Horst Kaisers Homepage

Auswahlmenü

 

Startseite

 

Einleitung

 

Kriegsende und amerikanische Gefangenschaft

 

Russlandfeldzug

II./Artillerie Regiment 117 Kriegstagebuch   

Dezember 1941 bis Januar 1943

 

III./Artillerie Regiment 117

Chronik Mai 1943 bis zur Vernichtung am 12. Mai 1944

 

Prütznow

unter Polen und Russen

von März 1945 bis Mai 1946,

ein Tagebuch von Brunhilde Dallmann

 

Familie Kaiser aus Prütznow und Labes

 

Stammbaum Familie Kaiser und Eitzen

 

Mein Schulbesuch in Labes

 

Schwessin

Kreis Köslin/Pommern

Flucht / Treck 1945

und Schwessiner-Treffen in der Lüneburger Heide

 

Links

 

Impressum/Kontakt

 

 

 

Schwessin Kreis Köslin

 

Elisabeth Manke

Tagebuch

von unserer Flucht

 

 

Elisabeth Manke,   spätere Ehefrau von Walter Pergande hat während ihrer Flucht ein Tagebuch geführt, das ihre Tochter Annegret Heuchert jetzt zur Verfügung gestellt hat.

 

Unsere Flucht

1. März

Am 1. März 1945  7 Uhr früh Packbefehl. Um 19 Uhr mussten unsere Flüchtlinge weg.

2. März

Am  2.März 6 Uhr früh verließen wir unser Heim; beim Gasthaus war Treffpunkt. Es waren 13 Trecks, denen wir uns anschlossen. 1. Der Bürgermeister, 2. Schwanke, 3. Stöver, 4. Piske, 5. Zemke, 6. Rutzen, 7. Krüger, 8. Herta Wolter, 9. Franz Wolter, 10. Fritz Pöppel, 11. Butenhoff, 12. Schröder, 13. Wachholz.

Machten den ersten Tag 40 km und übernachteten in einem Dorf (Retlin) hinter Belgard.

3. März

Den nächsten Tag ging es wieder weiter, wieder wurden 40 km gemacht. Bekamen den Abend aber kein Quartier und hielten nur 2 Stunden zum Pferde füttern. Kurz vorher war Theodor Rutzen uns abhanden gekommen, da er einfach ohne unser Wissen Quartier bezogen hat; nun standen wir ohne Lebensmittel da.

4. März

Kamen dann sonntags den 4.3. in Greifenberg an, wo wieder Pferde gefüttert wurden. Auch die Nacht sind wir wieder durchgewandert.

5. März

Am 5. März früh waren wir wieder in einer Ortschaft wo Rast gemacht wurde.

6. März

Am 6. März früh kamen wir in Cammin an. Dann ging es weiter und überschritten am Nachmittag die Dievenow; bekamen wieder kein Quartier und schliefen bei der kurzen Rast in einem Schuppen, wo die Beine draußen lagen.

7. März

In der Nacht vom 7. auf den 8. März lagen wir 7 km vor Misdroy. Haben die Nacht in einem Postauto verbracht: es war eine Hundekälte. Die Fahrt ging sehr langsam vorwärts, da alles überfüllt war.

8. März

Gingen am Vormittag des 8. März nach Misdroy und suchten uns dort ein Quartier. Wurden auch gut bei Frau Lübke, Bahnhofstrasse 2, aufgenommen. Mutti wurde so krank, dass sie ins Bett musste. Mussten daher unser Weiterziehen aufgeben und blieben bis zum 20. März.

20. März

Dann hieß es auch da räumen. Unser Gepäck hatten wir verloren; besaßen nur noch 1 Koffer und paar Taschen am Fahrrad, da uns der Treck ja abhanden gekommen war.

Mutti hatte sich zwar ein bisschen erholt so das sie wieder aufstehen konnte, aber es war nicht möglich weiter mit dem Fahrrad zu wandern. Da entschlossen wir uns  zur Bahn. Fuhren also Dienstags den 20. März um 14 Uhr mit dem Pendelzug bis Ostswine. Dort sah es sehr wüst aus, denn am 12. März hatten die Flieger anständig gehaust, Wurden dann dort mit der Fähre übergesetzt. Um 17 Uhr ging es dann in Swinemünde weiter; wurden in einen Viehwagen verladen, und haben die erste Nacht mit 30 Menschen darin verbracht.

