutti und ich nach Glücksburg einkaufen, Wir hatten nun ja inzwischen Lebensmittelkarten auch Brot und Fischmarken heute gab es Dorsch auf Fischmarken wir kauften Brot, Margarine und was es grade mal gab es ist oft nichts da. Mittags bekamen wir Wruken, Kartoffel dazu Brühe Und etwas Fleisch es ist immer so wenig ich werde nie satt, 1.6.46 Heute war in der Schloßkirche ein Kirchenkonzert Meta Böck Aus Rützenhagen und ich waren hin, es war sehr feierlich und dann die Leute mit schönen Kleidern und Schuhen da möchte man sich am liebsten verstecken. Ich hoffe ja wenn meine Schwester unsern Brief hat vielleicht schickt sie mir was zum Anziehen, ich gehe am liebsten nirgend wo hin. 2.6.46 Heute ist Sonntag aber wir merken nichts davon Mutti und Onkel Richard waren zur Kirche Papa und ich sind etwas spazieren gegangen zum Mittag sind alle wieder da. Es gab 2 Kartoffeln und Gulasch na hoffentlich Wird es bald besser. Unser Lagerführer hat Gestern in Glücksburg ein Zimmer bekommen ist so nur noch über Tag hier. Auch zieht Morgen eine Familie mit 1 Kind weg ein Bauer will sie abholen und Ihnen eine Wohnung bereitstellen. Da es den ganzen Nachmittag regnet sind alle in der Baracke da ist es hier sehr unruhig. 3.6.46 Morgens war ich früh in Glücksburg habe lange angestanden es gab Waschpulver sowie 4 Eier und ein Brot ich Wollte noch etwas Wurst haben aber es gab nichts. Also wenn ich so an unser Brot in Prütznow denke weiß ich nicht was sie hier darein machen es schmeckt einfach nicht. Aber nicht zurück denken wir Leben ohne Angst es ist doch ganz anders wenn man sich überall frei bewegen kann. Tante Agnes und Hermann waren in der Stadt sollten sich ein Zimmer ansehen hatte Ihnen Herr Finger unser Lagerführer besorgt. Da es im Keller war ohne Ofen und Herd dazu Fliesenboden werden Sie wohl nicht nehmen. 4.6.46 Es regnet jeden Tag keiner geht raus und die Zeit vergeht nicht, man wartet immer aufs Essen. Arbeit gibt es hier auch nicht es sind hier sehr viele Flüchtlinge untergebracht und die sind nun schon ein Jahr hier viele haben auch Arbeit. Wir warten nun jeden Tag auf Post von Käthe aber es geht wohl alles nicht so schnell. Frau Pastor Rutzen hat mir heute 1 x Unterwäsche 1 Bluse und einen Rock gebracht auch ein Paar Sandaletten aber leider viel zu groß. Aber ich freue mich mal was anderes anziehen können ist doch etwas ganz besonderes ich trage nun seit dem 11.5. jeden Tag das gleiche Abends gewaschen Morgens wieder angezogen. 2o. 6.46. Ich habe nun lange nicht geschrieben es ist jeden Tag dasselbe wir sind immer noch im Lager und es wird sich so schnell auch nichts Ändern. Damit hört
hiermit mein Tagebuch auf.
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