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Schwessin Kreis Köslin

 

Heimattreffen am 28. April 2007 in Visselhövede-Jeddingen

und eine Reise nach Pommern

 

Von Marga Helmer geborene Wolff

 

Unser Heimattreffen

 

Vom 27. April bis zum 29. April 2007 fand unser Schwessin/Mersiner Treffen in Vissellhövede/Jeddingen statt.

 

Bereits am Freitagabend trafen die ersten ca. 20 Teilnehmer in Jeddingen ein. Einem gemeinsamen Abendessen folgte ein gemütliches Beisammensein. Am Samstag, nach Ankunft der restlichen Gäste, folgte dann die offizielle Eröffnung mit Totenehrung durch den Vorsitzenden, Walter Wolff, früher Schwessin.

 

Anwesend waren mehr als 30 Personen.

 

Die Wiedersehensfreude mit Bekannten und alten Freunden war groß. Erinnerungsfotos aus unserer alten Heimat fanden großes Interesse und ein reger Gedankenaustausch über die Zeit vor und nach dem 2. Weltkrieg waren die vorherrschenden Themen des Tages.

 

Wegen der langen An‑ und Abreise verabschiedeten sich viele Freunde leider bald nach dem Kaffeetrinken.

 

 

Eine Reise in die Heimat

 

Angeregt durch den sehr harmonischen Verlauf des Schwessin/Mersiner Treffens kam in mir der große Wunsch auf, noch einmal in die alte Heimat nach Schwessin bei Köslin zu reisen. Als ich dann noch ein Busunternehmen fand, das eine 5‑tägige Reise zum Standort Streckenthin anbot, gab es kein Halten mehr. Am 4. Juni ging es los mit Start in Kiel. Es waren 24 Teilnehmer, die bei herrlichem Wetter auf die Reise gingen. Über Lübeck, Grevesmühlen. Rostock, Pomellen erreichten wir am Spätnachmittag unser Reiseziel, das „Bernstein Palast Hotel“ in Streckenthin, nur 3 km von meinem  Heimatdorf Schwessin entfernt. Ich kannte das Schloss von außen aus meiner Kindheit und im leer geräumten Zustand unmittelbar  nach Ende der Kampfhandlungen 1945. Umso mehr war ich von der ge­schmackvollen, schönen Inneneinrich­tung des Schlosses und seinem gepflegten Park überrascht. Alles war stilvoll einge­richtet, die Zimmer waren komfortabel, die Verpflegung gut, das Personal sehr zuvorkommend und freundlich.

 

So waren denn alle Voraussetzungen für einen angenehmen Aufenthalt gegeben.

 

Am ersten Tag unseres Besuches in der alten Heimat war eine Busrundreise durch die Pommersche Schweiz geplant.

 

Über MANOW, das im Laufes eines Jahres viele deutsche Jagdgäste in seinem Forsthaus beherbergt, vorbei am HEIKASTAUSEE nach Bublitz und BALDENBURG. Hier bot sich die Gelegenheit, das Gestüt zu besichtigen, wovon alle Beteiligten Gebrauch machten. Weiter ging die Fahrt nach NEUSTETTIN am schönen Streitzigsee. Einen Spaziergang am Seeufer mit seinen z. T. sehr alten Bäumen kann man nur empfehlen.

 

Auf Wunsch eines Mitreisenden wurde dann der ehemalige Truppenübungsplatz GR. BORN angesteuert. Etliche Gebäude hier befanden sich im Zustand des Verfalls, andere hatte man saniert und zu Wohnungen umgebaut.

 

Einen kurzen Stopp gab es dann noch am DRATZIGSEE, bevor wir durch das schöne FÜNFSEENGEBIET ‑ heute unter Naturschutz ‑ BAD POLZIN erreichten. Man versucht hier, wie auch anderswo, das Stadtbild zu verschönern. Der gut gepflegte Kurpark lud zu einem Rundgang ein.

 

Voll mit neuen Eindrücken kehrten wir zum Hotel zurück.

