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Horst Kaisers Homepage |
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Auswahlmenü Kriegsende und amerikanische
Gefangenschaft II./Artillerie Regiment 117
Kriegstagebuch
Dezember 1941 bis Januar 1943 Chronik
Mai 1943 bis zur Vernichtung am 12. Mai 1944 Prütznow unter Polen und
Russen von März 1945 bis Mai 1946 Ein
Tagebuch von Brunhilde Dallmann Familie Kaiser aus Prütznow und
Labes Stammbaum der Familie Kaiser und
Eitzen Kreis Köslin/Pommern Treffen in der Lüneburger Heide |
Tagebuch von Elise Behrend begonnen
Im Alter von 14 Jahren Besucher
dieser Seite suchen oft nach Namen aus der Weichselniederung, Lesen Sie erst
mal dieses Tagebuch, das einen
Eindruck in das Leben in der Zeit um 1880 ohne Strom, Auto und Fahrrad gibt
und beachten Sie dann den Hinweis am Ende dieser Seite. Von
Tante Käte Filter habe ich die Fragmente eines Tagebuchs erhalten, das unsere
Omama Kaiser geschrieben hat. Leider hat Monika dieses Buch als Kleinkind mal
in die Hand bekommen und versucht, es durch Krickel zu ergänzen. Dadurch ist
es etwas unleserlich geworden und wahrscheinlich sind dabei die Seiten am
Schluss verlorengegangen. Am Anfang des Buches hat Omama nur sehr schwer
leserlich die Daten ihrer Eltern und Geschwister aufgezeichnet, die ich
anhand von Unterlagen von Ohm Paul, dem Bruder von Omama, nachstehend
wiedergebe. Man beachte die hohe Säuglingssterblichkeit und
Kindersterblichkeit. Von 12 Kindern wurden nur 3 älter als 24 Jahre, die
meisten nur wenige Monate bis zu 8 Jahren. Eltern: Gottfried August Behrend,
geb. 2.4.1839 in Hornkampe, gest. 7.4.1909 in Danzig, Hofbesitzer in
Lichtkampe bei Stutthof, ab 1889 (Opapa Kaiser lebte zu der Zeit in Danzig,
und Emil wurde 1889 dort geboren) Rentier in Danzig. Sohn von Johann Daniel
Behrend, geb. 5.4.1800 Hinterthor, gest. 1.9.1877 Hornkampe (Altersschwäche)
Hofbesitzer in Hornkampe, und Anna Christine Dengel geb. 15.4.1810 Holm,
gest. 4.8.1875 Hornkampe (an Ruhr). Heirat am 5.3.1863 in Tiegenort Hanna
Eleonore Aline Kleineisen, geb. 26.1.1843 Tiegenort, gest. 31.12.1889 in
Lichtkampe. Tochter von Martin Kleineisen, Kaufmann in Tiegenort, geb.
5.4.1797 Gr. Lesewitz, gest. 6.5.1847 Tiegenhof, am 6.11.1834 Heirat mit
Eleonore Albertine Ens geb. 17.3.1806 Tiegenhof, gest. 26.3.1853 Tiegenhof. Kinder: 1. Emilie
Justine Eleonore geb.
25.01.1865 gest. 04.01.1889 2. Rudolf
August 09.05.1866 25.12.1872 X 3. Elise Aline 29.05.1867 24.09.1934 4. Julius Gottfried 10.10.1868 25.01.1869 5. Eduard Gottfried 03.12.1869 04.01.1873 6. Otto Hermann 03.03.1872 10.01.1873 7. Robert August 09.10.1873 11.05.1874 8. 9.
Bertha Helene 05.12.1878 22.02.1879 10. Adolf Heinrich 14.07.1880 18.01.1888 11. Franz Albert 25.12.1881 ca 1946 12. Paul
Friedrich 19.08.1883 1966 Lichtkampe liegt ca. 2 km südlich von Stutthof.
Dazwischen fließt ein Weichselarm, der früher
mit einer Fähre überquert werden musste. Der Flecken Lichtkampe ist auf der Karte, die in
den Kartenausschnitten enthalten ist, in den Stutthöfer Kampen enthalten. Lichtkampe besteht nur aus wenigen Höfen, die alle
an der Strasse liegen. Bei unserm Besuch im Mai 1991 waren wir dort, haben aber wohl
nicht die richtige Stelle gefunden. Wir haben auch die Kirche in Steegen
(heute Stegna)
besichtigt, die als Besonderheit im
Reiseführer erwähnt ist (ausgeschmückt an Wänden und Decke mit Gemälden auf Leinen). In dieser
Kirche ist unsere Großmutter nachweislich
getauft und getraut worden, vermutlich auch konfirmiert. Stegen und Stutthof
liegen ca. 4 km, Lichtkampe und Steegen ca. 5 km auseinander. Die Entfernungen
zu den anderen Orten kann man aus der angefügten Karte abgreifen.
Doch
nun das Tagebuch: Im Jahre 1878 bekam ich zu Weihnachten ein Buch mit
der Überschrift "Robinson der Juengere"
mit Emilie zusammen. Auch ein Weihnachtsbaum.........Marzipan. Ich allein bekam noch von Mama ein Paar graue Handschuh. (Anm:
11 Jahre alt). Meine Geburtstagsgeschenke sind bis jetzt diese:
Ein Kuchenteller, ein Schmalztopf, ein
Zuckerbecher, ein Präsentierteller, ein Sammetband, eine Torte und ein
Halsband. ‑ Frau Justine Schulz geborene Siemund ihr
Geburtstag ist den 9. März. – Ihre Tochter
Wilhelmine ihr Geburtstag ist den 24. September. ‑ Ihrem Sohn Herrmann sein Geburtstag ist den 24. September. Im Jahr 1879 bekam ich von Mama einen bunten ..... (Es fehlen jetzt offensichtlich Seiten, die in der
Mitte des mit einem Zwirnsfaden gehefteten Heftes herausgerissen wurden). Elise Behrend Das neue Jahr 1882 (Anm.: also 14 1/2 Jahre alt). Der 1. Januar traf gerade Sonntag ein. Vormittags war ich zur Kirche gegangen. Es war ein nebeliger Morgen, doch war es nicht gerade kalt. Ich war bei meiner Freundin Laura Görgens angegangen. Unser Pfarrer Herr Klein predigte ein wenig langsam. Die Sänger, deren Componist Herr Lehrer Miehlke ist, sangen die Liturgie. Als der Gottesdienst aus war, konnten mit Prohls bis Stutthof mitfahren. Nachmittags war Papa's Freund Her. Engelbrecht aus Fischerbabke bei uns. Er blieb bis um 9 Uhr Abends. Am Montag war Mamas Schwester mit ihrem Mann u. ihrer Tochter Mariechen aus Rehwalde bei uns. Sie waren zu Fuße und langten erst um die Mittagszeit bei uns an. Abends um 4 Uhr gingen