21. März

Morgens kamen wir in Rostock an, und wurden auch dort verpflegt. Die Fahrt war haarsträubend.  In Sergehorn  (???) haben wir 3 Tage auf der Strecke gelegen. Es war kurz vor Bremen weil die Brücke dort entzwei war. Alarm war nicht mehr wie immer, und von Angriffen blieben wir verschont.

26. März

Kamen so mit Hindernissen am Montag früh, den 26. März, hier in Vordorf an  (Anmerkung: Vordorf liegt bei Braunschweig). Haben noch erst geschlafen bis 9 Uhr; die Wirtin war verreist; bekamen dann unser  Zimmer zugewiesen. Mutti musste sich gleich wieder hinlegen, denn die Fahrt war doch zu viel für sie gewesen, da sie noch nicht ausgeheilt war.

27. März

Suchten auch hier gleich den nächsten Tag den Arzt auf, gingen noch die 2 km zu Fuß bis „Meine“ (das ist ein Ortsteil von Vordorf). Auch der verschrieb uns immer Wassersuppen zu essen, dabei wurde sie nun sehr schwach; wurde von Tag zu Tag elender, und so kam das Osterfest heran.

1. April

Am 1. Ostertag saßen wir bei Mutti im Zimmer; sie erzählte fast gar nicht, da sie sich zu schwach fühlte, aß ja die letzten Tage auch gar nichts.

2. April

Am 2. Festtag wollte uns Mutti um 17 Uhr schon verlassen, nur wir holten sie zurück. Von da ab bekam sie große Schmerzen. Haben die ganze Nacht bei ihr gewacht.

3. April

Am 3. Feiertag, also am 3.April morgens 7,30 Uhr wurde sie von ihren Schmerzen erlöst. Frau Bosse nahm sich unser an und erledigte alles was zur Beerdigung gehörte.

4. April

Schicken an Gerhard ein Telegramm und an Walter und nach Berlin sowie an Willi eine Karte. Von der anderen Verwandtschaft wissen wir nicht wo die geblieben ist.

5. April

Am 5. April, gerade an meinem Geburtstag war nun der Beerdigungstag meiner Mutter; werde es mein Lebtag nicht vergessen was uns unsere Flucht für einen großen Verlust gebracht hat. Familie Miez (?) aus Swinemünde, mit denen wir die Fahrt gemeinsam gemacht haben, waren die einzigsten Bekannten, die am Begräbnis teilnahmen; ferner schlossen sich Frau Bosse und die anderen Flüchtlinge im Haus so wie einige im Dorf mit an. Der Pastor, selbst ein Flüchtling, machte eine gute Rede.

8. April

Am 8. April war die Danksagung in der Kirche zu „Meine“.

10. April

Am 10. April rollen die ersten Panzer und Fahrzeuge die Strasse nach „Meine“ vor. Nun befinden sich auch schon die Amerikaner in unserm Dorf.

12. April

Am 12. April bekam ich die erste Nachricht von Walter. Der Brief war vom 3. April. Hat ihn von Berlin geschrieben, da er seit dem 20. März in Urlaub war und bis zum 10. April hatte. Seitdem kam keine Post mehr an.

19. April

Am 19. April haben sie mein Fahrrad aus dem Keller geklaut. Sie hatten die Tür aufgebrochen.

22. April

Das Schicksal wollte es, dass ich am Sonntag, den 22. April, mein Fahrrad wieder sah. Ein verwundeter Pole kam damit vor Bosses Haus gefahren. Ich hin zu ihm und er gab es wieder heraus. Am Sonntag Nachmittag waren wir hier in Vordorf zur Kirche; sie war so lange unbenutzt.

26. April

Am 26. April bekamen wir Befehl, dass Bosse sein kleines Haus räumen musste; es war den Russen ihre Wohnung. Wir dachten wir würden auch wieder obdachlos. Aber bis jetzt hat das Schicksal es gut mit uns gemeint. Die Amerikaner kommen täglich und holen sich Lebensmittel. Auch ist die Scheune voller Russen. Die Hamsterei nimmt die Oberhand. Kein Ausländer will mehr arbeiten.

Ende

 

Aufnahmen von 1944 in Schwessin/Köslin:

 

 

 

 

Elisabeth Pergande geborene Manke

 

von links nach rechts:

Elisabeth Manke,     Minna Schulz, verw. Pergande, geb. Raschke   (Mutter von Walter Pergande)        

Meta Manke geb. Eitzen   (Mutter von Elisabeth Manke)      Reinhard Manke

 

Elisabeth Manke und Walter Pergande ( nach Verwundung)

 

 

 

Zum Inhaltsverzeichnis Schwessin

Zur Startseite Schwessin