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Wie die Maränen in die Madue kamen

 

 

 

 

Schon im letzten Viertel des zwölften Jahrhunderts hatte das pommersche Herzogshaus das späterhin berühmte Zisterzienserkloster Kolbatz gegründet. Es lag mitten im fruchtbaren Weizacker, unweit des Maduesees. Seine ersten Mönche sind aus Dänemark gekommen. Nun hat der Madüsee, oder ‑ wie es früher hieß .die Madue" ‑ einen leckern Fisch, die Maräne. Er kommt nirgends im weiten Umkreis sonst vor, nur im Lebasee noch. Man bereitet ihn wie Forellen, ißt ihn mit brauner Butter. Wie sind nun diese seltenen Fische in den See gelangt? Davon erzählt die Sage:

 

Der alte Abt von Kolbatz war gestorben, der Heilige Vater sandte einen jungen Priester aus Rom. Gewöhnt an verfeinerte Kost, besonders an die Fische der oberitalienischen Seen, sagte ihm das schlichte Leben der Brüder im Weizacker gar nicht zu. Während der Fastenzeit hieß es unentwegt Dorsche, Plötzen und andere unedle Fische verspeisen.

 

Einst stand der Abt seufzend am Ufer des Madüsees und murmelte: Ach, wenn mir jemand einen Sack Moränen brächte! ich wollte ihn gut belohnen Da steht schon der Teufel vor ihm. Lacht spöttisch und macht einen Kratzfuß. Hochwürdiger, ich hole Euch die Maränen, wann ihr mir Eure Seele vorschreibt. Bin ich beim ersten Hahnenschrei nicht zurück, dann habt ihr die Wette gewannen.*

 

Dem Abt wässert der Mund nach dem langentbehrten Leckerbissen; so schlägt er ein und schon verschwindet der Teufel mit Gezisch in den Lüften. Es wird Mitternacht der Unselige kann keinen Schlaf finden, schleppt sich in die Kapelle, zum  Altar und versucht, zu beten. Indem betritt der jüngste Klosterbruder, seinen Dienst zu versehen, den Raum. Sieht seinen Abt auf den Knien, jämmerliche Klagen aus­stoßend. Fragt bescheiden nach der Ursach' und vernimmt von der sündigen Wette.

 

Legt Euch ruhig schlafen, Hochwürdiger Vater', tröstet ihn der junge Bruder. Das werde ich schon ordnen!" Setzt sich auf einen Stein und erwartet die Morgenröte. Zugleich beginnt er zu krähen, wie daheim die Hähne pflegten. Und alle Klosterhähne stimmten ein.

 

Im selben Augenblick rauscht der Teufel heran, einen prallen Sack auf der Schulter. Als er erkennt, daß er der Geprellte ist, und dass er seine Wette verloren, wirft er wütend den Maränensack ins Wasser.

 

Ja, und seither pflanzen sich die Maränen im Madüsee fort.     

 

 

 

Und das ist eine andere Fassung der Geschichte:

 

DER ABT ZU KOLBATZ

 

In Kloster Kolbatz der dicke Abt,

Der sprach und murrte die Worte

Wohl hab ich es einmal besser gehabt

Zu Maulbronn und In Pforte,

Doch am schönsten in Riva am Gardasee.

Jetzt sitz Ich hier zwischen Risch und Rhee

An Pommerns traurigstem Orte.

 

Hei, Fastenspeisen an Rivas Tisch!

Harze, was hilft das Sehnen?

Von allen Fischen der herrlichste Fisch

Fettduftende, blanke Maränen!

Hier bringt man ein grätiges Zeug zum Mahl,

Karauschen und Plötzen die Woche sechsmal,

Das knirscht wie Sand In den Zähnen.

 

Ich wollte, Ich lebte am Gardastrand

Und hätte dies Pommern verschworen

Und es pfiff einem andern im grämlichen Land

Der barsche Wind um die Ohren.

Ja, säß ich zu Riva der wonnigen Stadt

Und äß an Maränen noch einmal mich Satt,

Ich gäbe die Seele verloren!

 

So fluchte der Abt. Das war nicht gut!

Die Seele wahre ein Jeder!

Schon naht er und lüftet den grünen Hut

Und wippt mit der Hahnenfeder;

Herr Abt, das macht mir geringe Müh,

Ich schaff Euch Maränen bis morgen früh!

Euch kostet's ‑ ein Strichlein der Feder. -

Da packt den Abt die höllische Gier:

Ich will die Worte nicht drehen:

Bringst du Maränen bis morgen mir,

Ehe die Hähne krähen,

So setz ich den Namen aufs schwarze Papier! -  

Und schon ist verschwunden der Kavalier

Wie einer Wlindsbraut Wehen.

 

Herr Abt, das war ein böser Streich,

Wer hieß mit dem Teufel Euch wetten?

Schon kniet er am Altar schreckensbleich,

Die zitternde Seele zu retten:

0 helft mir, ihr Heiligen allzumal,

Barmherzige Jungfrau im Himmelssaal,

Erlöst mich von Satanas' Ketten! –

 

Die Stunden verrinnen.

Nun steht er drauß'

Und spähet und lauscht in die Lüfte.

Da wirbelt's heran, ein dunkles Gebraus!

Dem Abt ist's, als bebten die Grüfte;

Hilf, Himmel, laß krähen den ersten Hahn,

0 führe den rettenden Morgen heran,

Ach öffne, du Nacht, deine Schlüfte! -

 

Kein Schimmer noch kündet die Morgenfrüh,

Nur näher und näher das Brausen,

Und schon ist der Teufel hoch ob der Madüe!

Da packt den Abt das Grausen,

Er kräht ein ängstliches Kikerekih!

Und Kockerockoh! und Kükerüküh!

Nach kräht's ihm aus Ställen und Klausen.

 

Da wird es dem Teufel wild und weh

Um die fette, verlorene Beute

Und er wirft den Sack in den weiten See.

Da lebt die Maräne noch heute,

Das Äbtlein aß noch manch leckeren Fisch,

Und habt Ihr die gute Maräne zu Tisch,

So dankt es dem Abte, ihr Leute.