sie wieder. ‑ Am Mittwoch kommt die Butterfrau Gabrielsche aus Steegen immer. Gewöhnlich bringt sie Adolf immer eine kleine Nascherei mit. Sonntag, den 7. Januar. Vormittag war Renate Kunz mit einer Kinderfrau bei; wir haben sie gemietet. Nachmittag war der Lehrer Mielke mit seiner Frau und seinen beiden Kindern Bertha und Otto hier. Die beiden Kinder haben sehr mit Adolf (Anm: 1 1/2 Jahre alt) gespielt. Bertha ist 12, Otto 9 Jahre alt. Wir putzten noch einen kleinen Weihnachtsbaum aus, weil sie keinen bekommen hatten. Nach Abendbrot lernte ich noch ein neues Spielchen Karten spielen. Es heißt Schnipp, Schnapp, Schnurr (burr Pastelorium). Es ist ganz hübsch. Montag schickte Doc. Knapp, Schönbaum, meine Medicin, welche aus Pulver bestand. Herr Harder war mit seinem Sohne Vieh zählen. Dienstag trat unsere Kinderfrau Jette in den Dienst. Mittwoch war Behrends Herr u. Frau bei uns. Sie kamen bei der Dämmerung. Es wurde hernach viel Sturm. Mir that der Kopf weh. Anfangs dachte ich es war vom Winde, aber es kann auch von der Medicin gewesen sein. ‑ Donnerstag war ich gerade so kränklich. Es herrschte draußen viel Wind. Die Weichsel war schon bis an den Weg, stellenweise bis über den Weg vorgedrungen. Abends hagelte es. Freitag
Nachmittag war ich mit Emilie nach Tiegenort gegangen. Wir gingen um 1 Uhr
und waren um 7 Uhr wieder zu Hause. Auf dem Hinwege wurde ich schon etwas
müde und zurück konnte ich schon fast nicht mehr gehen. In Tiegenort wollten
wir Tanzschuhe kaufen und bekamen keine. Nun waren wir den langen Weg umsonst
gegangen, waren müde und mußten morgen...... (es
fehlen wohl wieder Seiten. Man sehe sich auf der Karte mal die Entfernung
Lichtkampe ‑ Tiegenort an !). Dienstag ganz
wenig Neues war. ‑ Freitag thaute und regnete es. Abends war wieder Tanzstunde, ich ging schon bei Tage. Ich ging noch
bei Laura rein. Heute lernte sie auch mit. Es
waren heute 9 Herren und 9 Damen. (Anm.: Aus späteren Eintragungen ist zu sehen, dass es auch aus dem Jan. 1882, also
im Alter von knapp 15 Jahren war.) Sonntag ließen wir taufen. Die Hebamme fuhr mit dem
Kleinen (Anm: es muss Franz gewesen sein) nach
der Kirche. Frau Miehlke hielt ihn über den Taufstein. Sie blieb noch bis Kaffee. Unsere Kinderfrau Jette ging
Vormittag nach dem Dorf u. ist seitdem nicht
wiedergekommen. Abends war Tanzstunde. Es waren noch 12 Mädchen hinzu. Montag war Frühlingswetter. Das Eis schmolz immer
mehr u. Papa ging nach dem Amtsvorsteher Thyben, die Kinderfrau anzeigen. Wir
hatten vorher zu ihr geschickt, aber die Frau, bei der sie ist, hatte gesagt
die war in Schönbaum beim Doctor Knapp; sie wäre krank, sie hätte sich an der
Mangel zu Nicht gemacht. Letzteres war ihre Schuld. Und ersteres wird wohl
nicht wahr sein. Abends kam Lietz, ein neuer Arbeiter. Dienstag. Abends war Tanzstunde. Es war noch ein Herr
zugekommen. Mittwoch.
Heute ist Emilies Geburtstag (Anm.: Es muss also der 25.1. gewesen sein). Von
uns hat sie nichts bekommen, nur unser Dienstmädchen Mine schenkte ihr einen
Kranz. Nachmittags kam auch Gust.Schülz u. brachte ihr eine Gratulationskarte
u. einen Kranz. Heute spielen bei Hinzen die Böhmen. Papa wird nur alleine
hin. Donnerstag. Heute ist Mamas Geburtstag. Sie ist jetzt 39 Jahre. Ich schenkte ihr
ein Paar schwarzwollene Strümpfe u. Emilie eine Wollweste. Beiderlei hat sie
schon vorher bekommen. Außerdem noch 3 Kränze u. von Mine auch. Abends kamen
Gäste: Tetzlaff u. Hans Claasen waren zu reiten, A.Stanke mit seiner Frau zu
gehen, Lehrer Miehlke mit seiner Frau, Gensdarm Domke, und gegen Abend kamen
Wilh. Behrens, Carl B. u. Julius Behrend nebst Frau. Zu Abendbrot gab es
Hühnersuppe und Rippspeerbraten. Nach dem Essen entfernten die Gäste sich
bald mit Ausnahme der Grebiner und Reichenberger, welche über Nacht blieben. Freitag.
Mittags gegen 1/2 1 Uhr fuhren die Gäste. Abends war wieder Tanzstunde. Laura
hat aufgehört mit Tanzenlernen. ‑ Sonnabend wurde bei
Hein.Behrens, unserm Nachbarn, das kleinste Kind Heinrich begraben. Papa,
Mama und Emile waren dort. An Geschwüren starb das Kind. Sonntag.
Papa und Mama waren zur Kirche gefahren. Nachmittag kam Laura Görgens. Sie
blieb bis 1/2 9 Uhr. Montag. Abends waren Tanzstunden. 1 Herr
zugekommen. Dienstag. Heute waren Tanzstunden. Papa wollte mich
abholen kommen, nur blieb er aber bei Rahns. Ich wußte das nicht und ging
ganz allein nach Hause. Mama erzählte mir noch, daß Diebe uns hatten,
wahrscheinlich von Sonnabend auf Sonntag die Nacht, Fleisch gestohlen. Durch
das Fenster hatten sie das Fleisch aus der Tonne herausgeholt. Papa kam 1/2
Stunde später. Mittwoch.
Vormittag kam Jette auf Befehl zu uns. Sie mußte hier bleiben obgleich sie
viele Einwände hatte u. viel Schelte bekam. Sie mußte spinnen und Federn
abspließen. Gegen Vesper fuhren Papa und Mama zum Doctor, weil Mama sich
einen Zahn ziehen lassen wollte. Als sie kaum fort waren, ging Jette fort.
Mama und Papa waren nicht zum Doctor gefahren nur bis zur Fähre, weil sie
gehört hatten, das er nicht zu Hause war. Vormittags war Papa Haussuchung
halten in unserer Kathe nach dem Fleisch. -
Donnerstag. Abends Tanzstunde. Jetzt machen die Tanzstunden
schon viel Vergnügen. Wir können schon Steuersch., Polka, Galopp, 1. 3.
