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Gefangenschaft II./Artillerie
Regiment 117 Kriegstagebuch Chronik
Mai 1943 bis zur Vernichtung am 12. Mai 1944 unter Polen und Russen ein
Tagebuch von Brunhilde Dallmann Familie
Kaiser aus Prütznow und Labes Stammbaum Familie Kaiser und Eitzen und Schwessiner-Treffen in
der Lüneburger Heide |
Schwessin Kreis Köslin
Lehrer Ziemer in
Schwessin Schwessin
war nach Kordeshagen mit 1200 Einwohnern das zweitgrößte Dorf im Kreis Köslin
und hatte wahrscheinlich wegen der weit verzweigt liegenden Ausbauten zwei
Schulen. Die Schule 11 befand sich am Ende des Dorfes in Richtung Mersin. Lehrer
Ziemer hat aus Tradition Lehrer werden müssen. Seine Ehe war mit sechs Söhnen
und ebenso vielen Töchtern gesegnet. Er soll mal gesagt haben, seine Söhne
sollten lieber den Mühlenberg abkarren, "as de Göre wat lehre."
Drei Söhne sind im ersten Weltkrieg gefallen, was er verständlicherweise wohl
nicht verkraften konnte. Gerne hielt er sich in der nahegelegenen
Gastwirtschaft auf. Es ist vorgekommen, daß er am nächsten Morgen mit einer
Laterne in der Hand in die Schule gekommen ist, während die Schulkinder nach
einstündigem Fußmarsch in den Wintermonaten vom Wanzenberg durch den dunklen
Wald ihren Weg fanden. In den
Wintermonaten trug Lehrer Ziemer immer Schuhe mit dicken Holzsohlen ,
die noch mit Stroh ausgelegt waren, damit die Füße warm blieben. Die
Jungen bekamen in der Schule damals des öftern den Rohrstock zu spüren. Das
war eben zu der Zeit die Erziehungsmethode. Es kam auch vor, daß die Jungen
den Stock mit Zwiebeln eingerieben haben, so daß er beim nächsten Hieb
zerbrach. Da sich ein neuer Stock nicht so schnell beschaffen ließ, waren
Schläge für kurze Zeit tabu. Zu
meiner Schande muß ich gestehen, daß wir Mädchen unseren alten Lehrer oft
absichtlich geärgert haben, was durch eine tüchtige Anführerin zustande kam.
In der großen Pause war es nicht verboten, daß wir auf dem hinter der Kirche
liegenden alten Friedhof spielen durften, obwohl ein Spiel‑ bzw.
Turnplatz vorhanden war. Auf dem verwilderten, mit Büschen bestandenen
Friedhof ließ sich so herrlich Versteck spielen. Gräber und Grabsteine waren
nicht mehr vorhanden. ich glaube zu wissen, daß dort ab etwa 1875 keine
Begräbnisse mehr stattgefunden haben. Auf einem Teil dieses alten Friedhofes,
zur Straße hin, ist das Kriegerdenkmal 1914/18 errichtet worden. Die
Einweihung des Denkmals fand 1921 statt. Jedenfalls spielten wir Mädchen
gerne auf dem alten Friedhof. Eines Tages beschlossen wir, nach der Pause
nicht in die Schule zu gehen, unid so die letzte Unterrichtsstunde zu
schwänzen. Während die Jungen brav am Unterricht teilnahmen und danach lauthals
die Schule verließen, mußten wir nun wohl oder übel unsere Tornister aus der
Schule holen. Unser "Küster“ erwartete uns schon und
"Nachsitzen" war angesagt. Die Tür wurde von außen verschlossen.
Natürlich wollte die Zeit gar nicht vergehen. Uhren besaßen wir nicht. Hatte
der "Küster" uns nun vergessen oder wollte er uns ärgern? Wir
entwischten stillschweigend samt Tornistern aus dem Fenster. Ich kann mich
nicht erinnern, daß wir am nächsten Tag noch eine Strafe oder Standpauke
erhalten haben. Das ist wohl unsere letzte Schandtat gewesen. Leider haben
wir in unseren letzten vier Schuljahren kaum etwas hinzugelernt, was ich
schon damals, fast möchte ich sagen bis auf den heutigen Tag, zutiefst
bedauert habe. Eventuell war das die Strafe für unser ungezogenes Verhalten;
denn jede Schuld rächt sich auf Erden! Lehrer
Ziemer wurde 1928 pensioniert und unser Jahrgang konfirmiert. Zu seinem 65.
Geburtstag am 14. März schenkten wir unserem scheidenden Lehrer eine hölzerne
Tafel mit folgendem, eingebranntem Spruch: "Tröste dich in Freud und
Leid. Gott der Herr hilft allezeit." Zur Abschiedsfeier erschien Lehrer
Brümmer aus der Schule II mit seinen Schülern. Wir sollten alle gemeinsam den
Choral "Bis hierher hat mich Gott gebracht" singen. Es war recht
peinlich, daß wir von der Schule 1 dies Lied nicht kannten. Am
Palmsonntag, dem 1. April 1928, meinem Konfirmationstag, spielte Lehrer
Ziemer zum letzten Mal die Orgel in der Schwessiner Kirche. Nach Beendigung
der Konfirmationszeremonie wurde "unser Küster" vor dem Altar
offiziell verabschiedet. Den Schlußchoral spielte Lehrer Post ans Mersin auf
der Orgel. Damit verließ die letzte Lehrer‑Ziermer-Generation Schwessin
und zog nach Köslin. Nur ein knappes Jahr nach der Pensionierung ist unser
Lehrer Ziemer auf der Straße einem Herzschlag erlegen. Gottlob blieb ihm ein
langes Krankenlager erspart. Ehre seinem Andenken! Eva Somfleth geb. Pomplun, aus
Schwessin Archiv: Marga Helmer
geborene Wolff |
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