 

Für den zweiten Tag unseres Aufenthaltes hatte die Reiseleitung eine Busfahrt nach STOLP und zur LONTZKE‑DÜNE

vorgesehen. Da ich und meine drei Gefährten diesen Teil unserer Heimat bereits auf früheren Reisen wiederentdeckt hatten, entschlossen wir uns zu einer Reise in unsere eigene Vergangenheit. Wir mieteten ein Taxi mit einem Deutsch sprechenden Fahrer, um Stätten unserer Familie noch einmal aufzusuchen. Das Ergebnis war traurig ‑ vieles hatte sich total verändert bzw. war von der Natur zurückerobert ‑ nur die herrliche Landschaft ist geblieben.

 

Unser Fahrer brachte uns an alle gewünschten Ziele ‑ aber was war aus ihnen geworden?! Sicherlich war es für uns ein Abschied!!

 

Zum Schluss unserer Rundreise in die Vergangenheit dann doch noch etwas Erfreuliches.

 

Den alten Friedhof in meinem Heimatdorf gibt es nicht mehr. Nur ein paar herrliche alte Bäume erinnern an die alte Zeit. Die Grabsteine mit den vertrauten Namen sind verschwunden! Aber ‑ es gibt gegenüber meinem Besuch im Jahre 2002 etwas Neues ‑ etwas Ermutigendes. Wir fanden auf dem Gelände des alten deutschen Friedhofes im Eingangsbereich ein Denkmal zur Erinnerung an die ehemaligen deutschen Bewohner meines Heimatortes, mit einer Gedenktafel in deutscher und polnischer Sprache und fünf Grabsteinen ehemaliger deutscher Bewohner. Die deutsche Inschrift lautet   „Zum Andenken an die Verstorbenen“.  Sie trägt das Datum 1.11.2003.

 

 

 

 

Der Name auf dem stehenden Stein lautet:

Friedrich Kruggel, gestorben 23.8.1931

 

 

Die deutsche Inschrift lautet:

Als Andenken an die Verstorbenen

Fotos: Marga Helmer geborene Wolff

 

Es standen  Blumen auf dem Denkmal ‑ Anlass zur Hoffnung auf Versöhnung zwischen beiden Völkern.  Wie ich 2008 erfahren habe, ist der Sohn von Anni Lübke, Mersin, die  nach dem Krieg in der Heimat geblieben ist, der Initiator dieser Gedenkstätte. Er ist ja mit seiner Mutter mehrmals zum Schwessiner-Treffen nach Deutschland gekommen.

                                                                                                                                            

Für uns war das ein zufriedenstellendes Ergebnis eines schönen Tages.

 

Der nächste und letzte Tag unseres Aufenthaltes in Streckenthin führte uns nach Kolberg, der geschichtsträchtigen Stadt an der Ostsee. Wieder war uns der Wettergott gut gesonnen. Unser Deutsch sprechender Reiseleiter (ein liebenswerter Student mit kleinen sprachlichen Mängeln) erklärte uns die Entwicklung der Stadt seit Kriegsende. Man hat vieles geschafft ‑ schließlich war die Stadt zu 90 % zerstört. Es klaffen aber noch viele Lücken. Bewunderung verdient der DOM in Kolberg. Er ist wundervoll restauriert.

 

Auf der Heimfahrt war noch eine Führung durch Köslin geplant, einer Stadt mit heute 110.000 Einwohnern (früher waren es ca. 35.000). Leider verhinderte ein aufkommendes Gewitter dieses Vorhaben. Es reichte gerade zur Besichtigung der Marienkirche.

 

Als Ausklang des Tages und des Aufenthaltes gab es dann im Hotel einen Schlossherrenabend. Die Hotelleitung hatte sich alle Mühe gegeben, und es gab ein ausgezeichnetes Essen.

 

Unvergessen blieben die herrlichen Sommerabende auf der Schlossterrasse und der Park mit seinen alten Bäumen, dem See und den Straußenvögeln.

 

Am folgenden Morgen traten wir die Heimreise an.

 

Es wird wohl kaum einen Teilnehmer geben, dem diese Reise in die alte Heimat Pommern nicht etwas gegeben hat.

 

Lebe wohl, schönes Pommernland.