5.u.6. Tour vom Conter u. ein wenig Polonaise. Freitag wieder
Tanzstunden. Heute mußte Emilie auch mitkommen, Herr Lehmann schickte nach
ihr, weil zwei Damen zu wenig waren. Die andere Dame war Clare Trinage aus
dem Dorfe. Mittwoch ist Probeball. Wir mußten aufschreiben, wen wir einladen
wollten zum Probeball. Ich habe Lehrer Miehlke aufgeschrieben. Vergangene
Nacht hatten sie uns 1 Bund Rohr gestohlen. Sonnabend wie gewöhnlich. ‑
Sonntag, den 5. Februar. Mama und Papa fuhren nach Rehwalde schon um
11 Uhr Vormittags. Abends um 6 Uhr kamen sie wieder zurück. Mama erzählte,
daß der meinige Tanzlehrer auch in Tiegenort lernte, wo meine Cousine
Mariechen auch lernte. ‑ Montag Abend war Tanzstunde, Heute war
zum ersten Male für Zuschauer frei. Der Conter ging ziemlich glatt durch. ‑
Dienstag. Schon früh des Morgens nach Frühstück fuhr Mama mit Lietz
nach Tiegenhof, eine Kinderfrau holen u. für mich ein weißes Kleid zum
Abschiedsball kaufen. Papa ging heute vormittag nach Steegen, Geschäfts
halber, kam aber erst abends 0 Uhr zurück, denn er war bei Rahn geblieben.
Mama kam schon eher. Die Kinderfrau nennen wir Annchen, sie ist noch
unverheiratet. Vormittag war eine andere Kinderfrau hier. Es ist gut, daß
Mama gefahren ist, denn diese gefällt mir besser als die. Mama brachte mir
Zeug zum weißen Mullkleide mit, Tanzschuhe, welche aber etwas groß waren, u.
hübsche blaue Vergißmeinnichtblumen, zum Garnieren des Kleides. Außerdem noch
sehr viel anderes. ‑ Mittwoch. Vormittag war Behrend hier, weil
seine Leute eine von hier gekaufte Weide zersägen mußten. Mama, Emilie und
ich fuhren Abends zum Tanzkränzchen. Es war sehr voll. Wir Schüler kamen viel
zum Tanzen. Der Conter für die Schüler ging ziemlich glatt durch. Mama wollte schon sehr früh fahren aber sie blieb doch noch bis zur
Cotillion. Die Uhre war 3 als wir zu Hause
ankamen. Die anderen blieben noch. ‑ Donnerstag. Vormittag war
die Hebamme Frau Neuhaus bei uns und bat Papa, ob er ihr nicht wollte Holz
fahren. Papa versprach es. Nach Abendbrot bekamen wir noch einen späten Gast.
Der Gensdarm Domke besuchte uns. Mich schläferte, aber er blieb so spät, so
daß ich mich nicht hinlegen konnte. Zuletzt legte ich mich doch noch hin, u.
da ging er. ‑ Freitag. Heute Abend sind Tanzstunden, so dachte ich. Ich
zog mich auch an und ging bis Harders, aber Nette sagte mir, es waren erst
Sonntag Tanzstunden. Der Tanzlehrer hatte erst später gesagt, als wir schon
fort waren. ‑ Sonnabend. Der liebe Sonnabend, so wie ich
ihn immer nenne, weil ich nicht besonders gerne scheuere. Vormittags waren
Behrends ein Stündchen bei uns. Heute ist Onkel Julius sein Geburtstag. Mama,
Emilie, ich und Lietz fuhren hin. Es waren ziemlich viele Gäste dort. Wir
blieben sehr spät, denn wir lauerten auf den Mondaufgang. Und der Mond ging
doch nicht auf u. um 4 Uhr Morgens kamen wir zu Hause an. Sonntag,
den 12. Februar 1882. Heute Abend
sind Tanzstunden. Ich ging alleine, hernach kam mir Papa nach. ‑ Montag.
Mama war krank. Heute wird der alte Herr Gethke begraben u. wir sind auch
zum Begräbnis eingeladen. Da aber Mama krank war, und Emilie kein gutes Kleid
anzuziehen hatte, so mußte ich mitfahren. Allein wollte ich nicht, aber ich
mußte. Jaunke Harder und Rosalie Fott waren meine Gesellschaft. Um 1/2 5 Uhr
fuhren wir nach Steegen. Es war schon dunkel, als wir in Steegen ankamen. In
der Kirche waren überall Lichte befestigt, was sehr hübsch aussah. Wir sangen
noch 2 Lieder u. dann wurde er ins Grab gesenkt. Nun war es draußen aber
schon ganz dunkel geworden. Um 1/2 8 Uhr kamen wir nach Hause. Dienstag. Nach
Mittag waren hier 2 Reisende an der Thür. Wir gingen nicht gleich sehen, und
da hatten sie die Oberthür aufgemacht u. unserer Köchin Mine einen Kamm u.
ein Paar Handschuhe weggenommen. Sie mußten ihre Taschen zeigen aber wir
fanden sie doch nicht. Heute Tanzstunden. Emilie kam wieder mit. Papa und
Mama waren nach Behrends gegangen, sie waren eher zu Hause wie wir. Mittwoch. Abends
fuhren wir in Tanzstunden. Aber als die Tanzstunden aus waren hieß es: Das
Eis geht wir kommen nicht hinüber. Joh. Harder ging sehen u. kam zurück und
sagte das es mit dem Kahn über ging. Nun gingen wir auch. Aber als wir dort
angelangt sind, ist das Eis in vollstem Gange. Es dauerte jedoch nicht lange,
da verstopfte es sich u. stand. Nun war es aber so dicht zusammen geschoben,
daß es fast unmöglich war, mit dem Kahn durchzubrechen. Jedoch der Mühe des
Fährmannes gelang es uns zwar schlecht aber doch hinüber zu bringen. Das
Fuhrwerk blieb im Dorfe. In der Breitfart (unserer Weichsel) ging das Eis
auch, aber gegen uns stand es. ‑ Donnerstag. Heute ist es kalt
und stürmisch. Papa ging zur Auction nach August Dzaak. ‑ Freitag. Des
Abends war keine Tanzstunde, denn morgen ist ein kleines Kränzchen. Mariechen
Harder, unsere Schneiderin kam zu uns, um mein weißes Kleid zu machen. Sie
hat außer meinem noch 3 andere Kleider zu machen welche bis zum Abschiedsball
fertig sein sollen. ‑ Sonnabend. Frau Miehlke war nach Möllers
gegangen u. auf dem Zurückwege war sie bei uns an. Sie wollte sich ein Paar
weiße Handschuhe von uns borgen zu Lehrer Fett seiner Hochzeit, welcher Frl.
Kohnke aus Fischerbabke heiratet. Papa war nur allein nach Hintzen. Wir
brachten ein Paket auf die Post. Meine Tanzschuhe umzutauschen u. Ansatz an
meine Taille. Sonntag. Mariechen
H. hat den ganzen Tag über genäht. Heute ist der 19. Februar 1882. Montag. Heute
bekommt Mariechen fertig bis auf die Taille. Sie ging gleich nach Ruhnaus.
Sonnabend wollte sie wiederkommen meine Taille fertig machen. Abends in
Tanzstunden bekamen wir zu hören das der Ball Sonnabend ist. Einladungen
mußten wir mitbringen. Ich hatte noch Tetzlaff u. M. Behrend eingeladen. Dienstag. Heute
meinten wir das Paket sollte eintreffen aber es kam nicht. Mittwoch. Viel
Sturm. Tanzstunden. Wir übten Quadrille a la Tour ein. Aber,nur 8 Paare weil
es sonst nicht stimmte. ‑ Donnerstag wieder Tanzstunden. Freitag traf
das Paket mit kleineren Tanzschuhen aber keinen Ansatz ein. Ich war krank
hatte Difteritur, weiße Flecke. ‑ Sonnabend. Mariechen kam erst
spät. Die Kleider wurden man knapp zurecht. Den Ansatz kaufte Mariechen noch
erst bei Rahn u. wurde dort noch genäht, es wurde schon sehr auf uns
gewartet. Sehr viele waren nicht aber doch genug. Fast alle Damen weiß. 3
Coutillonorden bekam ich. Sonntag, den
26. Februar 1882. Fast verschlafen, denn wir kamen 1/2 6 Uhre nach Hause. ‑
Montag haben wir wieder die Kleider in Ordnung gebracht. Dienstag Vormittag
ganz unerwartet kamen Louise u. Emilie Claasen aus Rehwalde zu Fuße zu uns.
Wir frugen sie weshalb sie nicht zum Balle gekommen waren, sie sagten sie
hatten keine Einladung bekommen. Die Schuld liegt am Tanzlehrer. Vor Abends
gingen sie. Mittwoch. Papa will morgen
nach Danzig fahren sich eine Drillmaschine kaufen. Onkel Julius sollte
mitfahren. Gegen Abend kam er. Behrends ließen fragen ob es heute paßte, daß
sie hinkamen. Es paßte u. sie kamen u. brachten seinen Onkel mit. Donnerstag. Früh morgens
fuhren sie ab. Papa soll noch Blumensamen mitbringen. Nachträglich: Bei
Gottl. Foths haben die Diebe schon lange eine ganze Menge Schweinefleisch
gestohlen. Diese Geschichte war nun fast ganz eingeschlafen, als es mit
einmal hieß es waren etliche Personen aus dem Dorfe verhaftet. Unter 6 die
verhaftet waren befand sich auch Reinhold Hecht welcher bei uns auch gedient.
Sie hatten bei ihm außer Fleiß (Anm: soll wohl Fleisch heißen) noch Körner
und Schweinebohnen gefunden. Man könnte denken, von uns. Bei Foths hatten die
Diebe an die Wand geschrieben: Wir sind unserer acht und gehen jede Nacht.
Später sind noch mehr verhaftet worden. Wenigstens sind wir jetzt doch
einigermaßen sicherer. Nur die Hehler haben wir noch nicht. Es wurde
gesprochen, unter den Hehlern befanden sich solche die mit Glacehandschuhen
gingen. Nun die Zeit wirds lehren. Freitag. Nachträglich Ich
stricke mir einen Schwal aus rosa Mooswolle. Das Muster besteht in Netzpatent
: 1 Nadel Doppeltpatent, die nächste Nadel: 1 M. abgehoben, u. dann strickt
man die M. vor dem Umschlagfaden r. ab, hebt den Umschlagfaden l. ab, strickt
dann 2 M. r ab u.s.w. Abends kamen sie aus Danzig. Papa hat eine
Drillmaschine gekauft. Hat uns die Sämereien auch mitgebracht. Vormittag
bekamen wir eine Einladung Sonntags nach Foths zu kommen. Wir versprachen. Sonnabend. Vormittag reiste
Onkel Julius ab. Kestner ein Handelsmann war noch hier. Emilie säete gleich
im Mistbeete, weil es schon schönes Wetter ist. Sonntag, den 5. März 1882.
Wir folgten der Einladung und gingen Nachmittag nach Foths, Amandes
Geburtstag zu feiern, welcher aber erst morgen ist. Es waren noch mehr junge
Leute dort. Um 2 Uhr Nachts kamen wir nach Hause. Es wurde getanzt und
Spielchen gespielt. Montag. Wir erhielten eine
Einladung von der Ressource, daß Freitag Ball mit Cotilionorden wäre. Wie bei
Foths aber besprochen wurde wollten die Mädchen aber in Wollkleidern
erscheinen. Dienstag haben wir noch Blumensamen in Cigarenschachteln
u. Blumentöpfen gesäet. Des Morgens hagelte es. ‑ Mittwoch. Als
wir des Morgens aufstanden, war draußen alles weiß, aber als der Mittag
vorbei war, wars auch mit dem Schnee vorbei. Es ist heute Frl. Scherf ihr
Geburtstag. Wir wußten es aber nicht u. schickten deshalb nach Miehlkes
fragen ob sie Hause wären, wir würden hinkommen. Frau Miehlke hatte gesagt es
passte. Als Mine aber nach Hause kam erzählte sie das bei Frl. Scherf
Geburtstag wäre. Frl. Scherf ist die 2. Mädchenlehrerin in Stutthof. Wir
waren in großer Verlegenheit. Da schickte Herr Miehlke einen Brief worin Frl.
Scherf uns einlut zu ihr zu kommen, Mama und Emilie wollten nun hin. Als sie
fort waren kam Gustav Möller zu uns. Wahrscheinlich hat er sich die
Drillmaschine ansehen wollen. Er blieb bis 10 Uhr. Donnerstag. Kestner
war hier. Er hatte Lust, Gerste zu kaufen. Papa verkaufte jedoch nicht, weil
sie zu billig war. Freitag. Heute ist bei
Hinzen Ball. Ich wäre gerne auch dort gewesen, aber ich konnte nicht. Papa
ging allein hin. Martin Behrends Kinder waren auch gewesen. Aber im Ganzen
war nicht viel Gesellschaft gewesen. Sonnabend. Nachmittag fuhr
Papa nach Heinr. Wills. Er wollte nach Saatgetreide hören, u. fragen, ob sie
am 15. März auch nach Julius Behrend fahren möchten, denn dann war dort Tante
ihr Geburtstag. Er kam noch vor Finster wieder zurück. Sonntag, den 12. März 1882.
Wir erhielten eine Einladung zur Feier Sr. Majesestät bei Hinzen in einem
Tanzvergnügen. Wir lauerten vergeblich auf Tetzlaffs. Denn wie wir später
erfuhren, waren sie anderwärts hingefahren. Gegen Abend ging Papa noch nach
Behrends. Sie waren aber auch nicht zu Hause gewesen u. da war er nach
Kestners gegangen. Wir hielten uns noch sehr vergnügt. Montag. Es wurde heute die
Reise Mittwoch nach Reichenberg besprochen. Tante ihr Geburtstag ist dann.
Eine Kuh wurde milch. Dienstag. Der
Getreidehändler Kestner war hier; er hat Getreide (Weizen u. Gerste) gekauft.
Um die Mittagszeit kam noch der Mühlenbesitzer zu uns, trotzdem Papa einen
gerichtlichen Streit wegen Zahlung mit ihm gehabt hat. Er wollte auch
Getreide kaufen, bekam aber keins. Der Fleischer Corschewitz aus Stutthof
kaufte uns heute ein Kalb ab. Er gab 3 1/2 M. Mittwoch. Papa, Mama und
Emilie fuhren heute Nachmittag zum Geburtstage nach Reichenberg. Die
Butterfrau bekam keine Butter, ich gab ihr aber ein Sträußchen
Schneeglöckchen mit. Sie war aber nicht in Danzig gewesen. Donnerstag. Ich dachte, es würde sich nicht so leicht wirtschaften, aber es ging
ganz gut. Stamm war hier. Er bezahlte nur Stroh u. nahm auch welches mit.
Abends 6 Uhr waren sie zu Hause. Sie
brachten mir Pulver mit von Dr. Knapp. Es war sehr viel Wind, also eine nicht
sehr angenehme Fahrt. Wie sie erzählten waren sie bald vom Schönbaumer Damm
heruntergeflogen. Freitag. Von
heute weiß ich nicht viel Neues zu berichten als ' dass Papa nach dem Dorfe
ging. Sonnabend.
Wir lieferten Getreide an Kestner. Ich ging mit Adolf auch dahin. Ich
verbrühte mir den Fuß. Sonntag, den
19. März 1882. Wir wußten, daß Tetzlaffs heute herkommen würden und lauerten
sehr. Endlich gegen 1 Uhr kamen sie, jedoch nicht auf lange, denn Gustav kam
bald nachgeritten u. meldete, daß sie Besuch bekommen hatten. Nun fuhren sie.
Der Sonntag Abend verging sehr langweilig. Montag. War
es gestern schon außergewöhnlich sehr schön, so brannte die Sonne heute
förmlich wie im Sommer. Im Schatten zeigte das Thermometer 13 u. in der Sonne
14 Grade Wärme. Wir lasen alle Kartoffeln durch u. hatten günstige Witterung.
Der Brandschulze Conrad war ein Weilchen bei uns an. Er wunderte sich, daß
wir so groß geworden waren. Görtz, ein Fischer vom Laschken, welcher uns fast
alle Sonntage Fische schickt, wofür wir ihm z.B. einmal ein Fuhrwerk geben,
oder einen Käse schenken u. dgl. m., holte sich ein Scheffel Rosen‑ u.
3 Schffl. blaue Kartoffeln. Dienstag. Heute
war es noch ebenso schön wie gestern. Wir bekamen die Kartoffeln durchgelesen. ‑ Mittwoch. Heute ist
ein wichtiger Tag, denn Kaiser Wilhelm I feiert heute seinen Geburtstag.
Papa, Mama u. Emilie werden nach Hinzen, ich nicht, weil mein Fuß noch nicht
besser ist. Als ich des Morgens unserm Vogel Hansel Futter gab, streifte er
sich das eine Pfötchen blutig. Es muß ihn sehr geschmerzt haben, denn er hob
es immer ganz in die Höhe und schipte kläglich. Es wurde heute zum ersten
Male mit Pferden auf dem Lande
gearbeitet. Als Papa, Mama u. Emilie kaum fort waren, brach ein heftiger
Regen und Gewitter hervor. Das erste in diesem Jahre. Man sagt: Gewitter über
die kahlen Bäume, daß giebt ein fruchtbar Jahr. Zwar ist das
Christorbeerstrauch schon etwas ausgegrünt, aber die Bäume sind noch ganz
kahl. Donnerstag. Es war heute wieder ziemlich schön, und so machten wir denn unser
Blumenstück zurecht. Gegen Abend kam ein Mann und eine Frau mit
einem kleinen Mädchen, die um eine Nachtherberge baten. Da an ihnen nichts
Verdächtiges zu bemerken war, konnten sie im Stalle bleiben. Eine Kuh wurde
milch. Freitag. Schon
früh waren die Nachtbleibers abgegangen, ohne Frühstück. Emilie und ich zogen
in die Vor‑ oder Sommerstube u. schlafen von jetzt an immer darin. Sonntag, den
25. März 1882. Heute wieder ein langweiliger Tag. Jetzt werde ich die
Sonntage bald "langweiliger Sonntag" bezeichnen, denn wir reisen
selten u. zu uns kommt auch selten Einer. Aber so ganz ohne eine Veränderung
verging dieser Sonntag denn doch nicht. Ich ging, obwohl mein Fuß noch nicht
so recht besser war zum Dorfe um Einkäufe zu machen. Allerhand Kleinigkeiten,
machten aber doch circa 14 M. zus. Der Mond schien schon als ich und Mine
nach Hause kamen. Montag.
Mariechen Harder, unsere Schneiderin, kam zu uns. Sie hatte für Mama ein
neues Kleid, für Emilie 3 Kleider zu verändern, für Adolf einen Anzug u.
sonstige Kleinigkeiten mehr zu machen. Mama ließ heute anfangen im Garten zu
graben. Dienstag. Heute
ist Tante Florchen im Holm ihr Geburtstag. Wenn Papa nicht so sehr beschäftigt
gewesen wäre, waren wir vielleicht auch dorthin gefahren, aber nun fuhren wir
nicht. Friedericke Rathke (ein Mädchen von 7 ‑ 8 Jahren mit welcher ich
noch zus. zur Schule gegangen bin u. die ich ganz gut leiden konnte) brachte
uns die Nachricht, daß wir Freitag doch nach Markssen kommen möchten, Herr
Marks sein Geburtstag wäre. Mama und ich gingen heute nach Behrends. Anfangs
wollten wir Adolf auch mitnehmen, aber da es nachher schlechteres Wetter
wurde, ließen wir ihn zu Hause. Eine Frau mit Leinenzeugen war hier. Ich
kaufte mir 1/2 Dutzend Taschentücher a 30 Pf und Mama eine blaue
Wirtschaftsschürze zu 3 M., welche ganz hübsch aussah. ‑ Mittwoch.
Mama wurde heute krank, sie bekam das Fieber. Als es vorüber war, mußte sie Fiebertropfen
einnehmen, welche eine schwarze Farbe hatten. Gegen Abend schrieb ich noch einen Aprilsbrief an meine
Cousine Luise Claasen in Rehwalde. Den einen an Selma Hanning aus Glabitsch,
welche mit mir zus. zum Confirmandenunterricht ging, hatte ich schon lange
fertig. Emilie schrieb einen Aprilsbrief
an Emma Claassen. Donnerstag. Gegen Vesper
sitzen wir alle zus. am Fenster machen Handarbeit u. erzählen uns, mit einem
Male verdunkelt sich das Fenster u. ein Reiter wurde sichtbar. Es war
Ferdinand Höhnke, welcher uns einlud nach Markssen zum Geburtstag u. zur
sogenannten "Fensterhochzeit". Papa welcher nach Stutthof zu einer
Versammlung gegangen war, war auch 3 Mal zu demselben Feste eingeladen
worden. Freitag. Also nun heute ist
das große Fest bei Marks. Papa, Mama und Emilie werden hinfahren. Ich habe
zwar große Lust mitzufahren, aber als wir neulich von Behrends kamen, hatte
ich mir meinen Fuß noch schlimmer gemacht u. nun könnte es mir wohl noch
schlechter gehn. Sie fuhren und ich blieb zu Hause. Mit Mariechen Harder habe
ich Abends noch sehr musiziert, denn singen thue ich sehr gerne. Vergangene
Nacht wurde eime Kuh milch. ‑ Sonnabend. Morgens um 5 Uhr kamen
sie nach Hause. Sie erzählten: 4 Musikanten waren gewesen u. es war sehr
getanzt worden. Emma und Louise Claasen hatten ihre Aprilsbriefe schon
Freitag bekommen. Sie waren nicht am richtigen Tage u. richtigen Orte zur
Beförderung gegeben, denn wir gaben sie M. Harder mit. Heute ist der erste
April u. gleich des morgens wurde ich vom Postboten in den April geschickt.
Ich hatte ihn doch für vernünftiger gehalten u. deshalb ärgerte ich mich.
Morgen ist der Geburtstag Papas. Hierzu wurde heute ein Kalb geschlachtet.
Dieses wurde uns jedoch gleich durch ein anderes ersetzt. Sonntag, den 2. April 1882. Also heute ist Papas Geburtstag. Es ist sein 43. Unsere Geschenke bestanden
in 4 Kränzen. Nachmittags kamen viel Gäste. Im Ganzen waren 21 Personen: Von
Tetzlaffs 6, von Marksen 3, von M. Behrends 5, vom Nachbarn Behrends 2, von
Lehrer Miehlke 4, wovon der Jüngste Junge heute eingesegnet worden ist, u.
Herr Engbrecht. Die Zeit verlief zwar vergnügt, aber doch nicht schnell. Um 2
Uhr kamen wir zur Ruhe. ‑ Montag. Heute wird aufgeräumt, Teller,
Tassen, Gläser u.s.w. getrocknet. Ich packe lieber aus als ein. Papa hatte
sich 4 Weiber zum Weizen weden bestellt. Wir bekommen jetzt die Danziger u.
Werderzeitung, aber keine Modenwelt. ‑ Renate Kunz, welche immer Brod
austrägt, und welche bei uns auch gedient hat, half im Garten graben. ‑
Der Lumpenhändler und Kaufmann Krause war hier. Wir verkauften ihm 40 Pfd.
Knochen u. 1 Pfd. Lumpen u. nahmen dafür Schüsselchens u. Töpfe. ‑ Dienstag.
Diese Nacht hat eine Stute gefohlt. Sie hat einen hellbraunen Hengst. ‑
Heute haben wir angefangen, das Rübensamen in die Erde zu bringen. Miene ist
gesund und mein Fuß auch. ‑ Mittwoch. Heute ist es windig und
kalt. Papa hat zum 2. Male mit der Drillmaschine gesäet. Es werden dazu 3
Mann gebraucht, sonst geht es ganz gut. ‑ Donnerstag. Heute
heißt es "Grün‑Donnerstag". Die Schütze, welche auch Brod
austrägt kam schon früh mit Kringeln. Nate (Renate Kunz) kam erst später.
Semmel u. Fladen sind bei Nate immer besser als bei der Schützche, heute aber
waren die Kringel der Schützche besser. Wir bekamen den letzten Rübensamen
ausgesäet. Die Weiber hatten den Weizen auch gewedet. Nun können die
Feiertage kommen. - Freitag, Stille Freitag. Wir, Papa, Mama u. ich
fuhren zur Kirche. Es waren Viele in der Kirche. Überhaupt viele Neue
Communianten. Am Nachmittag fuhr ich und Frau Annchen den Adolf mit dem
Wagen. Zugleich wollte Frau Annchen sich die Gegend besehen. Wir fuhren nicht
weit. Sonnabend. Heute geht Frau
Annchen nach Tiegenhof zur Kirche. Sie will Montag wiederkommen. Mir soll sie
ein Osterei, Emilie ein Fläschchen Haaröl u. Adolf ein Tut' mitbringen. Sonntag.
Erster Osterfeiertag. Heute ist der 9. April 1882. Der Vormittag verging
sehr langweilig. Nachmittag, gerade als ich in diesem Buche schreibe, klopft
Justine Schulz mir auf die Schulter u. schenkt mir einen kleinen
Oleanderbaum. Ich war sehr überrascht. Abends nähte ich alle Blätter zus. die
die Geschichten aus den Zeitungen enthielten. Ich habe jetzt 10 Bücher
eingeheftet u. cirka 21 Geschichten. ‑ Montag. Ostern zweite
Feiertag. Nachmittags fuhren wir nach Teztlaffs. Anfangs wollten wir Adolf
mitnehmen, aber da sich das Wetter änderte blieb er zu Hause bei Frau
Annchen, welche des Morgens von ihrer Reise zurückgekehrt ist. Mir hat sie
ein Viertel Pfund Confekt mitgebracht, weil ein Osterei leicht beim Tragen
zerdrückt werden kann. Wir waren bei Tetzlaffs nicht allein: ein Herr und
eine junge Dame von Hennings waren auch da. Das Mädchen war 18 ‑20
Jahre und taubstumm. Nach den Aussagen meiner Cousinens reiste sie gern u.
war gern in Gesellschaft. Sie konnte lesen u. schreiben, deshalb unterhielten
wir uns auf diese Weise mit ihr. Wir kamen erst spät nach Hause. Dienstag. Unser früherer Butterhändler Stamm war bei uns er holte 2 Käse und frug ob er die Butter nicht wieder
haben könne. Endlich nach vielen Reden, erlaubte ihm Mama, Donnerstag wieder
zu kommen u. vielleicht würde sie ihm auch welche Butter lassen wenn er bis
Pfingsten 1 M. a Pfd gebe. Er versprach es. Mittwoch. Heute kam die
Butterfrau nach Butter, sie wollte nicht mehr wie 90 Pf je Pfd geben und
darum bekam sie die Butter nicht. Nate hörte hier auf zu graben, obgleich
noch nicht alles umgegraben ist, aber wir können uns schon helfen. Donnerstag. Heute haben wir
viel Kartoffeln zu setzen. Nachts wurde eine Kuh milch. Diese Kuh verkauften
wir heute Mittag an Stein u. Brand, letzterer Schuster in Steegen. Sie gaben
uns für diese Kuh mit Kalb zus. 50 Thl. Mittags schneite es. Stamm bekam 12
Pfd Butter. Abends kam Steinbrücker von Latschken von uns Saatgerste zu
holen. ‑ Freitag. Heute waschen wir feine Wäsche. Sonst alles
beim alten. - Sonnabend. Heute
ist Papa den ganzen Tag über auf dem Lande beschäftigt. Ein Schlossermeister
war hier nach eine Mandel Stroh, er bekam sie u. zahlte 4 M. Auf Vesper fuhr
ich mit Adolf aufs Land um Papa Vesper zu bringen. Sonntag. Als heute die
Schützsche mit Strietzschl kam erzählte sie: Bei Hinzen in Stutthof sei das
älteste Mädchen von 5 Jahren im Grützstalle allein irgendwo aufgeklettert,
plötzlich heruntergefallen und habe sich sehr gestoßen. Sie hatten noch zu
den Grützmeister geschrien. Meister ich habe mir sehr gestoßen, darauf sei
sie umgefallen und todt gewesen. Der Doctor hatte gesagt sie habe sich den
Gehirnschädel sehr beschädigt. Ein großer Schlag für die Eltern. ‑
Heute hat Papas Onkel Herr... Holm Geburtstag. Wir werden hin. Aber als wir
uns schon angezogen hatten, sehe ich zufällig raus und sehe, daß die drei
Mädchen von Foths herkamen. Als sie sahen, daß wir fortfahren wollten,
wollten sie gleich umkehren. Aber wir nötigten sehr u. so blieben sie. Papa
u. Mama fuhren aber doch. Wir ließen noch Harders Nette sagen, aber sie kam
nicht. Nun wollten wir noch Malwine Wilms herholen welche nach Hause gekommen
sein sollte. So lange war sie bei ihrem unverh. Bruder auf der Höfe, da er
jetzt aber zu sehr gewirtschaftet hatte, kam sie wieder hier her. Wir gingen
hin aber sie kam doch nicht. Sie blieben nicht spät, dagegen kamen Papa u.
Mama erst Morgens 3 Uhr zurück, obgleich dort nicht viel Besuch gewesen war. Montag. Wir haben ein
ganzes Leiden mit Mine, denn heute hat sie schon wieder das Fieber. Ein
junger Mann aus Danzig war hier, er hatte Hefte über die Retter der Lehre
Christi. 24 Hefte bekamen wir jährlich a Heft 50 Pf. Beim 6. Heft 2
Prachtbilder gegen die geringe Nachzahlung von 4 M. Und zum Schluß eine
Lutherstatu als Spieldose welche 2 Lieder spielt gegen 3 M Nachzahlung. Der
Mann konnte das alles so besprechen und Papa nahm. Als wir aber nachher
nachdachten, konnten wir wohl denken, daß er ein Schwindler sei. Doch jetzt
zu spät. Dienstag. Der Candidat Herr
Larans aus Stutthof hatte hergeschickt u. ließ Papa um seinen Frack bitten zu
Hinzens Begräbnis. Papa gab. Nachher gingen die Eltern und Emilie nach
Behrends, während Frau Annchen und ich uns Rollplatze backten. Mittwoch. Heute Morgen war
Nate mit einer Köchin bei uns. Wir mieteten sie. Sie bekommt 18 Thl u. 10
Ell. Leinwand. Nach Mittag sahen wir plötzlich eine dicke Rauchwolke hinter
dem Gloddeschen Hause aufsteigen. In unserem Schrecken dachten wir es war bei
Gloddes, aber später sahen wir das es im Dorfe war. Ich wollte sehr gerne
hingehen, weil ich noch nie dicht bei einem Feuer gewesen bin, aber Mama ließ
mich nicht. Nun frug ich einen vorbeireitenden Boten, wo das Feuer wäre ? Der
sagte es war bei Paul Koschke, aber da viel Wind sei, ging noch mehr mit. Das
mußte mich dann beruhigen. ‑ Donnerstag. Heute waren wir
natürlich sehr neugierig Näheres über das Feuer zu erfahren. Der erste Bote
war die Nate. Sie erzählte, der 15 jährige Sohn, der noch schwindsüchtig ist,
hat mit einem Gewehr nach einem Vogel, welcher auf dem Dache saß, geschoßen
u. dadurch habe sich das Feuer entwickelt. Heute wird das Mädchen von Hinzens
begraben. Abends war es so still, daß wir das Läuten hören konnten. Wir
bekommen heute die letzten Kartoffeln gesetzt. Und das Pflügen haben wir auch
schon verricht. Wir goßen mal das Blumenstück, weil es schon eine Weile nicht
geregnet hat. Freitag. Nachmittags kamen
ganz unerwartet Penners zu uns. Herr Penner trinkt oft, u. bei dieser
Gelegenheit hat er sich vor einigen Jahren die linke Hand ab maschint. Sie
waren mit dem jüngsten Knaben Gerhard zum Doctor gewesen; denn er hatte sich
den Arm gebrochen u. noch gerade im Gelenk, wovon er wohl einen steifen Arm
behalten wird. Wir ließen noch Behrends sagen. Herr Behrends kann, aber sie
nicht, denn sie war nicht recht wohl. ‑ Sonnabend. Heute ist es
furchtbar warm, so warm wie es im Sommer oftmals nicht ist. Sonntag. Aber der Sonntag
giebt dem Sonnabend an Hitze nichts nach, denn heute waren 19 Grad Wärme.
Papa und Mama fuhren nach Albert Stankes, während wir Besuch bekamen. Janette
Harder besuchte uns. Es ist ihr erster Besuch. Wir besprachen uns, daß wir Bußtag
Bertha Ruhnau besuchen wollten. (Anm.: Zu Bußtag siehe die Erläuterungen von
mir am Ende). Montag. Nach Vesper kam Frau M. Behrend mit Selma zu
uns. Sie wollte mit Papa wegen Geldgeschichten sprechen. Und deswegen wollten
sie morgen nach Tiegenhof fahren. Dienstag. Morgens fuhren
die Eltern nach Tiegenhof. Sie wollten gegen Abend zurückkommen. Emilie
setzte mir eine Glucke. Gegen Abend kamen sie und hatten viel mitgebracht.
Zuerst die Hauptsache. Wir haben neue Kleider bekommen, blaues Zeug, jedoch kein
Besatz. Unsere besten weißen Hüte sind bei Krügers neu aufgearbeitet worden,
ein weiß ‑ rothen Rosenknospen Strauß umschlossen mit weißen Spitzen u.
hinten mit gelber Schleife. Für mich einen Sonnenschirm u. eine weiße
Schaumperlenkette. Für Franzen zum Taufkleide u. noch Vieles andere. Mittwoch. Weil es schon
lange sehr warm gewesen ist, goßen wir heute das Blumenstück. Grün holte
wieder Getreide, was er sehr oft thut. Donnerstag. Durch Nate und
durch Stamm bekamen wir zu erfahren daß die alte Frau Gethke im Dorfe
gestorben ist. Große Hitze. Freitag. Dieser Tag wäre
bald ein Unglückstag gewesen. Nämlich Adolf ging Morgens an die Badewanne,
welche an die Erde stand, u. wo Franz eben gebadet war. Mit einmal hören wir
(wir waren zwar in der Stube, aber sahen nicht nach ihm), daß er plätschert
u. sahen das er mit einem Arme u. dem Gesicht in dem Wasser. Glücklicherweise
konnten wir ihn rasch herausziehen, wären wir 5 Min. später gekommem, wäre er
ertrunken in der Badewanne. Erquicklicher Regen fiel hernieden. Da kam der
Begräbnisbrief. Wir wurden eingeladen am nächsten Montag bei der Beerdigung
der Frau Gethke gegenwärtig zu sein. Emiliens Glucke bekam 16 Küchlein aus. Sonnabend.
Nachmittag fuhren die Eltern nach Heinrich Wills. Papa wollte dort die
gekaufte Gerste bezahlen. Kaum waren sie fort, als es gehörig an zu regnen
anfing. Als es aufgehört hatte, kam unsere neue Köchin Emilie Zelkau, wir
nennen sie aber Marie, da hier schon jemand Emilie heißt. Sonntag den 31. April. Mama
erzählte daß wir heute Gäste bekommen würden. Als sie ,gestern bei H. Will
gewesen waren, waren Erdtmann Behrends angekommen, welche in Thiergarth
wohnen, heute wollten sie zu uns kommen. Sie kamen Nachmittag um 2 Uhr:
Onkel, Tante Eweline u. Emma (5 Jahre). Ich kannte Eweline fast nicht, da wir
uns sehr selten sehen. Zu Abendbrot gab es Büffsteak. Montag.
Unsere Gäste sind zur Nacht bei uns geblieben. Heute Morgen, nachdem sie
tüchtig gefrühstückt hatten, fuhren sie fort, aber nicht nach Hause, sondern
zu Dengels. Heute ist auch Begräbnis. Mine mußte mit Schmand gehen. Sie
brachte uns einen Teller mit, welchen wir gewonnen hatten in einer Verlosung
in Pasewark. Es ist ein weißer aber nicht Porzellanteller mit ein gemalte
Blume inwendig. Wir klebten Tuten von Papa zur Beschirmung der Pflanzen. Dienstag.
Heute ist bei Teztlaffs Geburstag. Papa, Mama u. ich werden hin. Wir fuhren hin. Ich habe mich ganz gut amüsiert, es wurde noch
ein wenig getanzt. 3 Uhr Morgens zu Hause angelangt. Mittwoch. Buß‑u.Bettag. Als ich heute Morgen
aufstand war ich ganz heiser, u. ich dachte schon, ich würde heute nicht nach
Ruhnaus gehen können. Aber es ging. Bei Ruhnaus haben wir noch sehr getanzt,
weswegen ich erst um 1/2 10 Uhr zu Hause kam. Donnerstag.
0! heute haben wir große Wäsche vor. Ich darf dabei zwar nicht viel helfen,
aber es ist dann doch anders wie sonst. Diese Nacht hat die Sau 8 Ferkel
geworfen. Leider
fehlen die folgenden Seiten. Es gibt noch 1/2 Blatt mit folgendem Inhalt: Am
24. Dezember 1882 habe ich bei Wilhelmine Litz, Tochter des Johann Lietz
(unseres jetzigen Arbeiters) und seiner Frau geb. Siemund Pathen gestanden.
Sie ward am 5. Dezember 82 geboren. Andere
Seite: Meta starb am 26. März 1880. Im Alter von 2 Jahren
9 Monaten und 24 Tagen. Mittags um die sechste Stunde. Sie hatte ein
dunkelbraunes Sarg, rundum mit einem grünen Kranze besetzt. Ein weißes
Mullkleidchen hatte sie an. In der Vorstube stand sie. Es wurde gesungen. Was
Gott thut, das ist wohlgethan, er giebt und nimmt auch wieder. Sechs Träger
waren. ( Die
Kirchenbucheintragung von Metas Tod ist am Ende dieser Seite zu sehen.) Das
war ein Einblick in das Leben eines 14‑15 jährigen Mädchens in der Zeit
vor über 100 Jahren ohne Plattenspieler, Radio und Fernsehen, ohne Disco aber
mit Lust zum Tanzen. Fortbewegungsmittel waren die eigenen Beine auch über
weite Strecken, das Fuhrwerk und das Pferd. Ein Fahrrad war unbekannt, es
fand in Deutschland erst ab 1888 Verbreitung nach Erfindung des Luftreifens.
Autos gab es noch nicht. Aber es ist möglich, dass die Eisenbahn von Stutthof
über Steegen nach Danzig und nach Dirschau bzw. Marienburg schon bestand,
obwohl sie nie erwähnt wird. Ich
habe mich bemüht, originalgetreu abzuschreiben mit Zeichensetzung und
Rechtschreibung, auch wenn es offensichtlich Schreibfehler waren, wie z.B.
einmal "Fleiß" statt "Fleisch", oder "das" mit
s statt mit ss. Das Tagebuch wurde ja für sich selbst geschrieben und sicher
nicht in der Erwartung, dass einer ihrer Enkel es abschreibt und damit unter
ihren Nachkommen verbreitet. Man sollte es mehrmals lesen und sich auf jeden
Fall die Karte zur Hand nehmen, um sich die Orte zu suchen und einen Begriff
von den Entfernungen zu machen. Nach den mir vorliegenden Unterlagen sind viele
Namen Verwandte, z.B. Hans, Louise und Emilie
Claasen aus Rehwalde (aus der 1. Ehe von Emilie Kleineisen, Schwester der Mutter der Schreiberin), A. Stanke (aus
gleicher Linie, Mutter des 1. Mannes von Emilie
Kleineisen = Hans Claassen), Tetzlaffs (aus 2. Ehe von Emilie Kleineisen, Tochter von Martin Kleineisen, den Großvater von
der Schreiberin, also Schwester der Mutter),
Dengel (Verwandte ihrer Großmutter väterlicherseits = Dengel), Wilhelm, Carl, Erdmann, Heinr. und Julius Behrend (Brüder
ihres Vaters). Buß‑ und Bettag: Lt.
Lexikon hat die Luth. Kirche von der Kath. Kirche die vier Quatembertage als
Buß‑ und Bettage übernommen, von denen je einer in jeder Jahreszeit
liegt, der im Frühjahr am Anfang der Pfingstzeit. Die Tagebuchaufzeichnungen
sind hier vollständig. Der erwähnte Buß‑ und Bettag liegt genau 3 1/2
Wochen nach Ostern und damit 3 1/2 Wochen vor Pfingsten. Danach wurde also
der Beginn der Pfingstzeit genau auf die Mitte zwischen Ostern und Pfingsten
gelegt. Cotillon (französisch cotillon: Unterrock), französischer Gesellschaftstanz mit unterschiedlicher Zahl teilnehmender Paare, als Form des Contredanse etwa um 1700 entstanden (siehe Volkstanz). Um 1800 wurde er auch in England und Nordamerika populär. Eine Variante des Cotillon entwickelte drei bis fünf komplizierte Figuren, die alle zu einer anderen Melodie getanzt wurden. Dieser Tanz wurde als Quadrille bekannt und war der direkte Vorläufer des amerikanischen Squaredance. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten sich die noch existierenden Formen des Cotillon zu amüsanten Tanzspielen mit Preisen, Pfänderspielen und häufigem Partnerwechsel. Anleitung für das Zitieren dieses Artikels: "Cotillon." Microsoft® Encarta® 2006 Falls Sie weitere
Namen von Personen aus der Weichselniederung suchen, empfehle ich Ihnen, den Stammbaum der Familie Kaiser anzusehen
mit den Vorfahren (mit Nebenlinien) der Schreiberin dieses Tagebuches Elise
Aline Behrendt (Lichtkamper Ast). Beim Anklicken eines der sehr vielen Namen erhalten Sie Daten mit Ortsangaben über dessen
Geburt, Heirat und Tod.
Kirchenbucheintragung von Metas Tod (26. März 1880) (rot
angekreuzt):
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